Vivienne Chows Briefe aus Berlin #7 Den Blick gen Osten – Ein Berliner Galerist will zwischen Ost und West vermitteln

Andreas Mühe
© Vivienne Chow

Die Hongkonger Journalistin Vivienne Chow dokumentiert mit ihren Briefen aus Berlin ihre mehrmonatige Recherchereise durch die Kunst- und Kulturszene der deutschen Hauptstadt. Neue Briefe erscheinen wöchentlich im Magazin.

Von Vivienne Chow

Meine Mission, als IJP Premium Fellow gen Westen nach Berlin zu fliegen, ist zu lernen und zu entdecken, aber einige Berliner blicken nach Osten. Einer von ihnen ist Johann König, der Gründer der König Galerie.
 
Diese Woche besuchte ich die Galerie, die sich in St.-Agnes befindet, einer monumentalen ehemaligen Kirche, die in den 1960gern errichtet wurde. König, der seit 2001 in Berlin lebt und die Galerie in 2002 gründete, erzählte mir, dass er das Gebäude 2013 entdeckte und von der Architektur beeindruckt war. Als er erfuhr, dass das Gebäude erhältlich war, erwarb er es und baute es mit der Hilfe vom Architekten Arno Brandlhuber zum Hauptsitz der Galerie um. Das Ergebnis ist ein beeindruckender Galerien-Komplex mit großzügigen Ausstellungsräumen im Erdgeschoss, einem Zwischengeschoss und Büros, Studios, Wohneinheiten und einem Skulpturengarten. In 2016 wurde das private Restaurationsprojekt von der Kommunalverwaltung gewürdigt, indem es als eines der besten Gebäude der deutschen Hauptstadt benannt wurde.
 
„Ich war sehr überrascht, als ich das Gebäude sah“, sagte König. „Die Steine (der Wand) stammen von den Trümmern unseres Viertels während des Zweiten Weltkriegs. Es gibt eine Plakette auf dem Boden, die besagt, dass das hier der Mittelpunkt der Stadt ist, genau hier.“
 
Es ist in der Tat einer Galerie in Berlin, die man nicht verpassen sollte und König ist ein etablierter Name in der Kunstwelt, vor allem weil die Galerie in vielen Kunstmessen rund um die Welt teilgenommen hat, unter anderem Art Basel in Hong Kong und auch weil sie die Künstler, die sie vertritt, erfolgreich fördert, ob an internationalen Institutionen, oder auch an wichtigen Kunstveranstaltungen, wie der Documenta oder die Venice Biennale. In den vergangenen Jahren ist der bekannte Galerist nach China vorgedrungen.
 
Vergangenes Jahr waren zwei Künstler der Galerie, Alicja Kwade und Julian Rosefeldt, unter den 55 Künstlern, die am Projekt „Deutschland 8 – German Art in Beijing“ teilnahmen, eine Antwort auf die Ausstellung „China 8“, eine gewaltige Ausstellung von mehr als 100 chinesischen Künstlern, verteilt über acht deutsche Städte im Rhein- und Ruhrgebiet (trotz der Tatsache, dass der wirtschaftliche Austausch zwischen dieser deutschen Region und China die eigentliche treibende Kraft hinter diesen beiden großen Ausstellungen zu sein schien und nicht die Kunst, aber das ist eine andere Geschichte.)
 
Zusätzlich sagte König, dass er sich darauf konzentriert, weitere zukünftige Möglichkeiten in China zu erforschen, neben dem Ausrichten einer Ausstellung einer chinesischen Institution in seinem Berliner Standort und dem Vertreten von chinesischen Künstlern. Er sagte, er sei immer noch auf der Suche nach dem richtigen chinesischen Künstler, mit dem er arbeiten könne, jemand dessen Arbeiten zu dem Programm der Galerie passen. Die Galerie kann in dem Fall außerdem eine große Rolle darin spielen, der Karriere des Künstlers einen beachtlichen internationalen Schub zu verpassen.
 
Während viele von uns die Art, wie Kunst in Berlin präsentiert wird, bewundern, überraschte König mich damit, als er sagte, dass er findet der chinesische Privatsektor präsentiere zeitgenössische Kunst mit einem „erfrischenden Ansatz“. In China wird Kunst oft an öffentlichen Orten, wie etwa Einkaufszentren, (tatsächlich begann dieser Trend in Hong Kong), sowie in privaten Museen, die im ganzen Land aus dem Boden gesprossen sind, ausgestellt.
 
„In unserer kulturellen Sphäre, wird Kunst als hohe Kunst angesehen. Sie kann nicht kommerzialisiert werden. Aber in China ist das sehr interessant.“, sagte er. „Mir gefällt es, wie sie die Kunst zu den Leuten bringen, die normalerweise nicht ins Museum gehen.“ Ist es wirklich in Ordnung Kunst in Einkaufszentren zu zeigen? „Ich denke es ist gut, solange Kunst in einer guten und respektvollen Weise gezeigt wird.“
 
König sagte, dass die Galerie in den letzten Jahren zunehmend im Kontakt mit chinesischen Sammlern und Kuratoren war. Er mag den Ehrgeiz der chinesischen Sammler, die meist jung sind (in ihren 40gern), neugierig und bereit Risiken einzugehen. Sie kaufen Kunst nicht, um ihre Wohnungen zu dekorieren, sondern um etwas Bedeutungsvolles, wie etwa eine Kollektion von hoher Qualität, zu erschaffen.
 
Der Galerist sieht die Galerie als eine Kommunikationsbrücke zwischen verschiedenen Welten. „Der nächste Schritt ist zu sehen, wie wir diese Brücke schaffen können. Es ist ein Prozess und wir müssen die Lücke füllen“, sagte er.
 
  • Claudia Comte © Vivienne Chow
  • Tatiana Trouve © Vivienne Chow
  • Wilhelm Klotzek © Vivienne Chow
  • Jeppe Hein © Vivienne Chow