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TouchTone

Touch Tone
Touch Tone | © Mikengreg (Mike Boxleitner, Greg Wohlwend)

USA
2015
Computerspiel / Computer game,
Android, iOS

»The Innocent have nothing to hide« – auf dieser beim Start von TouchTone zitierten Devise basieren die im Spiel erzählten Geschichten der Terrorismus- Abwehr, die hier jede Form der Kontrolle rechtfertigt. So lösen die Spielenden in der Rolle von NSA-Agent*innen nicht nur knifflige Puzzles. Durch das Verbinden bunter, pulsierender Linien lenken sie auch den Datenverkehr in richtige Bahnen, was ihnen das Lesen privater Emails und SMS-Nachrichten ermöglicht – und damit das Aufdecken möglicher Gefahrenquellen für den Staat.

Doch wo beginnt die Gefahr für den Staat? Ist jemand, der einen Händler nach dem Buch The Anarchist Cookbook fragt, schon verdächtig? Natürlich, das Buch enthält Anleitungen zur Herstellung von Sprengstoffen und Drogen. Gleichsam sind diese Anleitungen bekanntermaßen nicht wirklich umsetzbar. Die NSA aber wertet schon das Interesse an dem Buch als starkes Verdachtsmoment, welcher weitere Überwachung legitimiert. Und die in der Narration des Spiels über allem schwebende Überwachungsinstanz der NSA sendet permanent Durchhalteparolen und Krisenvokabular an die Spielenden: »We are at war, and it is a war we can win.« oder »We must remain ever watchful, and keep our swords at the ready.«

In einem 48-stündigen Game Jam entwickelte Mike Boxleitner 2012 die erste Idee für das Puzzle. Mit seinem Partner Greg Wohlwend wollte er aus der abstrakten Idee zunächst ein satirisches Spiel über die Terror-Angst der US-Amerikaner*innen kreieren In den Zeitraum des zweieinhalb- jährigen Prozesses der Spielentwicklung fielen jedoch Edward Snowdens Enthüllungen über die NSA. Je intensiver sich Boxleitner und Wohlwend mit dem NSA-Skandal beschäftigten, desto sicherer wurden sie, dass sie mit TouchTone mehr liefern wollten als eine reine Karikatur der Überwachung. »What once started as a simple game jam prototype has evolved into a platform for our outrage at the erosion of privacy in this post-Snowden era«, fasst Wohlwend den Entwicklungsprozess zusammen.

Jede Serie gelöster Puzzle-Aufgaben – die in ihrer Ästhetik stark an Cyberpunk-Hacking- Szenen der 1990er Jahre erinnern – schließt in TouchTone den Zugang zu neuen Nachrichten der von der NSA als Zielpersonen identifizierten Bürger*innen auf. So beschäftigt sich das erste Level mit einem Unternehmer aus dem Silicon Valley, der Verbindungen zum Iran pflegt, während das zweite Level in die Welt der Wall Street führt. Als NSAAgent* in durchsuchen die Spielenden private Nachrichten nach auffälligen Wörtern und Formulierungen und müssen im Anschluss entscheiden, ob es einen Verdachtsmoment an die Behörde zu melden gilt.

Ähnlich wie das Spiel Orwell entlarvt TouchTone die digitalen Medien als Überwachungsinstrumente und offenbart die Verletzung der Privatsphäre, die diese Medien ermöglichen. Es berührt darüber hinaus aber auch Themen wie die Debatte um die Darstellung von Minderheiten in Computerspielen oder die gefeierte Startup-Szene. Trotzdem wurde das extrem kritische Mobile-Game ganz im Gegensatz zu Phone Story nicht aus dem App Store verbannt. Obwohl die Spiel-Entwickler ein Verbot des Games befürchteten, war für sie der Verkauf und die Verwendung des Spiels auf mobilen Endgeräten entscheidend:

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