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Kontext: Der Fall Collini

Die Geschichte

Der pensionierte Gastarbeiter Fabrizio Collini ersticht den Industriellen Hans Meyer in seiner Suite des Berliner Hotels Adlon – ein brutaler Mord, dessen Motiv zunächst völlig unklar ist.

Der Täter lässt sich widerstandslos festnehmen, schweigt jedoch zu seinen Beweggründen. Der junge Strafverteidiger Caspar Leinen übernimmt Collinis Pflichtverteidigung und stellt Nachforschungen an: Während des laufenden Prozesses stellt sich heraus, dass Meyer als ehemaliger SS-Sturmbannführer im faschistischen Italien für eine Partisanenerschießung verantwortlich war, bei der Collinis Vater ermordet wurde. Collini hatte Meyer bereits in den 1960er Jahren angezeigt, das Verfahren wurde eingestellt. Selbstjustiz vor dem Hintergrund des so genannten Verjährungsskandals – das Mordmotiv scheint geklärt. Collini, der sich in einem Brief bei seinem Verteidiger entschuldigt, begeht schließlich Selbstmord.
 
Der 2011 erschienene Roman von Ferdinand von Schirach erzählt von der mangelhaften strafrechtlichen und politischen Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen als „zweite Schuld“ der Deutschen.

Das Dreher-Gesetz

Am 24. Mai 1968 wurde im Zuge der großen Staatsrechtsreform das Einführungsgesetz zum Gesetz über Ordnungswidrigkeiten (EGOWiG) verabschiedet. Es ermöglichte die frühere Verjährung von Beihilfetaten zum Mord, was in der strafrechtlichen Praxis eine Amnestie für zahlreiche nationalsozialistische Verbrechen bedeutete. Dies galt zunächst als gesetzliche Panne im Deutschen Bundestag. Hauptverantwortlich für den Gesetzesentwurf war Eduard Dreher, Beamter des Bundesministeriums der Justiz.
 
2012 beauftragte die damalige Justizministerin eine Kommission mit der Aufarbeitung des Verjährungsskandals. Zahlreiche Akten und Aufzeichnungen sind bis heute verschwunden, dennoch fanden die eingesetzten Historiker und Rechtwissenschaftler Indizien, die auf eine absichtliche Manipulation der Gesetzesformulierung von Seiten Eduard Drehers hindeuten.

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