Medienkunst
CAO SHU

Cao Shu (曹澍), Jahrgang 1987, lebt und arbeitet in Hangzhou, wo er an der China Academy of Art unterrichtet. In seinen Werken knüpft er an persönliche und historische Erinnerungen an und verwendet sie als Schnittstellen, aus denen sich eine multimediale, interaktive Kunstpraxis entwickelt. Zu seinen jüngsten Einzelausstellungen zählen: Cao Shu Solo Exhibition - The Ocean of Solaris (Zhejiang Art Museum in Hangzhou, 2019); Flux (ShanghaiTech University, 2019); Solo Programme - Monster outside the Windows (Koganecho, Yokohama, 2019); Nameless (Opencast Space, Hangzhou, 2015). Cao Shus aktuelle Beteiligungen an Gruppenausstellungen umfassen unter anderem The Exhibition of Annual of Contemporary Art of China (Beijing Minsheng Art Museum, 2019); Fiction Art (OCT Contemporary Art Terminal, Shenzhen, 2018); Pity Party (Sleep Center, New York 2018); Internationales Kunstfestival China Time in Hamburg (Ausstellungshaus der Sammlung Falckenberg, 2016). Die Werke des Künstlers sind in Sammlungen vertreten wie der australischen White Rabbit Art Gallery, der Blue Mountain Contemporary Art Foundation in Israel sowie dem Zhejiang Art Museum.
 
Cao Shu wurde mit seinen Arbeiten zu Hauptwettbewerben zahlreicher internationaler Filmfestivals eingeladen, beispielsweise dem Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm, dem Festival d’Animation Annecy in Frankreich oder dem Ottawa International Animation Festival in Kanada. Auf dem Beijing International Short Film Festival wurde er mit dem Outstanding Art Exploration Award und auf den Kurzfilmwochen in Shanghai mit dem New Narrative Award ausgezeichnet. Darüber hinaus hat Cao Shu in der Vergangenheit an verschiedenen künstlerischen Residenzprogammen in China und im Ausland teilgenommen, beispielsweise an Atelier Mondial in Basel (2017) und dem japanischen Koganecho Artist in Residence Program in Yokohama (2019). Nun ist Cao Shu zu einem Arbeitsaufenthalt am Kunst- und Kulturzentrum im Münchner Muffatwerk zu Gast, um sich dort intensiv mit 3D-Renderings auseinanderzusetzen. Der Künstler möchte sich von der lokalen Kunst und Geschichte Münchens zu neuen Werken inspirieren lassen und wird diese in einer offenen Atelierausstellung präsentieren.
 
Cao Shu setzt sich seit vielen Jahren eingehend mit der Beziehung zwischen den Fragmenten persönlicher Erinnerung und dem sozialen Raum auseinander. Dabei möchte er nicht Geschichten erzählen, sondern Emotionen beim Betrachter hervorrufen. So gelingt ihm die Expansion des individuellen Gedächtnisses, die nicht nur eine tiefschürfende Selbstreflektion zur Folge hat, sondern automatisch bildliche Symbole des kollektiven Unbewussten evoziert. Wie der Künstler selbst sagt, geht es ihm nicht in erster Linie um das „Schauspiel auf der Bühne“, sondern darum, wie es hinter der Bühne aussieht. Ihn interessiert der „Ort des Geschehens“, an dem die Schauspieler ihre Masken wieder abgenommen haben und die Requisiten verstreut herumliegen. Das reale Leben der Menschen und das Unterbewusstsein zerfallen in zwei Teile, scheinbar verbunden, aber tatsächlich weit voneinander entfernt. Cao Shu spürt dieser Spaltung akribisch nach. Er gräbt die im Unterbewusstsein verborgenen Anteile des Ichs wieder aus und setzt sie zu einem kompletten „Menschen“ zusammen. Auf dieser Grundlage bedient er sich als Künstler verschiedener medialer Sprachen, wie zum Beispiel 3D-gerenderter Bilder und Installationsformen, die kontinuierlich und intuitiv fortgeschrieben werden. Dieser Prozess erinnert eher an die „Spurensuche“ in einem Labyrinth, bei der man immer wieder Hinweisen verfolgt und verliert. eine „Spurensuche“, die zeigt, dass das Unterbewusstsein der Zivilisation durch die alten Gene der Menschheit in jeder Epoche wieder in Erscheinung treten kann.
 
Übersetzung aus dem Chinesischen: Julia Buddeberg
 
 

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