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Berlinale-Blog 2020
Mit Filmen aus 70 Berlinalejahren älter werden

Xiao Wu
Xiao Wu | © TOP CLEVER

Die Berlinale wird 70: Ein Alter, über das Konfuzius sagt, man könne seinen Herzenswünschen folgen, natürlich ohne aber dabei das Maß zu verlieren. Zahllose Verbindungen lassen sich von den Filmen aus der Anfangszeit bis heute ziehen, viel Zeit verbrachten wir mit ihnen im Kinosaal und so werfen sie auch ein Licht auf uns zurück. In diesen 70 Jahren sind nicht nur wir älter geworden, sondern auch die Regisseure, deren erste kühne Würfe wir sahen, die mit der Zeit ihren eigenen Stil fanden, mit denen sich Genres, Techniken, Medien und Einstellungen veränderten.

Von Chen Yun-hua (陈韵华)

Das Sonderprogramm "On Transmission" zum 70. Jubiläum will genau diese Verbindungen und gegenseitigen Einflüsse zeigen. Der künstlerische Leiter Carlo Chatrian hat dazu sieben in der Geschichte der Berlinale wichtige Filmemacher eingeladen, die sich jeweils einen Gesprächspartner mitbringen dürfen. Der zweimalige Bärengewinner Ang Lee (The Wedding Banquet 1993, Sense and Sensibility 1996) lädt den Cannes-Gewinner von 2018, Hirokazu Kore-eda zum meisterlichen Austausch. Und der 1998 mit Xiao Wu (小武) vom Forum entdeckte Jia Zhangke hat sich den jungen Regisseur Huo Meng ausgesucht, der 2018 für Crossing the Border (过昭关) den Preis für die beste Regie auf dem Pingyao International Film Festival gewann. Da erleben wir die Weitergabe des Staffelstabs an die nächste Generation.

  • Days © Homegreen Films
    Days
  • Days © Homegreen Films
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  • Days © Homegreen Films
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Im diesjährigen Wettbewerb ist Tsai Ming-liangs Days (日子) der einzige chinesischsprachige Film. Er steht auch für die Berlinale-Entwicklung der letzten 30 Jahre. Tsai Ming-liangs Debutfilm Rebels of the Neon God (青少年哪咤) war 1992 im Panorama und voriges Jahr noch einmal in der Panorama-Retrospektive zu sehen. Sein dritter Spielfilm The River (河流) bekam 1997 den Silbernen Bären der Berlinale-Jury. 2005 gewann er mit The Wayward Cloud (天边一朵云) einen Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung und 2014 nahm Tsai Ming-liang uns mit auf die wunderbare meditative Reise Journey to the West (西游). Der diesjährige Film Days nun ist sein 11. Spielfilm. Tsai Ming-liang erzählt von sich und von Lee Kang-sheng, vom Filmedrehen und Filmesehen, die Tage fließen ruhig dahin. Der Film ist extrem frei und persönlich, ein Meisterstück filmischen Handwerks.

Nach den vielen chinesischsprachigen Filmen im vergangenen Jahr, auch wenn davon zwei zurückgezogen wurden, ist die Auswahl diesmal etwas kleiner. Als einziger Film ins Panorama schaffte es Ray Yeungs Suk Suk (叔·叔), im Forum läuft Song Fangs, von Jia Zhangke produzierter Film, The Calming (平静) und die Sektion Generation zeigt weitere zwei Filme: Harvest (秋实) von Sun Lijun und Comrades (手足) von Kanas Liu. Harvest erzählt in einer Kombination aus Tuschmalerei und Schattenspiel mit leichtem Pinselstrich die Erlebnisse einer Grille, wohingegen Comrades die jugendlichen Proteste in den Straßen Hongkongs zeigt.

Alles bleibt anders. Filme sind wie alte Freunde, die uns ein Stück weit begleiten bis wir uns trennen. Das war vor 70 Jahren genauso wie heute.

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