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Madrid

Madrid
Madrid | © Gonzalo Frasca

Mit Kerzen ein Zeichen gegen den Terror setzen: Mit dem Newsgame Madrid reagierte der Game-Designer und -Theoretiker Gonzalo Frasca direkt auf die verheerenden Zuganschläge in Spanien vom 11. März 2004. Nur zwei Tage nach den Anschlägen wurde das Spiel veröffentlicht. In diesem Spiel sieht man Menschen, deren T-Shirts die Orte von Terroranschlägen tragen, Kerzen in den Händen halten. In Gedenken an die Opfer lassen die Spielenden durch einen Mausklick die Kerzenflammen heller erleuchten, und sie müssen versuchen, sie vor dem Erlöschen durch den Wind zu bewahren. Im Verlauf des Spiels wird klar, dass es nur sehr schwer möglich ist, alle Kerzen gleich hell leuchten zu lassen.

Frasca ist Mitglied von Newsgaming.com, einer Gruppe unabhängiger Künstler*innen und Entwickler*innen mit Basis in Uruguay. Ganz im Sinne ihres Credos »Simulation meets political cartoons« entwickeln sie jenseits belustigenden Entertainments kleine Flash-Games und beziehen – teilweise, wie im Spiel September 12th, ausgesprochen provokant – Stellung zu aktuellem Weltgeschehen. Als einer der ersten Game-Designer und und Computerspieltheoretiker hat sich Frasca mit den politischen Potenzialen von Computerspielen auseinandergesetzt. Bereits in seiner von Janet Murray betreuten Master Thesis Videogames of the Oppressed: Videogames as a Means for Critical Thinking and Debate macht er darauf aufmerksam, dass die in Computerspielen vorgefundene Form der Simulation eine Art von Repräsentation sein kann und dass Computerspiele Inhalte, Bedeutungen und Ideologien auch in ihrer algorithmischen Struktur und ihren Regeln transportieren. Das bedeutet, dass nicht nur die Bilder und Töne von Computerspielen politische Inhalte direkt vermitteln können, sondern das zu Grunde liegende System des Spiels, das Regelwerk, ebenso ein Vehikel von Bedeutung und Ideologie ist. Frasca bezeichnet dieses Phänomen als »simulation rhetoric«.

Somit kann die politische Aussage sowohl in einer eingeschränkten Agency der Spielenden – wie bei Madrid und Phone Story – zum Tragen kommen oder sich gerade in der Handlungsfreiheit (wie bei Papers, Please) erschöpfen. Madrid geht noch einen Schritt weiter als Phone Story und wirft die Frage auf: Wenn die Handlungsfreiheit der Spielenden so eingeschränkt wird, dass Gewinnen kaum möglich ist, handelt es sich dann überhaupt noch um ein ›Spiel‹?

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