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Stadt- und Landgeschichten: Peking
Kinderlieder aus dem Hutong

Über die Marco-Polo-Brücke am Lugou-Fluss
zieht eine Karawane Kamele
auf der Brücke das Bimmeln der Kamelglöckchen
unter der Brücke weht weißer Schilf

Von Zhang Zongxi (张宗希)

Auch nach ein paar Monaten kommen mir Verse und Melodie aus dem Lied Von der Marco-Polo-Brücke (卢沟桥) immer wieder in den Sinn und klingen in mir nach. Wie ein „musikalisches Echo“, das ich regelrecht körperlich spüre. Dabei hatte ich das Lied Von der Marco-Polo-Brücke erst durch einen glücklichen Zufall gehört und gelernt, als ich an „Kinderlieder aus dem Hutong“ (胡同童谣) teilnahm. Eine Veranstaltung, bei der der Musiker Xiao He (小河) wie ein Magier immer mehr Menschen in den Bann der Musik zieht. 

Von der „Echo-Aktion“ (回响行动) zu „Kinderlieder aus dem Hutong“

In der zweiten Hälfte des Jahres 2018 startete Xiao He sein Projekt „Kinderlieder aus dem Hutong“ (traditionelle Wohngasse in Peking, Anm. d. Red.), für das er in Peking dreizehn Senioren suchte, die sich noch an Lieder aus ihrer Kindheit erinnerten. Die Kinderreime wurden wiederentdeckt, adaptiert und zwischen September und Dezember bei fünf Veranstaltungen der Reihe “Echo aus Damochang – Kinderlieder aus dem Hutong 2018“ (打磨场回响-胡同童谣2018) unter Mitwirkung von Musikfreunden einstudiert und aufgezeichnet.
 
Als ich 2018 zum ersten Mal an einer Veranstaltung teilnehme, geht der Spätsommer gerade in den Herbst über. In der belebten und lärmigen Gegend von Qianmen südlich des Tian’anmen zeigt sich die Stadt wie immer von ihrer touristischen Seite. Für die Schachtel Zigaretten der Marke Golden Bridge zahlt man hier in den Shops an der Straße ein paar Yuan mehr als andernorts. Die Navigation meines Smartphones leitet mich in die westliche Damochang-Straße, in der es schon wesentlich ruhiger wird. Als ich dann die ehemalige „Schleiferei“ mit ihren alten Bäumen und Ziegelmauern betrete, fühle ich mich sofort in eine andere Zeit versetzt. Auch wenn der Hof durch die Renovierung fast wie neu wirkt und einen daran gemahnt, dass dies kein originaler Pekinger Siheyuan-Hof (umschlossener Innenhof, traditionelle Wohnform, Anm. d. Red.) mehr ist.

Kinderlieder aus dem Hutong Kinderlieder aus dem Hutong | © PonyBoy
„Dieser Platz ist wie eine Schnittstelle des alten und des neuen Peking. Diesen Ort vor Augen haben viele Leute das Gefühl, dass die alten Dinge zu schnell verschwinden und es andererseits ständig etwas Neues gibt. Die Leute hier sind darüber erst einmal beunruhigt.“ In dem Gespräch, das wir vor der dritten Veranstaltung führen, stellt Xiao He allerdings auch fest: „Wenn wir Kinderlieder und ältere Leute in diesen Hof einladen und sich dann im Hier und Jetzt etwas ereignet, kann man regelrecht zusehen, wie ihre Sorgen verfliegen.“
 
