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Berlin, Berlin

„Undine“ von Christian Petzold
Der Wettbewerbsbeitrag „Undine“ von Christian Petzold setzt sich mit der Geschichte der Stadt Berlin auseinander. | Foto: © Christian Schulz/Schramm Film

In diesem Jahr gibt es in der Programmauswahl gleich mehrere Filme, in denen Berlin die Hauptrolle spielt. Was erzählen diese Filme über Berlin – oder was erzählt Berlin den Zuschauer*innen?

Gabriele Magro Foto: © privat Gabriele Magro - Italien: Dass Berlin in vielen der Filme eine Hauptrolle spielt, ist ein deutliches Signal dafür, wie stark die Verbindung zwischen dem Festival und der Stadt ist. Zahlreiche andere internationale Festivals rund um den Globus finden in eher kleinen Städten statt und werden nicht von vielen Ortsansässigen besucht. Die Berlinale aber hat eine ganz eigene Identität und scheint die perfekte Balance zwischen „global“ und „Kiez“ gefunden zu haben – Berliner*innen stehen mit Tourist*innen und Fachleuten aus der ganzen Welt Schlange vor den Kinosälen. Das schafft ein starkes Gemeinschaftsgefühl und die besondere Berlinale-Atmosphäre, die wir alle so lieben.

Ieva Šukytė Foto: © privat Ieva Šukytė - Litauen: Christian Petzolds Film Undine ist eine Liebeserklärung an die Stadt. Die Figur von Paula Beer arbeitet als Museumsführerin im Berliner Stadtmuseum und erklärt den Besucher*innen die komplexe und lange Geschichte der Stadt. Petzold verlagert den alten Mythos der Undine in die Stadt und erzählt eine Liebesgeschichte – zwischen zwei Menschen und bezogen auf die Stadt Berlin. Berlin, Alexanderplatz dagegen zeigt die andere Seite des heutigen Berlins, in dem Menschen ohne Pass keine legale Arbeit finden, ihr Überleben als Drogendealer sichern müssen und mit der Tatsache konfrontiert werden, dass sie von der Mehrheit der Gesellschaft nicht als gleichwertige Menschen betrachtet werden.

Erick Estrada Photo: © private Erick Estrada - Mexiko: Berlin ist eine Stadt im ständigen Wandel, mit vielen Höhen und Tiefen, Farben und Grautönen, Geschichten und Bildern, wie jede große, lebendige und interessante Stadt der Welt. Die Filme erzählen von neuen Zeiten, die in enger Beziehung zu den alten Zeiten stehen. Man könnte an besondere Geister aus der Vergangenheit denken, die noch in einer Stadt leben, welche aber schon auf dem Weg in ihre eigene Zukunft ist. Berlin in so vielen verschiedenen Filmen zu sehen, verschafft eine gute Vorstellung davon, wie viel Inspiration in diesen Straßen zu finden ist.

Sarah Ward Foto: © Privat Sarah Ward - Australien: 对于柏林电影节如此有分量和规模的年度盛事来说,两位刚上任的艺术总监毫无疑问带来了新的气象,今年电影节迎来七十周年庆典,似乎也到了回顾其悠久历史与丰沛遗产的特殊时刻。然而,2020年的柏林电影节却并没有把焦点放在庆祝“飞跃之举”上,而是成为了对未来机变的某种预言——如增设“遇见”这一竞赛单元。值得一提的是,本届电影节的艺术总监卡洛·查特里安(Carlo Chatrian)与之前的迪特·科斯里克(Dieter Kosslick)相比,在内容编排指导、趣味与理念上,突显出个人独特的风格。

Javier H. Estrada Foto: © privat 哈维尔•H. 艾斯特拉达(Javier H. Estrada)(来自西班牙):在我看来,今年的柏林城市主题集中体现在了克里斯蒂安·佩措尔德指导的影片《温蒂妮》中,电影清晰地反映出柏林的历史和构建。影片主角为国外游客提供了一个高度阐述的概念化视角,勾勒出东西柏林的身份与形象。不仅如此,电影拍摄地点延伸至柏林郊区,展现出这座城市极为多元的景观与风貌。

