Lehrwerk für Fach- und Berufssprache Deutsch für chinesische Kfz-Mechatroniker

Kfz-Mechatronikerin China
Kfz-Mechatronikerin China | © Hanns-Seidel-Stiftung

Die Arbeitswelt wird internationaler und Fremdsprachenkenntnisse zunehmend wichtiger. Lehrwerke, die Lernende auf die beruflichen Anforderungen vorbereiten, sind unerlässlich. Wie ein Lehrwerk für chinesische Kfz-Mechatroniker entstand, zeigt ein Praxisbericht aus China.
 

Berufliche Bildung ist für das Goethe-Institut China ein wichtiges Thema. In China lernen mehr als 20.000 Studierende Deutsch, obwohl sie nicht Germanistik studieren – Viele von ihnen möchten in Deutschland ein Fachstudium aufnehmen. Dafür benötigen sie Kenntnisse in der Fachsprache und Wissen über studienrelevante Arbeitstechniken. Im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) betreut das Goethe-Institut auch chinesische Berufsmittelschulen, an denen Kfz-Mechatroniker für deutsche Automobilhersteller ausgebildet werden. Deutsch wird hier neben berufsvorbereitenden Inhalten gelehrt. Da deutsche Automobilhersteller in China sehr erfolgreich arbeiten, benötigen sie immer mehr qualifiziertes Personal mit Deutschkenntnissen. Also Bedarf genug, ein fach- und berufsbezogenes Deutschlehrwerk für Kfz-Mechatroniker zu entwickeln.

Der Weg zum Lehrwerk – Autoren und Themen

In Gesprächen mit Mitarbeitern von Automobilherstellern, der Hanns-Seidel-Stiftung und der Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk entstand der Gedanke, in einem DaF-Lehrwerk Kfz-Fachsprache, aber auch interkulturelle Techniken für chinesisch-deutsche Arbeitszusammenhänge zu vermitteln. „Deutsch für chinesische Kfz-Mechatroniker“ sollte sich an Lernende auf einem A2/B1-Sprachniveau richten und sowohl im Kurs als auch zum Selbststudium verwendet werden können.

Am Anfang der Entwicklung stand die Suche nach geeigneten Autoren. Das Herder-Institut der Universität Leipzig bot zum damaligen Zeitpunkt Lehrveranstaltungen zu den Themen Fach-und Berufssprache sowie Lehrwerksentwicklung an. Hier konnten die Masterstudierenden als Autoren Lektionsentwürfe für Lehrwerke beitragen – betreut von  Prof. Karen Schramm, der damaligen Leiterin des Instituts. Die Kooperation war für beide Seiten attraktiv: Die Studierenden sammelten erste praktische Erfahrungen in der Lehrwerkentwicklung mit Aussicht auf eine Publikation. Das Goethe-Institut China konnte sich auf die Qualität der Lektionsentwürfe verlassen. Und dass die Studierenden innerhalb eines Semesters die Entwürfe fertigstellen mussten, gab eine zeitliche Planungssicherheit.

Getriebereparatur Getriebereparatur | © Hanns-Seidel-Stiftung Grundlage für die Auswahl der Themen war das Curriculum des Projekts SGAVE (Sino-German Automotive Vocational Education), das aus einer Zusammenarbeit des chinesischen Bildungsministeriums, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und großen deutschen Automobilherstellern entstand. In Gesprächen mit Kfz-Experten und Ausbildnern wurden aus dem Curriculum beispielsweise die Themen Abgassysteme und Elektromobilität für das Lehrwerk ausgewählt. Auch der Umgang mit Nicht-ganz-Verstehen, der spontane Einsatz als nichtprofessioneller Dolmetscher von Deutschlernenden und die deutschen Dialekte sind Themen im Lehrwerk. Die Autorinnen und Autoren entwickelten nun realistische Kommunikationssituationen, in denen die deutsche Sprache eine Rolle spielt. Dazu gehören die mündliche und schriftliche Interaktion beispielsweise mit deutschen Vorgesetzten, Kollegen, Auszubildenden und Besuchern.