In gewisser Weise kann man sagen, dass die Reihe „Kinderlieder aus dem Hutong“ die Fortsetzung und Erweiterung der „Echo-Aktion“ ist. Infolge seiner Beschäftigung mit der traditionellen Plattenindustrie und der Kommerzialisierung der Musik hatte Xiao He bereits 2016 die „Echo-Aktion“ ins Leben gerufen. Bei dieser wollte er weder im Tonstudio ein weiteres Album produzieren, noch eine Live-Tournee machen. Es ging ihm vielmehr darum mit den Teilnehmern gemeinsam Lieder einstudieren. So kam es schließlich zu über zwanzig Veranstaltungen in insgesamt dreizehn Städten. Mit seinen Liedern im Gepäck besuchte Xiao He verschiedene Städte, um dort mit an seiner Musik interessierten Menschen gemeinsam zu singen und die Lieder allein für die Mitwirkenden aufzunehmen. „Die Musik ist ein Vehikel für Raum und Zeit“, erklärt Xiao He. „Die aufgezeichneten Lieder funktionieren für die, die mit dabei waren, wie ein Chip oder eine Speicherkarte. Einem Lied ist ein besonderer Moment eingeschrieben. Spielst du es dann wieder ab, werden unvergessliche Momente wachgerufen. Und genau das macht den Zauber der Musik aus.“

„Wenn wir Kinderlieder und ältere Leute in diesen Hof einladen und sich dann im Hier und Jetzt etwas ereignet, kann man regelrecht zusehen, wie ihre Sorgen verfliegen.“

Es war allerdings nicht ganz einfach, die geeigneten Senioren für das Projekt zu gewinnen. Immerhin mussten diese zwei Voraussetzungen erfüllt werden: Erstens sollten es ältere Leute sein, die immer noch leidenschaftlich gerne singen und zweitens mussten sie auch bereit sein, ihre Liebe zur Musik freimütig mit anderen zu teilen. Xiao He und seine Mitstreiter mussten in den Parks und Straßen von Peking hunderte älterer Leute ansprechen, bevor sie für ihr Projekt dreizehn Senioren im Alter zwischen sechzig und fast achtzig Jahren gefunden hatten. 
  • Kinderlieder aus dem Hutong © PonyBoy
    Kinderlieder aus dem Hutong
  • Kinderlieder aus dem Hutong © PonyBoy
    Kinderlieder aus dem Hutong
  • Kinderlieder aus dem Hutong © PonyBoy
    Kinderlieder aus dem Hutong
 

Wie man in zeitlosen Kinderliedern die „Erleuchtung“ findet 

Für jemanden, dessen musikalische Bildung lediglich aus einer Wochenstunde Musikunterricht in der Schulzeit herrührt, war die Teilnahme am Chor der „Kinderlieder aus dem Hutong“ schon eine Herausforderung. Denn es wurde jedes Mal drei bis vier Stunden am Stück geprobt. Doch gleichzeitig hat es mir auch großen Spaß gemacht. Nicht nur, dass man dabei ein neues Lied lernt. Man erlebt in konzentrierter Atmosphäre vor allem einen faszinierenden kreativen Prozess und eine gewisse emotionale Intensität. Eine Erfahrung, die bis in den Alltag weiterwirkt und dort nachklingt. Mir hat das die Augen dafür geöffnet, was Musik bedeuten kann.

Bevor es richtig losgeht, bittet Xiao He den jeweiligen Senioren, das Kinderlied einmal vorzusingen. Anschließend proben die anwesenden Musiker die instrumentelle Begleitung und schließlich steigt der Chor ein. So wird Vers für Vers einstudiert. Wir halten uns so weit wie möglich an die von den Senioren erinnerten Verse und Melodien, aber manchmal wird das Lied geringfügig angepasst. In dem Lied Von der Marco-Polo-Brücke, das uns Herr He beibringt, kommt das Wort „luo-tuo“ (Kamel) vor. Herr Wu hingegen spricht das Wort als „le-tuo“ aus. In diesem Fall wurde seine Variation des Peking-Dialekts beibehalten. Das Lied Kleine Wissenschaftler nutzen Hand und Hirn (小小科学家用手又用脑), das uns Tante Li beibringt, beinhaltet die folgenden zwei Sätze: „Wengweng wengweng wengwengweng (wie fliegt das Flugzeug?), Honglong longlong honglongong (wie macht die Lokomotive?)“. An dieser Stelle nimmt Xiao He eine geringfügige Änderung vor, um das Rhythmusgefühl zu verstärken. Und tatsächlich passt es so auch viel besser zum nachfolgenden Vers: „So will ich alles fragen, so will ich alles wissen.“

Eine Erfahrung, die bis in den Alltag weiterwirkt und dort nachklingt. Mir hat das die Augen dafür geöffnet, was Musik bedeuten kann.