Yun-hua Chen Foto: © privat 陈韵华(来自中国):Berlin影片《柏林亚历山大广场》所刻画的柏林,是一个绝望与希望并存、暴力与爱欲交织、挣扎与救赎并行的城市。在这里,特定的群体和社区受到主流社会的无视,但他们以各自的方式顽强生活,奋力找寻出路;在这里,一切都将以电子派对作结。在毒品地头蛇那里开始新的工作?去俱乐部庆祝吧。终于从截肢手术中恢复过来?去俱乐部庆祝吧。入手了全新的手枪玩具?去俱乐部庆祝!

Michal Zielinski Foto: © privat Michal Zielinski - Polen: Ich habe auf der Berlinale zwei Erfahrungen gemacht, die mir noch immer im Gedächtnis sind. An einem der Festivaltage traf ich einen halb-deutschen, halb-peruanischen Produzenten, der gerade in Zusammenarbeit mit ungarischen Künstler*innen einen Science-Fiction-Film im japanischen Manga-Stil entwickelt. „Okay, ich bin definitiv in Berlin“, dachte ich. Einer der kosmopolitischsten Städte der Welt. Zwei Tage später sah ich den Film Purple Sea – das Smartphone-Material eines syrischen Flüchtlingsmädchens, gefilmt, während sie auf einem sinkenden Schmugglerboot auf dem Weg nach Europa um ihr Leben kämpfte. Berlin kam ein paar Mal zur Sprache. Als ein Traumland, ein Ort der Liebe und des Glücks. Lasst es uns festhalten: Wir sind die Glücklichen in der glücklichen Stadt.

Anjana Singh Foto: © privat Anjana Singh - Indien: Berlin steht für Diversität, Offenheit, Freiheit, Multikulturalität und ist zugleich der politische Mittelpunkt des Landes. Gerade in multikulturellen Städten wie Berlin spürt man den ständigen und konfliktbehafteten politischen, gesellschaftlichen und sozialen Wandel. Der Film Berlin, Alexanderplatz hat mich bewegt; er zeigt die Geschichte des 30-jährigen Francis aus Guinea-Bissau. Sein Schicksal führt ihn zeitweise ins Gefängnis. Auch in einer Stadt wie Berlin ist es sehr schwer für Neuankömmlinge, Fuß zu fassen. Historisch steht Berlin für den Wandel zum demokratisch Guten, zeigt aber oft noch die Mauer in den Köpfen der Menschen; es ist noch viel Platz für ein gesellschaftliches Zusammenwachsen.

Egor Moskvitin Foto: © Privat Egor Moskvitin - Russland: Diese Berlinale ist für mich persönlich anders als die vorherigen, denn seit Kurzem laufe ich täglich. Und da der Festivalplan ziemlich stressig ist, mache ich meine Läufe manchmal nach Mitternacht und manchmal bei Sonnenaufgang. Wie anders kann doch die Stadt wirken, wenn man mitten in der Nacht über den Alexanderplatz läuft, nur wenige Stunden, nachdem man die neue Adaption des Films Berlin, Alexanderplatz gesehen hat! Und da dieser Film die Aktualisierung einer fast 90-jährigen Geschichte ist, muss ich daran denken, wie auf der Berlinale 2019 ein Remake von M – eine Stadt sucht einen Mörder gezeigt wurde. Beide Aktualisierungen klassischen Materials erinnern uns an die Macht der Vergangenheit, die Zukunft zu definieren. Undine setzt sich mit dem gleichen Thema auseinander. Der Film ließ mich daran denken, wie die urbane Erfahrung persönliche und nationale Erfahrungen prägt – und dafür bin ich dankbar.

