Hou Hsiao-hsien erobert Berlin Weltpremiere der restaurierten Fassung von „Tochter des Nils“

Film „Tochter des Nils“
Film „Tochter des Nils“ | © Taiwan Film Institute

Eine Retrospektive des Werks von Hou Hsiao-hsien und die Weltpremiere der restaurierten Fassung von „Tochter des Nils“ – Berlin scheint bereit für eine Liebesaffäre mit dem taiwanesischen Filmemacher.

Der internationale Erfolg von The Assassin (刺客聂隐娘) 2015 beförderte nicht nur den Status von Hou Hsiao-hsien (侯孝贤) als Autorenfilmer, sondern zog auch ein tiefergehendes Interesse an seinem früherem Werk nach sich. Seit Anfang 2016 wurden im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museum in Berlin Hou Hsiao-hsiens Filme seit seinen frühen kommerziellen Werken aufgeführt, darunter Cheerful Wind (恋恋风尘) und The Green, Green Grass of Home (在那河畔青草青). Die „Hou-Mania“ begann mit dem ausverkauften Eröffnungsfilm A Time to Live, A Time to Die (童年往事).

Die Begeisterung wird sich mit der Weltpremiere der restaurierten Version von Tochter des Nils (尼罗河女儿) im Classics-Programm der Berlinale mit Sicherheit fortsetzen. Diese digital restaurierte Version basiert auf dem originalen 35mm-Negativ. Der einzige Ort mit einer legalen Kopie dieses Films ist meiner Kenntnis nach das Taiwanesische Filmarchiv an der Qingdao-Straße in Taipei. Chen Huai-en (陈怀恩), der Kameramann des Films, leitete den Restaurierungsprozess höchstselbst. Die Tatsache, dass es selbst in Taiwan nicht leicht ist, diesen Film in die Hände zu bekommen, macht die Aufführung zu einem besonderen, raren Highlight.

Als Übergangswerk zu dem Meilenstein Eine Stadt der Traurigkeit (悲情城市) aus dem Jahr 1989 wurde Tochter des Nils 1987, im Jahr der Aufhebung des Ausnahmezustands in Taiwan, veröffentlicht und zeigt Taipei in Zeiten des Umbruchs. Während der Transition von Diktatur zur Demokratie ging die Stadt durch eine Phase drastischer Urbanisierung und Kapitalisierung. Traditionelle Werte prallten damals zunehmend mit dem neuen Materialismus aufeinander, und sexuelle Repression mit Liberation.