Bei den Adaptionen spielt die Erfahrung von Xiao He eine große Rolle. Noch wichtiger ist ihm allerdings, dass er mit ganzem Herzen dabei ist. Es braucht nicht nur die professionellen Tricks des Musikers, sondern eine gewisse Ernsthaftigkeit und das Gefühl innerer Beteiligung: „Wenn ich das hier schon mache, bin ich körperlich und geistig voll bei der Sache und das wirkt sich auf das Ergebnis aus. Genau darin liegt die Chance, die uns die Musik gibt.“
 
Kinderreime werden oft als etwas Gestriges und Altmodisches betrachtet. Xiao He zufolge lässt sich jedoch im Hier und Jetzt unserer Realität gar nicht klar trennen, was letztlich zur Vergangenheit, zur Gegenwart oder zur Zukunft gehört. Schließlich ist die Gegenwart stets das Ergebnis alles Vergangenen. Und auch wenn man über die Zukunft spricht, geschieht das immer aus der Perspektive der Gegenwart. „Für mich gehören Tradition oder Vergangenheit nicht zum „alten Eisen“. Altes Zeug und überholte Kultur gibt es bei mir nicht. Auch wenn wir einen älteren Menschen zu uns einladen, kommt er doch als Mensch von Heute. Er bringt uns das Lied mit, das ihm in seinem ganzen Leben am meisten bedeutet. Das ist nichts anderes, als wenn du heute ein Lieblingslied hast.“
 
Xiao He empfindet die Veranstaltungen auch für sich selbst als Bereicherung: „Wenn du bereit bist deine individuellen, subjektiven Erwartungen aufzugeben, erlebst du den Moment viel intensiver.“ So ergeht es uns auf dieser Welt. Wir müssen dazu gar nicht über Metaphysik reden. Wir sprechen über echte Menschen. Genau in diesem Moment ereignen sich in unterschiedlichen Ländern, sei es im Mittleren Osten, in Amerika oder in Afrika, Dinge, die wir uns in ihrer Gleichzeitigkeit gar nicht vorstellen können. „Obwohl Zeit und Ort real existieren, gehen wir die meiste Zeit nur von uns selbst aus und fällen subjektive Urteile.“ 

Musik ist keine Einbahnstraße 

Besonders bemerkenswert ist, dass die für „Kinderlieder aus dem Hutong“ ausgewählten Lieder meist in keinem Buch und auch nicht im Internet zu finden sind. Es sind Lieder, die man normalerweise nicht zu hören bekommt. Genau deswegen fand es Xiao He auch so wichtig, sich auf die Suche nach ihnen zu begeben. „Werden diese Lieder heute nicht gesammelt, sind sie schon bald verschwunden. Das macht sie für uns so wertvoll.“ Bei seinen Worten fühlt man sich an die christlichen Missionare Hudson und Blanche erinnert, die zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts im alten Peking Kinderlieder sammelten und dazu eine Anthologie verlegten.
 
Wenn man sich mit Xiao He beschäftigt, wird sofort klar, wie sehr er sich musikalisch verändert hat. Während er als Mitglied der Band Glamorous Pharmacy (美好药店) in dem Song Waste Beam (废梁) noch eine Verweigerungshaltung an den Tag legte oder in Missing Persons Announcement (寻人启事) und dem späteren Old Liu (老刘) direkte Zeitkritik übte, erinnert sein Consciousness Song (醒世歌) auf dem Echo-Album (回响) an buddhistische Gesänge. Seine neueste Produktion sind schließlich die „Kinderlieder aus dem Hutong“. Die Schilderungen, die man im Internet über den experimentellen Musiker findet, reichen von besonders eigenwilligen „Großtaten“ bis hin zu verrückten Aktionen und Alkoholexzessen. Inzwischen lebt Xiao He hinsichtlich Alkohol und Tabak jedoch streng abstinent. Er ist Vegetarier geworden und beschäftigt sich mit dem Buddhismus.
 