Hyunjin Park Foto: © privat Hyunjin Park - Korea: Von den drei Filmen, die in Berlin spielen, war die Sichtweise auf die Stadt in Undine beeindruckend. Die Geschichte des Aufbaus Berlins, beschrieben von der weiblichen Hauptfigur, einer promovierten Historikerin, gab uns eine neue Vorstellung von der Interaktion zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Für mich ist Berlin eine faszinierende Stadt, eine Mischung aus Vergangenheit und einer dynamischen Gegenwart, die man immer im Blick haben sollte

Berlinale-Blogger Andrea D'Addio Foto: © Privat Andrea D'Addio - Italien: Die zentrale Eigenschaft Berlins besteht darin, dass jeder Mensch dieselbe Stadt anders erleben kann – und das immer auf authentische Weise. Dies zeigen auch die Filme im Festivalwettbewerb. Berlin ist die Hölle für den illegal in der Stadt lebenden Protagonisten von Berlin, Alexanderplatz. Und, wie wir in Undine sehen, ist Berlin immer noch eine Stadt, die zwischen Ost und West hin- und hergerissen ist, auch wenn diese Ambivalenz nun auf die Zukunft projiziert wird. Die Stadt fungiert als eine Open-Air-Kulisse, in der jede*r Regisseur*in und Drehbuchautor*in die Geschichten und Schauplätze finden kann, die sie oder er sucht. 
Camila Gonzatto Foto: © Privat
Camila Gonzatto - Brasilien: Berlin ist eine diverse Stadt, und die Filme geben dies wieder. Obwohl in heutiger Zeit angesiedelt, zeigen zum Beispiel Berlin Alexanderplatz oder Undine sehr unterschiedliche Aspekte der Stadt. Während Undine ein fast traditionelles Berlin inszeniert, mit seinen Museen und historischen Gebäuden, bringt Berlin Alexanderplatz etwas vom Underground-Charakter der Stadt zum Vorschein. Was man in beiden Filmen erkennt, sind Baustellen – ein Charakteristikum dieser Stadt, die sich ununterbrochen neu erfindet. In Die letzte Stadt sieht man das Blühen der DDR-Architektur, die noch überall in der Stadt präsent ist. Berlin kann also Bühne der unterschiedlichsten Erzählungen sein, genau wegen der unterschiedlichen historischen Schichten, die nach wie vor in der Stadtlandschaft präsent sind. Die ständigen Veränderungen, die diese Stadt durchläuft, können die Spuren ihrer Vergangenheit nicht völlig auslöschen. 

Philipp Bühler Foto: © Privat Philipp Bühler - Deutschland: Mit der Neuverfilmung Berlin, Alexanderplatz hat Burhan Qurbani ein starkes Statement gesetzt: Aus Alfred Döblins Franz Biberkopf, einer zentralen Figur der Weimarer Literatur, wird ein afrikanischer Flüchtling des Jahres 2020. Trotz enormer Stilisierung steckte darin viel Wirklichkeit. In Christian Petzolds Undine war es eher umgekehrt, trotz nüchterner Inszenierung und Exkursen in die Berliner Stadtgeschichte behält der romantische Mythos seine Märchenhaftigkeit. Einen Film, der das Bild der Welt von Berlin einmal prägen wird, wie in den Neunzigern Lola rennt, habe ich aber nicht gesehen.



Berlinale-Bloggerin Jutta Brendemühl Foto (Ausschnitt): © Goethe-Institut Jutta Brendemühl - Kanada: Man weiß, dass man sich im Herzen Europas befindet, wenn eine Italienerin und eine Niederländerin uns einladen, Berlin auf der Leinwand zu sehen, darunter ein US-Regisseur, welcher der Mauer in The American Sector nachspürt. Die Berlinale 2020 hat uns viele verschiedene „Berline“ gezeigt: Undine, ein wässriges, magisches Berlin (und seine Geschichte); Berlin Alexanderplatz wurde zu Berlin Hasenheide. Hoss und Eidinger umkreisten ihre Schaubühne in Berlin-Charlottenburg. Kein Bedarf an Ersatz-Stadtlandschaften, wie Toronto oder Montreal für New York. Berlin bleibt schließlich Berlin, wie es in dem alten Song heißt.

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