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Papers, Please

Papers, Please, Document Inspection
© Lucas Pope

USA
2016
Computerspiel / Computer game,
PC, Mac, Linux

Herzlichen Glückwunsch. Die Arbeitslotterie des Monats Oktober ist abgeschlossen, und Ihr Name wurde gezogen. Melden Sie sich umgehend zum Arbeitseinsatz beim Ministerium für Grenzschutz am Grenzübergang Grestin. Eine Wohnung der Klasse 8 wird Ihnen und Ihrer Familie in Ost-Grestin zur Verfügung gestellt. Fortan heißt es nun »Papers, Please!«, und die Spielenden müssen in der Rolle eines Grenzbeamten des fiktiven totalitären Staates Arstotzka Pässe und Dokumente der Einreisenden kontrollieren.

Retro-Pixelgrafik, minimalistisches Design und düsterer Soundtrack verstärken das beklemmende Gefühl der monotonen Tätigkeiten im Spiel. Per Maus ziehen die Spielenden Pässe und ein Regelbuch auf den fiktiven Schreibtisch, überprüfen die Dokumente und stempeln die Pässe. Zu Beginn des Spiels sind die Bedingungen und Regeln der Einreise relativ einfach gehalten: Nur Personen mit einem gültigen Pass aus Arstotzka dürfen einreisen. Die Komplexität steigt von Level zu Level, von Tag zu Tag. Es werden immer neue Parameter relevant, die berücksichtigt werden müssen: Die Ausweisnummer, das Ausstellungsdatum, die ausstellende Behörde, das Geschlecht, das Lichtbild – alles muss im Blick behalten werden, was rasch zu hoher Arbeitsbelastung und Überforderung führt. Zudem gilt es, sich gegen Bestechung zu wehren und Fälschungen aufzudecken. Dabei werden den Spielenden immer neue Mittel zur Überprüfung – wie z.B. Nacktscanner – zur Verfügung gestellt.

Doch Papers, Please erschöpft sich keineswegs im ›Spielspaß‹ bürokratischer Perfektion. Der jeweilige Stempel kann über Menschenschicksale entscheiden, und dabei verstricken sich die Spielenden immer mehr in moralische Dilemmata. Folgen die Spieler*innen ihrem eigenen Gewissen und handeln im Sinne der Menschlichkeit, drohen Sanktionen, unter denen die gesamte Familie im Spiel zu leiden hat. Nur wenn die Spielenden rigoros im Sinne des diktatorischen Systems agieren, werden sie mit vollen Lohnzahlungen belohnt. Haben die Spieler*innen normalerweise zu Beginn des Spiels noch Mitleid mit den auf Einreisegenehmigung hoffenden Menschen und folgen ihrem Gerechtigkeitsgefühl, müssen sie zusehends erleben, wie sie, bedingt durch die eigene problematische Lebenslage und äußere Zwänge, mit blindem Gehorsam der staatlichen Gesetzgebung zu folgen beginnen. Je nach Spielverhalten sind bis zu 20 unterschiedliche Variationen für das Spielende möglich.

Mit Papers, Please entwickelte Lucas Pope einen Einblick in die Arbeitszwänge staatsdienender Angestellter totalitärer Systeme. Durch die Alltagsrealität an der Grenze werden die Spielenden hier mit ihren eigenen moralischen Grenzen konfrontiert, und die perfide Doppelmoral des Systems wird einem – jenseits des ›spieletypischen‹ Gut-Böse-Schemas – hemmungslos vor Augen geführt.

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