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The Cat and the Coup

The Cat and the Coup, March 20, 1951, Iranian Parliament nationalizes Oil Industry
The Cat and the Coup, March 20, 1951, Iranian Parliament nationalizes Oil Industry | © Peter Brinson and Kurosh ValaNejad, 2011

USA
2011
Computerspiel / Computer game
PC

Ein Fall zurück durch die Zeit: In The Cat and the Coup werden die Spielenden zum Schoßtier der Politik und erleben Weltgeschichte aus der Perspektive eines Vierbeiners. Als Katze lösen sie verschiedene Puzzles, die nach und nach in einer rückwärts erzählten Geschichte erst den Tod von Dr. Mohammad Mossadegh, dann seinen Hausarrest und seine Gefängnisstrafe, den Putsch gegen ihn sowie schließlich seine Zeit als Premierminister dokumentieren. Der bis heute umstrittene Premier regierte den Iran von 1951 bis 1953 und wurde durch Nachrichtendienste der USA und Großbritanniens aus seinem Amt geputscht.

Auf seiner Lebensgeschichte basiert das ›Documentary Game‹ The Cat and the Coup. Das Genre des dokumentarischen Spiels stellt für Entwickler*innen immer wieder eine große Herausforderung dar. Denn eine auf Selbstwirksamkeit beruhende interaktive Erfahrung ist schwerlich mit historisch gesicherten und nicht mehr beeinflussbaren Fakten zu kombinieren. Die Entwickler von The Cat and the Coup fanden für dieses Dilemma eine außergewöhnliche Lösung, indem sie sich dafür entschieden, dass die Spielenden lediglich als Haustier von Mossadegh agieren und als dieses den Politiker durch verschiedene Lebensstationen begleiten können. Das Spiel beginnt mit dem Tod Mossadeghs im Jahr 1967 und führt die Spielenden beim richtigen Lösen aller Puzzles bis zum Beginn von dessen Regierungszeit, die geprägt war von einem angloamerikanischen Interessen zuwider laufenden Streit über die Verstaatlichung der iranischen Ölfelder. Von Anfang an war Mossadeghs Amtszeit von Instabilität gekennzeichnet, der das Spiel mit dem wiederkehrenden Motiv des Schwankens aller Szenerien Ausdruck verleiht. Dabei ist es ausgerechnet die Katze, die das Schwanken verursacht und Verhandlungen sabotiert. So bringt sie zum Beispiel im Gespräch des US-Präsidenten Truman mit Mossadegh den Stuhl des iranischen Premierministers wieder und wieder zu Fall – so oft, bis Mossadegh durch eine Tür weiter zurück durch die Zeit fällt, und damit durch eine beeindruckende, an persische Miniaturen angelehnte Grafik. Deren Stil erinnert an aufwändige Holzarbeiten, sogenannte Intarsien mit fein ziselierten Rankenornamenten und Arabesken. Gemischt wird dieser Stil collageartig mit Versatzstücken wie einer Supermann- Karikatur mit Echsenkopf und US-Flagge, die die Verbindung Mossadgehs zu Großbritannien und den USA unterstreichen. Die einzelnen Abschnitte des Spiels muten poetisch und geheimnisvoll an und weisen teilweise surrealistischen Charakter auf, wobei auffällig ist, dass die meisten der britischen und US-amerikanischen Figuren im Spiel Tierköpfe haben, Mossadegh hingegen als normaler Mensch auftritt.

Den Entwicklern Peter Brinson und Kurosh ValaNejad ging es nicht darum, ein Spiel zu kreieren, das aus neutraler Perspektive erzählt – wie sähe eine solche Perspektive auch aus? – oder das die Selbstwirksamkeit der Spielenden in den Vordergrund stellt, sondern eines, »das nicht wie die anderen ist. Das Ziel des Spiels ist es, dass die Spieler – besonders Amerikaner – sich mehr Fragen über den Iran stellen.« Erst zwei Jahre nach der Veröffentlichung von The Cat and the Coup und damit genau 60 Jahre nach dem Putsch gegen Mossadegh bekannte sich der amerikanische Geheimdienst CIA öffentlich zu seiner maßgeblichen Beteiligung an den Geschehnissen. Zwei Jahre vor der Veröffentlichung des Spiels wiederum hatte Slavoj Zizek in einem Aufsatz den Iran und die aktuelle politische Situation des Landes mit einer Katze über dem Abgrund verglichen, die nur dann nach unten fällt, wenn sie nach unten schaut und die Tiefe bemerkt. Das Spiel The Cat and the Coup verleiht genau diesem Gefühl des Fallens einen besonderen Ausdruck, eines Fallens zurück durch die Zeit.

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