2017: Changchun Heiße Debatten im kalten Norden von Chinas

Jilin Huaqiao Fremdsprachenuniversität
Jilin Huaqiao Fremdsprachenuniversität | ©Goethe-Institut China

Ist das Erlernen einer Fremdsprache in Zeiten von digitalen Übersetzungsprogrammen überhaupt noch nötig? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Finalisten des diesjährigen Nationalen Debattierwettbewerbs für chinesische Germanistikstudierende. Bereits zum 10. Mal trafen sich Studierende von 48 Germanistikabteilungen aus ganz China, um an zwei Tagen zu verschiedenen Themen mit- und auch gegeneinander zu debattieren. Gastgeber war in diesem Jahr die Jilin Huaqiao Fremdsprachenuniversität in Changchun.

Der Nationale Debattierwettbewerb für Germanistikstudierende feierte in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Was im Jahr 2007 als gemeinsame Idee des Goethe-Instituts China und des Anleitungskomitees für Germanistik des chinesischen Bildungsministeriums seinen Anfang fand, ist in den Jahren seitdem zu einem festen Bestandteil des Kalenders für die Germanistikabteilungen in ganz China geworden. In der Bildungskooperation zwischen Deutschland und China ist der Debattierwettbewerb damit eine besondere Erfolgsgeschichte.„Die angenehme, aufrichtige, vertrauensvolle und hoch effiziente Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten ist ein vorbildliches Exemplar für chinesisch-deutsche Teamarbeit“ - sagt Herr Prof. Dr. JIA Wenjian, Leiter des Anleitungskomitees für Germanistik.

Durch die Beteiligung des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD), der Deutschen Auslandsvertretung und eines wichtigen chinesischen Lehrbuchverlags verbindet der Wettbewerb auch andere Akteure in der chinesischen Bildungslandschaft miteinander.

„Der Debattierwettbewerb hat die hiesige Germanistik in den letzten zehn Jahren sehr geprägt und die Position der mündlichen Sprachkunst - der  Rhetorik gestärkt!“ - sagt Rafael D. Deschka, Leiter der Spracharbeit China des Goethe-Instituts. 

Da der Wettbewerb an jährlich wechselnden chinesischen Hochschulen stattfindet, bietet er auch den Hochschulen eine einzigartige Plattform, sich den Germanistikabteilungen im ganzen Land zu präsentieren.
In diesem Jahr nutzte die Jilin Huaqiao Fremdsprachenuniversität (HQUFL) in Changchun diese Möglichkeit und empfing die Teilnehmenden im großen Veranstaltungsraum der gerade erst fertiggestellten Bibliothek. Am Wochenende des 28. und 29. Oktobers versammelten sich insgesamt 96 Studierende von 48 Hochschulen gemeinsam mit ihren Begleitlehrkräften auf dem Campus der HQUFL. Bis zum Halbfinale wurden die bereits im Voraus bekannten Themen debattiert, die Teilnehmenden präsentierten nicht nur ihre exzellenten Deutschkenntnisse, sondern auch umfangreiches Wissen, das sie durch die intensive Vorbereitung erworben hatten. Doch auch bei den vorher unbekannten Themen der Halbfinale und des Finales blieben die Argumente nicht aus. Bis zum finalen Höhepunkt des Debattierwettbewerbs präsentierten alle Teilnehmenden lebendige Debatten.

„Zwar ist diese Erfahrung anstrengend, aber wir können auch Vieles davon lernen.“ – sagt XIA Ruoting, die für die Shanghai Jiaotong Universität am Wettbewerb teilgenommen hat.

Die unabhängige Jury aus chinesischen und deutschen Experten und Expertinnen bewertete nicht nur die Deutschkenntnisse der Studierenden, sondern auch weitere Kriterien, wie den Gesprächsstil, Sachkenntnis, Teamarbeit, Gestus, Aussprache, Intonation wie auch die Überzeugungskraft und das Ausdrucksvermögen.

Jilin Huaqiao Fremdsprachenuniversität Jilin Huaqiao Fremdsprachenuniversität | ©Goethe-Institut China

Das große Finale bestritten das Team der Sun Yat-sen-Universität aus Guangzhou bestehend aus Herrn CHEN Yuxin und Frau ZHONG Sirui und das Team der Nankai-Universität aus Tianjin bestehend aus Frau LIU Yumeng und Frau LI Yuemeng. Nach einer heißen Debatte errang schließlich das Team der Nankai-Universität den Meistertitel und gewann damit ein Stipendium für einen einmonatigen Sprachkurs an einem Goethe-Institut in Deutschland. Aber auch die Vizemeister aus Guangzhou können sich über einen vom DAAD gesponserten Sommerkurs in Deutschland freuen. Die Sonderpreise für die beste Aussprache, die höchste Überzeugungskraft sowie die Titel des besten Debattierers und der besten Debattiererin erhielten Studierende der Shanghai Jiaotong-Universität, der Universität für Wissenschaft und Technik Beijing und der Liaoning Universität.

 Gewinner Gewinner | ©Goethe-Institut China