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Coming out Simulator

Coming out Simulator
Coming out Simulator | © Nicky Case

USA
2014
Computerspiel / Computer game,
Browser

Das dialog-basierte Spiel versetzt den Spielenden in die Rolle des Game-Designers Nicky Case, Erfinder des Coming Out Simulators und dessen Hauptfigur. Der Simulator basiert auf autobiografischen Ereignissen und zeichnet einen Abend im Jahr 2010 nach, an dem Nicky Case von seinem Freund aufgefordert wird, endlich mit den eigenen Eltern über seine Homosexualität zu sprechen. Die Spielenden können sich im Verlauf dieses Abends in unterschiedlichen Gesprächen mit der Mutter, dem Vater und dem Freund immer wieder neu zwischen jeweils drei Aussagen entscheiden – Aussagen zwischen Versteckspiel, Halbwahrheit und Offenlegung. »One thing I do think games are particularly better at is getting across the sense of decision«, erklärte Case in einem Interview, »You can get players to actually feel the weight of their decision- making.«

Dabei haben die Entscheidungen nur bedingten Einfluss auf den Handlungsverlauf. So weiß die Mutter des Protagonisten beispielsweise ohnehin schon von den sexuellen Vorlieben ihres Sohnes, da sie die Text- und Fotonachrichten auf dessen Mobiltelefon mitverfolgt. Der Coming Out Simulator soll daher nicht nur vor Augen führen, wie schwer die Behauptung eigener Interessen und das Ausleben vermeintlicher sozialer Tabus in einem traditionell geprägten Umfeld fallen, sondern ist für Case symptomatisch für jedwedes Versteckspiel. Denn auf Smartphones und PCs ist so ein Versteckspiel – auch dies führt das Spiel vor – grundsätzlich nur bedingt vor den Zugriffen anderer gesichert. »I really want to get across the human part of privacy and the psychological aspect of what a lack of privacy does«, so Case, »Privacy is really, really fundamental to the experience of being LGBTQ, but privacy also matters for people with mental illness, or for political dissonance.«

Am Ende des Coming Out Simulators präsentiert Case den Spielenden schließlich drei Geschichten, die zwischen den im Spiel geschilderten Vorgängen und dem Jahr 2014 liegen. Diese sind mit ›Truth‹, ›Lie‹ und ›Half-Truth‹ überschrieben und spiegeln damit die Antwortmöglichkeiten, die im Spiel zur Verfügung standen. Case entwickelte den Coming Out Simulator in nur zwei Wochen während eines Game Jams. Als großes Vorbild bei der Entwicklung diente Dys4ia.

Auch wenn Case weit mehr ansprechen möchte als das Coming Out eines Homosexuellen, macht das Spiel gleichzeitig auf die digitale Diskriminierung homosexueller Charaktere aufmerksam. Nur wenige Entwickler-Studios beschäftigen sich in ihren Spielen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen. Die meisten werden dafür von der Gamer-Szene massiv kritisiert.

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