Vivienne Chows Briefe aus Berlin #3 Es geht nicht nur um die (Curry)Wurst

Es geht nicht nur um die (Curry)Wurst
©Vivienne Chow

Dinge, die du nicht über Berlins internationale Esskultur wusstest.

Die Hongkonger Journalistin Vivienne Chow dokumentiert mit ihren Briefen aus Berlin ihre mehrmonatige Recherchereise durch die Kunst- und Kulturszene der deutschen Hauptstadt. Neue Briefe erscheinen wöchentlich im Magazin.

“Isst du dann jeden Tag Wurst?” - diese Frage wurde mir am häufigsten gestellt, sobald ich erwähnt habe, dass ich den Sommer in Berlin verbringen werde.

Tatsächlich denkt man sofort an den Geruch und Anblick von Deutschlands bekanntestem Streetfood, der Currywurst, wenn man über dieses Land spricht. Letztendlich ist Deutschland dafür bekannt, eine große Auswahl an Würsten zu produzieren, zusammen mit Schweinshaxe und Knödel. Aber für viele Menschen, besonders für wählerische Feinschmecker aus Asien, klingt keines dieser Gerichte sehr verlockend.

In Wirklichkeit gibt es jedoch eine große Auswahl an internationeler Küche in Berlin, und dies hat viel mit der großen Migrationsbevölkerung zu tun. Von den knapp 3,5 Millionen Menschen in Berlin - der größten Stadt Deutschlands - kommen mehr als 620.000 aus 190 verschiedenen Ländern. Viele dieser Einwanderer aus verschiedenen Regionen Europas und Asiens bringen Delikatessen aus ihrer Heimat mit und machen somit Berlin zu einem internationalen Treffpunkt für Feinschmecker.

Einige wären vielleicht überrascht, wenn man ihnen erzählen würde, dass man für das Essen nach Berlin fährt. Aber wenn man sich für Kunst und Kultur interessiert, wird man sich freuen auch die Qualität des Essens in dieser Stadt zu entdecken. Der Frühling ist immer eine gute Jahreszeit, um Berlin zu besuchen - nicht nur wegen des Wetters, sondern auch wegen der Spargelsaison. Eines meiner Lieblingsgerichte ist Wiener Schnitzel mit Spargel. Das dünne, knusprige Schnitzel passt aus irgendwelchen Gründen besonders gut zu dem süßen, weißen Spargel. Weißer Spargel schmeckt außerdem hervorragend in Suppen oder Salaten.

Als günstige und einfache Alternative gehe ich Döner essen. Berlin hat eine große türkische Community und Dönerläden, die Kebabs für bereits 3,50 Euro anbieten, können überall gefunden werden. Einer der beliebtesten Dönerläden ist das Rosenthaler Grill & Schlemmerbuffet direkt am Eingang zur U-Bahnstation Rosenthaler Platz.

Vietnamesisches Essen ist ebenfalls weit verbreitet in Berlin aufgrund der vielen vietnamesischen Einwanderer. Pho und Reispapierrollen sind den Berlinern durchaus bekannt. Auch die Anzahl an koreanischen Restaurants nimmt überall in der Stadt zu. Und sogar die typischen Eierwaffeln aus Hongkong können in Berlin gefunden werden, allerdings werden diese hier mit Eis serviert. Vegan ist ebenfalls eine Trend in dieser Stadt und gesunde Alternativen können an jeder Ecke gefunden werden. Wenn man großen Appetit auf internationales Streetfood hat, empfehle ich die Markthalle Neun in Kreuzberg - ihr werdet sicherlich nicht enttäuscht sein!

Natürlich gibt es auch chinesische Restaurants, allerdings ist die Qualität, um ehrlich zu sein, sehr unterschiedlich. Tak Kee in Charlottenburg wird euch aber nicht enttäuschen. Das Restaurant wird von einem Paar aus Hongkong geführt und serviert authentische Hongkonger kantonesische Küche, welche einmalig ist in Berlin. Das Roast Pork ist nur an den Wochenenden verfügbar und am besten bestellt man das Gericht gleich mit, wenn man einen Tisch reserviert.

Currywurst? Nur für diejenigen, die wenig über Berlin wissen.

  • Bier ©Vivienne Chow
  • Wiener Schnitzel mit Spargel ©Vivienne Chow
  •  Wiener Schnitzel mit Spargel 02 ©Vivienne Chow
  • döner kebab ©Vivienne Chow
  • Roast Pork ©Vivienne Chow