Zu seinem veränderten Lebenswandel meint Xiao He: „Jeder Mensch hat seinen eigenen Werdegang und braucht die Zeit, den für ihn passenden Weg zu finden.“ So besitzt jedes Leben seine eigene Wahrheit, wobei sich die eigene Vergangenheit auf die Gegenwart auswirkt, so wie das, was man gerade tut, auch Auswirkungen auf die persönliche Zukunft hat. „Musik ist niemals einseitig oder eine Einbahnstraße. Wie meine 'Echo-Serie' steht die Musik vor allem für eines, nämlich für Interaktion.“
 
Weil Musik nie nur in eine Richtung wirkt, reagiert sie, setzt sich in Bezug und bewirkt gegenseitige Einflüsse. „Selbst wenn du alleine Musik machst, stehst du in Interaktion mit dem von dir erzeugten Klang. Diese Interaktion wirkt sich unmittelbar aus. Sie wird deine nächste Note beeinflussen und letztlich auch dein Verständnis von der Musik.“ Hätten wir keine Gefühle und kein Bewusstsein, würde uns der Klang der Töne völlig kalt lassen. „Sobald du jedoch deine Emotionen, dein Bewusstsein und dein Verständnis mit einbringst, verändert sich auch der Song. Jeder Mensch hört ein Lied anders. Aus der Interaktion mit der Musik entsteht immer ein Nachhall. Ganz gleich, ob sich in dem Raum noch andere Leute befinden oder ob du ganz alleine bist, es gibt immer ein Echo.“
 
Xiao He meint, dass ihn vor allem die Auseinandersetzung mit dem Buddhismus verändert hat. Beim Studium des Buddhismus geht es nicht um das Wissen über einen bestimmten Bewusstseinszustand, sondern „um praktische Übungen, um diesen Zustand zu erlangen“. Der Buddhismus kennt dazu äußerst konkrete und praxisorientierte Techniken und hat eine sehr strenge und umfassende Methodik. „Praktizierst du seine Methoden, manifestiert sich das automatisch in deinem Körper und deinem Bewusstsein.“ 

Eine Sprache jenseits der „Brutalität“ 

Doch ich möchte noch einmal auf den Umgang mit den eigenen Ängsten zurückkommen. Für Xiao He stehen die Reihen „Kinderlieder aus dem Hutong“ und „Echo-Aktion“ in direkter Verbindung. Mit älteren Leuten gemeinsam Kinderlieder zu singen, funktioniere überall, ganz egal wie alt oder modern der Ort sei. „Solange man sich nicht querstellt und positiv an die Sache herangeht, ist alle ok.“ Einige Reime in den Kinderliedern mögen auf den ersten Blick kindisch erscheinen, aber sobald man anfängt zu singen, spürt man, wie die Musik die eigenen Vorurteile aufweicht. Für Xiao He liegt darin die ganze Kraft der Musik. „Man muss das, was man sagen will, gar nicht so brutal ausdrücken und die Leute damit vor den Kopf stoßen. Die Musik kann das. Durch sie gelingt es das Eis zu brechen, Zweifel zu besänftigen oder die Menschen sogar zu rühren. Die natürliche Kraft der Musik bewirkt, dass man einen schönen Zustand erreicht.“
  • Kinderlieder aus dem Hutong © PonyBoy
    Kinderlieder aus dem Hutong
  • Kinderlieder aus dem Hutong © PonyBoy
    Kinderlieder aus dem Hutong
Wenn Xiao He von „Brutalität“ spricht, meint er den ungefilterten Ausdruck der eigenen Ängste, beziehungsweise die bedenklichen Auswirkungen, die dieser Umgang mit der Angst haben kann. Auch wenn in seinem früheren Musikerleben so etwas durchaus vorgekommen ist, heute sieht er es anders: „Wenn wir nur Brutalität zeigen, stehen wir uns letztlich selbst im Weg.“ Tatsächlich kann man auch etwas Hoffnungsvolles transportieren. Musik sowie auch das Musikerleben sind eine Ausdrucksform. „Man muss also unbedingt daran glauben, dass es jenseits von Destruktivität noch etwas anderes gibt. Etwas, das sich nicht in Worte fassen lässt, sondern sich im Handeln ausdrückt, und ich denke, die Musik kann das.“ Xiao He bekennt ganz offen, dass er sich nicht vorstellen kann, wo er ohne die Musik heute stehen würde: „Ich hätte bestimmt viele Probleme“. Wenn man als junger Mensch in ein schlechtes Umfeld gerät, das nicht ganz so solide ist, gerät man leicht auf die schiefe Bahn.“
 
