Zé do Rock im Gespräch „Lächeln Sie, Sie werden gefilmt!“

Der Kabarettist und Autor Zé do Rock
Der Kabarettist und Autor Zé do Rock | © Zé do Rock

Der brasilianische Schriftsteller und Filmemacher Zé do Rock macht sich gerne über die deutsche Sprache lustig und bastelt sich sein eigenes Deutsch – auch in seinem neuen Buch „per anhalter durch die brasilianische galaxis“. Ein nicht immer ernst gemeintes Interview, in dem Zé do Rock unsere Fragen in seiner eigenen Sprache beantwortete.

„Kaudadeutsh“, „ultradoitsh“, „wunschdeutsch forte“ ... In deinen Büchern hast du die deutsche Sprache reformiert – zéformiert – und sie mit einem Mix aus Portugiesisch und gefühltem Fake-Esperanto angereichert. Was missfällt dir an dieser leitzordnergrauen Beamtensprache?

Im deutschen kann man wörter kombinieren, ohne ihr verhältnis zueinander deutlich zu machen, also is ein hühnerdieb jemand, der hühner stiehlt, aber ein ladendib is kein räuber der läden mitnimmt. Das sorgt für ungenauigkeit, aber auch für eine ungeheure flexibilität. und so gibt es so schöne wörter wie birselig, blechlawine, dratesel. als ich nach einer englischen entsprechung des wortes „fernweh“ gesucht hab, fand ich nur „wanderlust“: die angelsaxen können das deutsche wort nur mit einem deutschen wort übersetzen.

Wegen diser kombinationsflexibilität is deutsch eine ser ausdrucksreiche sprache. Ansonsten aber hat die sprache eine unmenge regeln, die kaum jemand komplett beherrscht, und das is für die kreativität eer hinderlich – ma fragt sich dauernd ob man richtig schreibt, und für den inhalt bleibt nich vil zeit.

Und was machst du daraus?

Daher hab ich ultradoitsh kreirt, ain logishes und konsekwentes sisteem, oder wunschdeutsch, ein basisdemokratisches deutsch. Kaudadeutsh is widerum en internacionaliset un multiculti deutsh, in dem möglichst fremdwordes benutzet werden, die in ir originale formas ershein. dazu werd die laudvershibu bakgangli (rückgängig) maket, dat heisse: bak tu die plattdeutsh, damit leuti, die andre germanishe linguas spik, es betta capie. Und naturalmente: em meinem letzten buch geht es um Brasil, also wird deutsch brasilianischer. Exist oso europano, dat is a mix av al europano linguas, mas i scrivou no buk in dize lingua – i no gaga, i vole lezis!

 

Die WM auf „Zédeutsch“

Zur WM in deiner Alt-Heimat Brasilien kommen bestimmt ein paar alemãos. Könntest du aus Gründen der Fairness auch das brasilianische Portugiesisch für Deutschsprecher vereinfachen? Bitte ein Beispiel!

Ja, i kreiret au die „brazileis“, das ortografish vereinfaket is un die simplificações des straszebrasiliano mitnemt, zu beispil hir die konjugation des verbs „querer“ (wollen):

 
Shulportugalian  Brazileis  Analogdeutsch
Eu quero Eu keru ich will
Tu queres Ce ker du willst
Ele quer Eli ker er/sie will
Nós queremos A jent ker wir wollen
Vós quereis Ceis ker ihr wollt
Eles querem Elis ker sie wollen


 
 






Un natüral is die plural nur nok in el artikel, also statt „Os cachorros associais“ – „die asozialen hunde“, wi oft die absrekli warnu vor die heuse formulet werd – heiss es „Us caxorru associau“ – „die asozial hund“.

Ähnlichkeiten zwischen Deutschen und Brasilianern

„Die Deutschen sind arm, aber gut drauf – während die Brasilianer viel Geld ham, aber ständig jammern“. Dein Film „Schroeder liegt in Brasilien“ – „eine informative Dokumödie“ – unterwandert Klischees: Wie denken Brasilianer über Deutsche – und umgekehrt? Welche Ähnlichkeiten zwischen den beiden Kulturen sind dir aufgefallen?

Es sind die beiden länder mit den gröszten volksfesten der welt – karnewal in Rio und Oktoberfest in Mynchen. Aber auch karnewal is in Doitschland stark, und oktoberfeste gibt es in Brasilien yberall, zumindest im syden. Es sind die zwei gröszten fussballnazionen, zumindest wenn ma die historische punktezal bei den weltmeisterschaften betrachtet. In der Formel 1 ham for ein par jaren noch die brasilianer dominirt, jez sind es die doitshen. Wirtshaftlich is Doitshland die firtgröszte weltmacht, Brasilien die sexte, also wenn man bedenkt, dass es 193 landa gibt, sin sie praktish nachbarn auf der „tabelle“. Klar, im prokopf-einkommen sein die deutshen noch einiges voraus... Die deutshen sein nach den indianern, den portugisen und den afrikanern die firte folksgruppe, die Brasilien entdeket, vor 200 jaren. Und in Sao Paulo stet das gröszte deutshe industriezentrum der welt. Aussadeem sein beide fölke mit Micky Maus un americanishen TV-serien aufwaxen – zumindest in Westdeutshland ...

Für dein aktuelles Buch „Per Anhalter durch die brasilianische Galaxis“ bist du monatelang durch deine alte Heimat getrampt. Welche brasilianischen Eigenschaften oder Gepflogenheiten kommen dir heute seltsam vor – nach jahrelanger „Alemanisierung“?

In Brasil kann ma fast nix kauf un nix mak one die steuanumma (CPF) anzugebe, die dann immediat in a zentrale kontrolliert wird. In Deutschland kontrolliert der stat seine bürga durch die anmeldepflicht, in Brasilien gibt es die nicht, also wird der bürger üba die steuanummer controlliert. Was in Brasilien unangeneem auffallt is die evangelicalisirung – früha waren 90 prozent da populacion lashcatholiken, der restliche 10 prozent bestand vor allem aus lashprotestanten. Heutzudage sin cuasi 30 prozent evangelicale, pingstkirchis. Un die sin a dreibende craft bei der verbodswelle, die üba die land fegt.

A parade-exemple findet man im hohaus, wo meine swesta wont: man commt an, un links an der einfart stet „Hupen verboten!“ Ma betritt die slossene grundstik, un shon in die freien ste 3 smaukverbodsshilde. An die lift stet: „Es is verboden, gastis mit tu die pool tu neme“ – swimming poole bin a total normal einricht in middelclasse-hohause. „Es is tu die kidis unta 12 jar verbidet, die lift aleine tu benutt“. „Es is verbidet, menshis aupgrund ir rass o religion tu discriminee“, darunter is die hotlein pro smauki-denunciaciones. Ma comm intu die lift, un se endlik a shild, die kei verbid is: „Lächeln Sie, Sie werden gefilmt!“
 

 

Zé do Rock, ein in Brasilien geborener und in Deutschland lebender Autor und Kabarettist, verfasst seine Texte, so auch dieses Interview, in „Kaudadeutsh“ oder „ultradoitsh“, einer satirischen Verfremdung der deutschen Sprache. Hier können Sie eine hochdeutsche Fassung des Interviews herunterladen: Transkript, hochdeutsch (PDF, 124 KB)