Ausstellung
WITH/AGAINST THE FLOW

WITH/ AGAINST THE FLOW
© OCAT Shanghai

with/against the flow

Initiatoren: Abteilung Kultur und Bildung am Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland Shanghai, Institut für Auslandsbeziehungen, OCAT Shanghai  
Dauer der Ausstellung: 17.04.2021 - 20.06.2021, Di.-So., 10:00 - 18:00 (Einlass bis 17:30) 
Künstler:  Sebastian Stumpf, Taiyo Onorato & Nico Krebs 
Kurator*innen: Florian Ebner, Christin Müller 
Ort: OCAT Shanghai, Multifunction | Lane 9, Qufu Road, Jing'an District, Shanghai  
Eintritt frei 

Die Ausstellung „with/against the flow“ des Instituts für Auslandsbeziehungen e.V. wird mit Unterstützung der Abteilung Kultur und Bildung und OCAT Shanghai vom 17. April bis 20. Juni 2021 in Shanghai gezeigt. Bei dieser dritten Station der Ausstellung in China werden die Werke des deutschen Künstlers Sebastian Stumpf und der Künstlergruppe Taiyo Onorato & Nico Krebs präsentiert. Das Thema der Ausstellung bezieht sich auf den Menschen, konkret auf das Verhältnis zwischen menschlichem Körper und städtischem Raum, in dem jedes einzelne Individuum, egal ob nun in China oder Deutschland, sich mit einem formalisierten Netz einer Großstadt konfrontiert sieht, das durch sichtbare Straßen und Nachbarschaften, aber auch durch eine unsichtbare soziale Ordnung aufgeteilt wird, die den Verlauf des menschlichen Handelns und den Stundenplan einer jeder Person definiert. 
Welches Potenzial birgt hier unser sich permanent verändernder Umgang mit Fotografie? Welche Möglichkeiten bringen die neuen Formate der visuellen Kommunikation mit sich? Wie lassen sich dokumentarische Arbeitsweisen mit Eingriffen ins Bild verbinden? Oder ganz allgemein: Was zeichnet die zeitgenössische künstlerische Fotografie aus? Dies sind die zentralen Fragen der Ausstellungsreihe with/against the flow. Zeitgenössische fotografische Interventionen, die 2015 vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) initiiert wurde. 
Die Ausstellung mit Werken von Sebastian Stumpf und Taiyo Onorato & Nico Krebs ist die zweite in dieser Reihe. Die Künstler verbindet das performative Eingreifen in fotografische und filmische Bilder. Auf ebenso subversive wie – im wahrsten Sinne des Wortes – künstlerische Weise loten Stumpf und Onorato & Krebs die Grenzen ihrer Arbeitsmittel aus, indem sie mit visuellen Tricks und Täuschungen Suspense und Illusion erzeugen. Damit verabschieden sich die Künstler von der Idee, dass eine Aufzeichnung der Gegenwart ohne jeglichen inszenatorischen Eingriff auskommen muss. Die Künstler nutzen vielmehr Inszenierungen, um pointiert auf die uns umgebende Bilderwelt zu reagieren. Zugleich richten Stumpf und Onorato & Krebs einen kritischen Blick auf den gestalteten Stadt- und Landschaftsraum als Form gewordenen Ausdruck von Gesellschaftspolitik. Wie wird unsere Bewegung in städtischen Räumen gelenkt? In welchem Verhältnis steht der Mensch zu den urbanen Realitäten? Wo existieren übersehene Leerräume? Wie lassen sich Freiräume durch künstlerische Interventionen produktiv nutzen? 

Sebastian Stumpf
Sebastian Stumpf agiert vor und hinter der Kamera. In seinen Arbeiten reagiert er mit präzisen körperlichen Interventionen auf die vorgefundenen architektonischen Konfigurationen. In der Fotoarbeit Sukima markiert er mit seiner körperlichen Präsenz die unscheinbaren Lücken zwischen Hochhäusern in Tokyo, die für den Brandschutz vorgeschrieben sind. Zenit entstand an der portugiesischen Atlantikküste, wo betonierte Überreste von Gebäuden ihm als Ausgangspunkt für ein körperliches Maßnehmen dienen. In je zwei Aufnahmen setzt sich der Künstler ins Verhältnis zum Horizont und befragt auf diese Weise auch die perspektivische Konstruktion des fotografischen Bildes. Den eingefrorenen Moment in der Fotografie erweitert Stumpf in seinen Videoarbeiten Tiefgaragen, Pfützen und River mit beiläufigen und unerwarteten Bewegungen und eröffnet neue Perspektiven auf die urbane Möblierung. Dem rein konstatierenden Blick der Kamera setzt Stumpf so eine Handlung als Haltung entgegen. Durch die Wiederholung von gleichen Bewegungen an unterschiedlichen Orten verschiebt sich der Fokus von der Begrenzung durch urbane Strukturen hin zu deren offenem Potential. 

Taiyo Onorato & Nico Krebs
Taiyo Onorato & Nico Krebs machen mit hintergründigen Beobachtungen, optischen Täuschungen und subtilen Konstruktionen auf kulturelle Eigenarten von unterschiedlichen Gesellschaften aufmerksam. In der Werkgruppe Constructions (Building Berlin) beschäftigt sich das Künstlerduo mit den städtebaulichen Gegebenheiten von Berlin. Der deutschen Hauptstadt haftet weltweit der Mythos als ewiger Brache an, die Raum für eine individuelle Selbstverwirklichung bietet. Onorato & Krebs suchen für ihre Arbeiten Leerräume auf und machen sich diese als künstlerisches Experimentierfeld zu nutze. Mit Hilfe von Holzlatten und Pyrotechnik erzeugen sie nahezu perfekte optische Täuschungen. Durch die perspektivischen Gesetze der Optik werden die Interventionen des Künstlerduos Bestandteil des urbanen Gefüges. In ihren Fotografien erweitern sie die vorhandenen Gebäudeensembles mit Holzkonstruktionen und konterkarieren diese mit leisem Humor. In den drei Filmen Lamp, Chimney und Fire führt die Stadtmöblierung ein kurzes Eigenleben – wenn eine Straßenlaterne in pinkem Licht erstrahlt, eine stillgelegte Esse zu rauchen beginnt und ein Gebäude abbrennt – um anschließend ihr gewohntes Antlitz zurück zu erhalten. Im Detail entlarven sich diese Eingriffe gekonnt selbst und schwanken damit zwischen Konstruktion und Dekonstruktion – oder auch zwischen gebauter Realität und Möglichkeitsraum.  


 

Details

Preis: Eintritt frei


Diese Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe with/against the flow.