Nach den Proben für die dritte Veranstaltung von „Kinderlieder aus dem Hutong“ findet das Hintergrundgespräch mit Xiao He auch noch unter freiem Himmel statt. Während die Teilnehmer noch zusammenstehen, kommt eine abendliche Brise auf. Xiao He erzählt, wie die Musik die Menschen verbindet. Musik wirke viel mehr als nur belehrend. Wenn man Musik macht, verbessere sich nicht nur die innere Gefühlswelt sondern auch das äußerliche Verhalten. „Ist die Musik verklungen und man selbst wieder zuhause, kehrt man vielleicht zu seinen alten Gewohnheiten zurück, aber zumindest hatte man in dem einen Moment ein Gefühl, etwas, was einen wirklich berührt hat. Anders als bei der „Echo-Aktion“, die nur für die Teilnehmer aufgenommen wurde, wurden die Aufnahmen und die dazugehörigen Transskripte für „Kinderlieder aus dem Hutong“ bereits sukzessiv über die öffentliche Plattform von WeChat veröffentlicht. Außerdem wird es dazu auch eine Sound Collection geben. Und da die Videoplattform FIGURE als Partner dabei ist, existieren von den Veranstaltungen auch bearbeitete Videomitschnitte. So haben die Senioren auch eine visuelle Erinnerung, die sie den eigenen Kindern weitergeben können.
 
Für die Zukunft plant Xiao He eine Fortsetzung der Kinderlieder-Reihe, die sich nicht nur auf Peking beschränken soll. Schließlich gibt es auch andernorts Bedarf: „Es macht Menschen immer traurig, wenn Dinge verschwinden.“ So will er eine Reihe über China machen, die auch die Dialekte miteinschließt. „Das muss nicht alles ich alleine stemmen, man könnte auch Musiker vor Ort miteinbeziehen. Schließlich sind sie viel vertrauter und verbundener mit ihrer lokalen Kultur. Wir könnten ihnen aber mit ein paar Ideen und unserem Knowhow unter die Arme greifen.“ Denkbar wäre auch, dass man bei der Finanzierung hilft und das Projekt dann gemeinsam durchführt.
 
Xiao He ist wie ein Magier, der Kinderlieder und Mitwirkende in den Hutongs zusammenbringt. Ein Zauberer, der die Menschen in die Schönheit der Musik einführt oder vielmehr die Schönheit der Musik einer breiteren Masse zugänglich macht.
 
Die Marco-Polo-Brücke über dem Lugou-Fluss
Auf der Brücke ein Heer von Steinlöwen
unter der Brücke weht weißer Schilf

 
Seitdem ich die Verse aus Herrn Wus Grundschulzeit an jenem Tag etliche Male gesungen habe, klingen sie mir immer wieder im Ohr. Und auch ein Lied, das ich selbst in der Mittelschule gelernt habe, kommt mir wieder in den Sinn: „Schon wieder der dritte Tag im dritten Monat, Drachen steigen in den Himmel, tragen meine Sehnsucht und Träume hoch hinauf, bis zurück in Kindertage.“ Die Marco-Polo-Brücke: Sie ist sowohl ein Kulturdenkmal (im Reisebericht des Marco Polo wird die Lugou-Brücke als prächtige Steinbrücke beschrieben und bekam daher den Namen „Marco-Polo-Brücke“) als auch von historischer Bedeutung. (am 7. Juli 1937 kam es bei der Marco-Polo-Brücke zu einem Feuergefecht zwischen japanischen Soldaten und der Nationalrevolutionären Armee Chinas, das den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg auslöste). In ihr sind unzählige Erinnerungen und Erlebnisse etlicher Ethnien und Generationen eingeschrieben, die allesamt in das alte schöne Kinderlied eingeflossen sind.

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