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Berlinale Blogger 2018
Interview mit Wang Jing, Produzentin von "Tropical Islands"

Szene aus „Tropical Memories“
Szene aus „Tropical Memories“ | © Foolish Old Man Production

Die junge Produzentin Wang Jing ist eine der Teilnehmerinnen der diesjährigen Berlinale Talents und bringt den einzigen chinesischen Film des Talentmarkts mit: "Tropical Memories" nimmt die Zuschauer mit in eine heiße Sommernacht im Guangzhou des Jahres 1997 und rollt einen 20 Jahre alten Mordfall neu auf. Als der Fahrer des Wagens, die Witwe des Opfers und ein Polizist im Ruhestand in ihren Erinnerungen wühlen, wird die Wahrheit immer schwieriger zu finden.

Vor der Berlinale warst du als Gast beim diesjährigen Internationalen Filmfestival Rotterdam. Wie waren deine Erfahrungen dort?

Dieses Jahr haben wir das neue Filmprojekt des Old Stone-Regisseurs Johnny Ma, To Live To Sing (活着唱着) mitgebracht und damit am Cinemart teilgenommen. Dieses Projekt läuft parallel zu Tropical Memories, der Film, mit dem ich dieses Jahr an Berlinale Talents teilnehme. Es gab in Rotterdam viele Treffen und wenig Zeit, um Filme anzuschauen. Das war etwas schade.

Du warst früher schon mehrfach bei der Berlinale. Was hast du dort für Erfahrungen gemacht?

Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, in dem ich das Chinesische Neujahr in Berlin verbringe. 2016 feierten wir mit Old Stone Premiere in Berlin. Später nahm ich mit anderen Projekten am Berlinale Co-Pdoruction Market und an der Script Station von Berlinale Talents teil, und dieses Mal bin ich beim Talent Project Market dabei. Ich weiß nun mehr über die verschiedenen Sektionen der Berlinale. Ich mag die Atmosphäre hier in Berlin, es gibt sowohl viele Menschen aus dem Filmgeschäft, als auch Filmfans. Persönlich wird mir dieser Ort immer viel bedeuten, da hier mein erster Film Premiere hatte. Ich erinnere mich noch, wie wir das erste vor einem Publikum standen. Alles war neu und ungewohnt. Die Berlinale hat mich bei meiner Arbeit auch sehr unterstützt. Unser Vertrieb für Nordamerika hat beispielsweise unseren Film in Berlin gesehen und uns damals direkt kontaktiert. Old Stone konnte deshalb Ende 2016 in Nordamerika in die Kinos kommen. Das war schon etwas Besonderes für einen Debütfilm und ein ganz neues Team. Die Frage des Vertriebs ist für chinesische Indepent Filme immer noch sehr schwierig. 

Welchen Schwierigkeiten gibt es für dich als unabhängige Filmemacherin sonst noch?

Ich habe schon oft Schwierigkeiten bei der Suche und der Finanzierung von Schauspielern gehabt. Der schwierigste und unkalkulierbarste Faktor ist aber der inländische Verleih in China.

Was müsste sich diesbezüglich deiner Meinung nach verbessern?

Als ich Filmproduktion in New York studierte, verbrachte ich viel Zeit in Programmkinos dort, wie im Museum of Modern Art oder im Lincoln Center, wo eine große Bandbreite an Filmen gezeigt wird. Als ich dann nach China zurückkehrte, fiel mir auf, dass so etwas wie ein Arthouse-Filmvertrieb fehlte. Damals gab es im Grunde nur eine einzige Möglichkeit der Filmveröffentlichung, egal um was für einen Film es ging. Filme, deren Zielgruppe kleiner und fragmentierter ist, können mit den Kassenabsätzen von kommerziellen Mainstreamfilmen natürlich niemals mithalten. Heute ist es etwas besser. Sowohl die Zuschauer, als auch die Filmindustrie entwickeln sich ständig weiter. Ich hoffe, dass sich in Zukunft noch mehr Kanäle für den Filmvertrieb etablieren, so dass mehr Diversität herrscht und auch Nischenfilme eine Chance auf Kinopublikum bekommen.

Wie bist du zur Filmproduktion gekommen?

Ich habe eigentlich Funk- und Fernsehjournalismus studiert. Der Journalismus interessierte mich letztlich aber nicht so sehr wie alles Kurse, die mit audio-visuellen Medien zu tun hatten. Zu dieser Zeit machte ich einige Kurzfilme und schrieb Drehbücher. Dann bewarb ich mich für verschiedene Filmschulen in Nordamerika. Filmproduktoin wählte ich, weil mir das Entdecken einer erzählenswerten Geschichte und von talentierten Filmemachern viel Spaß macht. Ich genieße es, ihnen bei der Verwirklichung ihrer Vorstellungen zu helfen und beim Schaffensprozess dabei zu sein und mich mit ihnen gemeinsam zu weiterzuentwickeln. Meiner Meinung nach besteht die Filmproduktion aus mehr, als der Aggregation von Ressourcen. Produzenten gehören mit zu den wichtigsten Schöpfern, die von Beginn an dabei helfen, einen Film auf die Kinoleinwand zu bringen.

Wonach suchst du ein Filmprojekt aus?

Ich vermeide es, direkt nach Filmtypen wie Independent, Arthouse oder Kommerz zu beurteilen. Stattdessen, nehme ich die Rolle eines Außenstehenden ein und spüre nach, ob Inhalt und Ausdrucksform des Films etwas in mir ansprechen, Emotionen auslösen und etwas unbekanntes bieten. Ich schaue dann, ob eine Kollaboration mit den Machern in Frage kommt und ob ich mich mit dem Gedanken an eine mehrjährige Zusammenarbeit wohlfühle oder nicht.Erst dann überlege ich andere praktische Fragen: Bin ich für diesen Film die geeigenete Produzentin? Wie gehe ich es an? Wo ist der Markt für den jeweiligen Film?

Wie bist du Teil des Projekts "Tropical Memories" geworden?

Alle Projekte, an denen ich je gearbeitet habe waren entsprangen aus Kollarborationen mit Alumni von der Columbia University, meiner Alma Mater. Wir haben uns dort damals kennengelernt, und wir haben seit Studiumstagen zusammengearbeitet. Das ist bei Shi-pei Wen, dem Regisseur von Tropical Memories nicht anders. Ich bin ein Fan seiner Kurzfilme, die er im Studium machte. Als er 2016 zurück nach China zog, zeigte er mir einige Konzepte die ihn interessierten. Tropical Memories schien mir davon das ausgereifteste zu sein. Ton und Ambiente Geschichte sind sehr außergewöhnlich und verzaubernd. Außerdem bin ich in den 1990er Jahren selbst in Guangdong aufgewachsen und habe ein paar sehr persönliche Erinnerungen an diese Zeit. Das Projekt nahm dann beim Projektmarkt des Shanghai International Film Festival teil. 

Was erhoffst du dir von deinem diesmaligen Berlin-Besuch für das Projekt “Tropical Memories”?

Ich hoffe auf mehr Gelegenheiten für den internationalen Vertrieb, damit wir mit der Planung für internationale Festivals und den globalen Vertrieb beginnen können.

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