Konzeption und Umsetzung

Jede der acht Lektionen des Kurs- und Übungsbuchs sollte acht Seiten umfassen und mit einer Themeneinführung mit Lernzielen beginnen, alle vier Fertigkeiten trainieren und mit einem Selbsttest sowie einer Vokabelübersicht enden. Den didaktischen Rahmen gab die Handreichung zu berufs- und fachbezogenem Deutsch von Tellmann, Müller-Trapet, Jung (2012) vor.

Leider weiß man generell noch zu wenig darüber, welche fremdsprachlichen und damit interkulturellen Aufgaben Nichtmuttersprachler in ihren Arbeitskontexten auf Deutsch kommunikativ lösen müssen (vgl. Barié-Wimmer, von Helmolt, Zimmermann 2014). Neben diesem grundlegenden Problem musste ein ausreichendes Zeitpolster einkalkuliert werden, besonders wenn Bild- und Videomaterialien und deren Rechte von großen Unternehmen eingebaut werden sollen. Auch Sprecher deutscher Dialekte (Sächsisch, Schwäbisch, Bayerisch) waren in China nicht immer leicht zu finden.

Insgesamt benötigten wir zehn Monate von der Idee bis zur Fertigstellung des Materials. Das fertige Lehrwerk „Deutsch für KfZ-Mechatroniker“ steht seit Januar 2014 online zum kostenlosen Download bereit, eine Druckversion wurde nur für Werbezwecke erstellt. Genutzt wird das Lehrwerk vor allem von den Partnern, die bei der Entwicklung mitgearbeitet haben. Aber auch die chinesischen Universitäten, die Deutsch als zweite Fremdsprache für Nichtgermanisten anbieten, verwenden die Materialien.

Der Erfolg in der Praxis

Der Erfolg des Lehrwerks lässt sich an den hohen Downloadzahlen ablesen: Das Lehrwerk und die neunzehn Audio- und zwei Videodateien wurden bis zu 3000 Mal heruntergeladen (Stand Januar 2015). Auch Rückmeldungen wie die eines Lehrers, der mit dem Lehrwerk unterrichtet, freuen uns: „Dem (chinesischen) Leiter des Ersatzteillagers [war es] gelungen, telefonisch ein technisches Problem in Zusammenarbeit mit einem deutschen Kollegen zu lösen. Der deutsche Ingenieur sprach kein Englisch, das Gespräch musste auf Deutsch geführt werden. Für meinen Kursteilnehmer und für mich war das ein großes Erfolgserlebnis!“
 

Downloads

Das Lehrwerk und die dazugehörigen Audio- und Videomaterialien können Sie hier kostenlos herunterladen.

Auszug aus dem Lehrwerk, Lektion 1 (pdf)
Beispiel Hörtext, Lektion 3, Aufgabe 6: Martin Linge und Li Xiaojun in der Anlernstation (mp3)
Ob das Material auch für andere Ausgangssprachen und -länder in einer angepassten Version veröffentlicht wird, kann vom Autorenteam entschieden werden. Die Entwicklung von Lehrwerken für weitere Berufe ist vom Goethe-Institut China derzeit nicht geplant. Für Beratungen zu ähnlichen Vorhaben, stehen wir sehr gern zur Verfügung.
 

Literatur

Barié-Wimmer, Friederike; von Helmolt, Katharina; Zimmermann, Bernhard (Hrsg.): Interkulturelle Arbeitskontexte. Beiträge zur empirischen Forschung. ibidem-Verlag 2014.

Jandok, Peter: Gemeinsam planen in deutsch-chinesischen Besprechungen. Eine konversationsanalytische Studie zur Institutionalität und Interkulturalität. (Reihe interkulturelle Kommunikation; 8). München 2010.

Tellmann, Udo; Müller-Trapet, Jutta; Jung, Matthias (Hrsg.): Berufs- und fachbezogenes Deutsch. Grundlagen und Materialerstellung nach dem Konzept von IDIAL4P. Handreichung für Didaktiker. Universitätsverlag Göttingen 2012.