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Berlinale Blogger 2018
Den Rhythmus fühlen

Szene aus „Under the Sun“ (2015)
Szene aus „Under the Sun“ (2015) | Regie: Qiu Yang (邱阳)

Der junge Regisseur Qiu Yang gewann 2017 in Cannes für seinen Kurzfilm „A Gentle Night“ als erster Chinese die Goldene Palme. Derzeit arbeitet er an seinem ersten Spielfilm und kommt dazu nach Berlin zum Nachwuchsforum Berlinale Talents.

Von Yun-hua Chen

Ich habe gelesen, dass du ursprünglich wie dein Großvater Maler werden wolltest. Was hat dich dann doch zum Kino gebracht?

Da war wohl etwas Zufall dabei, oder vielleicht auch komplexere Zusammenhänge. Ich bekam durch verschiedene Umstände die Möglichkeit, im Ausland zu studieren. Dabei wollte ich kein zu akademisches Fach wählen und der Gedanke Filmemacher zu werden kam dann zufällig auf. Natürlich könnte es auch etwas damit zu tun haben, dass mein Vater und ich immer sehr gern Filme geschaut haben. Filmemachen und Malen mögen sich in der Kunstform stark unterscheiden, aber meine Einstellung ist dabei dieselbe. I versuche immer, das Filmemachen als etwas sehr persönliches zu sehen.

Du hast Film am Victoria College of the Arts in Australien studiert und bist dann in deine Heimat Changzhou zurückgekehrt, um dort Filme zu machen. Schaust du wegen deiner Erfahrung in Australien zu leben und durch deinen anderen Freundeskreis anders als andere chinesische Filmemacher auf deine Heimat?

Ich denke schon, mal mehr oder weniger, mal in einer passiveren Art, mal mehr direkt. Wie man etwas betrachtet hängt zu großen Teilen von unserer Erfahrung und unserem Wissen ab. Aus meiner Perspektive betrachtet ist der Blick auf die Dinge aus sovielen verschiedenen Blickwinkeln wie möglich sehr hilfreich für meine Kreationen und für mein Leben generell.

Gibt es einen Filmemacher oder einen Film, der einen Einfluss auf dein Werk und deine Einstellung zum Leben hatte?

Ich tue mein bestes, um nicht beeinflusst zu werden, weder beim Filmemachen, noch in meiner Lebenseinstellung.

Auf deiner Profilseite bei Berlinale Talents kann man lesen, dass du dich besonders für Filme mit kleinem Budget, kollaboratives Filmemachen und Menschenrechtsthemen interessierst. Was für eine Art von Kollaboration suchst du im Rahmen von Berlinale Talents?

Ich werde dort nicht mit einer ganz klar definierten Absicht hingehen. Mir ist es wichtiger Freunde zu finden, mit denen ich mich gut verstehe und Spaß haben kann. Wenn dabei geeignete Gelegenheiten entstehen, können wir zusammenarbeiten. Der Fotograf, Lichtdesigner und Schnitttechniker, mit denen ich zur Zeit zusammenarbeite, sind alles Freunde, die ich auf Filmfestivals kennengelernt habe.

Beide deiner bisherigen Filme erzählen von Familie. Was fasziniert dich an diesem Thema so sehr?

Ich glaube, dass wir alle ein Produkt unserer Erziehung und Bilduing sind, und vieles von dem, was uns heute ausmacht hat seine Wurzeln in Geschehnissen aus unserem Familienleben. Und wir, als Produkte von Familie, formen dann wiederum die Welt in der wir Leben. Um mich selbst und die Welt um mich herum besser zu verstehen, denke ich, dass es wichtig ist, zunächst innerhalb der Familie nachzuforschen und diese Beziehung besser zu verstehen.

Mir gefällt die Distanz, die du mit der Kamera zu den Charakteren deiner Filme hältst und die langsamen Bewegungen mit denen du dich ihneen näherst. Wie siehst du die Rolle der Kamera in deinen Werken?

Für mich geht es um den richtigen Rhythmus. Es ist sehr intuitiv, wann man sich entfernt und wann man näher gehen kann. Das ist fast wie der Rhythmus in der Musik. Was die Bildkomposition angeht, verlasse ich mich ganz auf mein Gefühl. Eigentlich habe ich keinerlei rigoroses System für meine visuelle Kunst. Ich möchte immer wieder neue Formen der Bildsprache für mich entdecken.

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