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Orwell

Still von „Orwell“
© Osmotic Studios

DE
2016
Computerspiel / Computer game,
PC

In seinem Roman 1984 entwarf George Orwell ein dystopisches Szenario, in dem der Staat als ›Großer Bruder‹ seine Bürger* innen auf Schritt und Tritt überwacht. Das nach dem Schriftsteller benannte Computerspiel geht noch einen Schritt weiter: Hier werden besonders ›vertrauenswürdige‹ Bürger*innen selbst zu Überwachenden ihrer Mitmenschen. Dank des modernen Betriebssystems Orwell können sie bequem von zu Hause aus Profile von Zielpersonen in sozialen Netzwerken durchforsten, Chats überwachen, Anrufe abhören und auf persönliche Geräte wie Mobiltelefone zugreifen – und das alles im vermeintlichen Interesse der staatlichen Sicherheit.

Nach einer Reihe von Anschlägen wird dem Spielenden schließlich die Aufgabe zugeteilt, eine verdächtige Aktivistengruppe zu untersuchen. Eine der Gruppe zugehörige Künstlerin trägt nicht ganz unabsichtlich den sprechenden Namen Cassandra Watergate. Je mehr sich die Geschichte entfaltet, desto tiefer ist der Einblick in die privatesten Lebensbereiche der Menschen. Aber sind sie tatsächlich Terrorist*innen? Was, wenn man Dinge über sie erfährt, die nicht einmal ihre engsten Vertrauten wissen? Wo verläuft die Grenze zwischen Schuld und Unschuld?

Orwell, das erste Spiel des Hamburger Start-ups Osmotic Studios, entstand als Reaktion auf die Enthüllungen im NSA-Skandal und beschreibt neben dem gesellschaftlichen Einfluss von sozialen Netzwerken auch die verstärkte Veröffentlichung und Speicherung privater Daten im Netz. Dieses Netz beobachtet mittlerweile mehr, als es zur Beobachtung freigibt. Genau diese Entwicklung des Computers zum Beobachtungsinstrument stellt Orwell wiederum zur Diskussion. Der Computer wird in diesem Spiel zum ›Tatwerkzeug‹ und damit einer kritischen Analyse unterzogen.

Schon lange vor der Entwicklung des Internets schufen Staatenlenker*innen ausgefeilte Systeme zur Bespitzelung ihres Volkes und ihrer Gegner. Die Watergate- Affäre ist nur ein Beispiel von vielen. Doch mit dem Internet haben sich die Möglichkeiten zur gegenseitigen Beobachtung potenziert. Jeder Besucher und jede Besucherin hinterlässt dort Spuren – beispielsweise durch das Surfverhalten, das Ausfüllen von Formularen, das Agieren in sozialen Netzwerken und das Verfassen von Textnachrichten. In Orwell werden genau diese Spuren in einem interaktiven Überwachungsthriller zu einem Fall verdichtet.

Dieser Fall zeigt, was Eben Moglen bereits 2012 pessimistisch auf der re:publica verkündet hat: »We grow up to be consumers of media. (…) Now media is consuming us.«

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