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Berlinale Blogger 2018
14 Äpfel und 14 Tage als myanmarischer Mönch

14 Apples TWN/MMR 2018
14 Apples TWN/MMR 2018 | © Seashore Image Productions

Nach „Ice Poison“ (2014) und „City of Jade“ (2016) kehrt Midi Z mit 14 Apples (14 Äpfel) in das Forum der Berlinale zurück. Der zufällig entstandene Dokumentarfilm wurde innerhalb von etwas mehr als einem halben Monat gedreht.

Von Yun-hua Chen

Als Midi Z im April 2017 seine Mutter in Myanmar besuchte, hörte er zufällig, dass sein Freund Wang Shin-hong, ein Geschäftsmann aus Mandalay, auf dem Weg in einen Tempel sei. Dort sollte er auf Anraten eines Wahrsagers als Mittel gegen seine Schlaflosigkeit zwei Wochen als Mönch leben und jeden Tag einen Apfel essen. So brach Midi Z mit Wang zu einem ungeplanten Abenteuer in das entlegene Dorf Aungda in der Region Magwaz in Zentralmyanmar auf und filmte die gesamte Reise.

Der in warmen Farben gehaltene Film taucht in das Braun brachliegender Felder, karger Berge und strohgedeckter Hütten ein und spart nicht an Gesellschaftskritik. Während Wang sich auf dem Markt nicht zwischen aus China importierten Äpfeln und den teureren aus den USA entscheiden kann, wartet ein bettelndes Kind neben ihm geduldig auf ein Stück von dem Obst. Als Wangs Wagen im Sand auf dem Hügel zum Tempel steckenbleibt, eilt eine große Schar halbbekleideter Jungen zu Hilfe, streut Stroh auf die Straße und schiebt das Auto. Zum Dank dafür erhalten sie ein paar Kekse, über die sie sich sehr freuen. Wie andere verarmte Regionen, die von Jugendlichen auf der Suche nach Arbeit verlassen werden und wohin kaum einer von ihnen je zurückkehrt, leidet auch Aungda an Bevölkerungsschwund. Dieses Thema treibt Midi Z um, seit er mit dem Filmemachen begann. Wer sind diese Menschen, die aus ihrer Heimat weggehen müssen? Sind sie glücklich dort, wo sie jetzt sind? Wang wird vorübergehend zum Berater der Dorfbewohner. Zwei junge Frauen berichten ihm von Freunden, die weggegangen sind, um in China in Chilifabriken, auf Bananenplantagen, in Wäschereien, bei Speditionen oder in Thailand in Goldminen zu arbeiten. Ob aus Naivität oder Abgeklärtheit beschreiben sie ruhig und nüchtern, wie ihre Freunde ihnen erzählten, dass sie sich im Fluss versteckten, als Grenzpolizisten das Feuer eröffneten und dass einige von ihnen von ihren Arbeitgebern oder Schmugglern übers Ohr gehauen wurden. Selbst Mönche arbeiten lieber im Ausland, um mehr Geld zu verdienen, denn die Menschen in Ländern wie Thailand sollen großzügiger spenden.

Viele Szenen folgend dem natürlichen Rhythmus einer Prozession. Die Handkamera filmt Wang frontal oder folgt hinter ihm auf seinem Weg. Der kahlgeschorene, in eine rote Mönchskutte gekleidete Geschäftsmann schreitet langsam durch das Dorf, um die Almosen der Dorfbewohner entgegenzunehmen. Sie haben den schlammigen Boden für ihn mit Tüchern bedeckt, legen ihm der Reihe nach Gaben in seine Almosenschüssel, knien nieder zum Gebet und falten dann die Tücher zusammen, bevor sie wieder aufstehen. Diese ernsthaften Momente religiöser Rituale kontrastieren mit den profanen Diskussionen und Disputen, die die Mönche zu einem späteren Zeitpunkt über die Vergütung religiöser Zeremonien, die Inflation und die Lotterie führen.

Ganz am Ende des Filmes schält Wang einen der 14 Äpfel im Schatten, und wir hören den myanmarischen Popsong „Ich möchte mir einen Motorroller leihen, um meine Freundin auszuführen“ im Hintergrund. Die Musik kommt aus einem MP3-Player eines Mannes, der auf den verdorrten Feldern umherläuft. Er hat in einer Goldmine gearbeitet und darüber den Verstand verloren. Der Refrain klingt fast wie Midi Zs abschließende Bemerkung über die Mechanismen der globalisierten Wirtschaft und diejenigen, die nach ihren Regeln spielen müssen:

„Mein Liebling, wohin, in aller Welt, gehst du? Fährst du mit dem Motorroller? Aber wir haben nur chinesische Motorroller in Myanmar. Ich werde dir einen besorgen. Wenn du einen japanischen Motorroller willst, kann ich dir nicht helfen. Mein Liebling, bitte warte auf mich. Warte ein, zwei, drei Jahre. Ich werde hart arbeiten, um es zu schaffen.“

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