Internationale Deutscholympiade Deutsch als Teamsport

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Internationalen Deutscholympiade 2014
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Internationalen Deutscholympiade 2014 | Foto (Ausschnitt): Goethe-Institut © V.Badiu

Reden ist Gold bei der Internationale Deutscholympiade. Der Wettbewerb versammelt jährlich die besten jungen Deutschlerner aus aller Welt. Im Vordergrund steht aber nicht die Konkurrenz, sondern der Austausch zwischen den Kulturen.

„Dabeisein ist alles“, lautet der olympische Leitgedanke. Was sich die erwachsenen Sportler auf die Fahnen schreiben, wenn sie im Sommer oder Winter zu olympischen Spielen zusammenkommen, besitzt nicht weniger Gültigkeit für die rund hundert jungen Menschen aus aller Welt, die seit 2008 alle zwei Jahre ebenfalls um Bronze, Silber und Gold konkurrieren – bei der Internationalen Deutscholympiade (IDO). In drei Disziplinen messen 14- bis 19-Jährige bei diesem Wettbewerb ihre Sprachfertigkeiten. Aber nicht der Sieg steht im Vordergrund, sondern die Begegnung zwischen den Kulturen.

Von der Prüfung zum Wettbewerb

Entstanden ist die heutige IDO aus nationalen Deutscholympiaden in den Ländern Mitteleuropas. „Auf Initiative des Internationalen Deutschlehrerverbandes entwickelte sich die Idee, den Wettbewerb auf eine internationalere Ebene zu bringen“, erzählt Andrea Schäfer, die für das Goethe-Institut die IDO leitet. Aus dem Projekt „Von Riga bis Belgrad“, das die besten Deutsch lernenden Schülerinnen und Schüler einer Region in Europa ermittelte, wurde 2008 ein weltweiter Wettbewerb der deutschen Sprache für Jugendliche. Diese erste IDO fand in Dresden statt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zuvor in nationalen Auswahlrunden ermittelt. Jedes Land darf höchstens zwei Deutsch-Athleten zur IDO entsenden. Die Aufgaben variieren dabei international, in der Regel aber gilt es, Prüfungsvorlagen des Goethe-Instituts zu bewältigen, die das Lese- und Hörverstehen testen. Auch eine mündliche Prüfung, die in Form einer Präsentation zu einem vorgegebenen Thema absolviert wird, ist meist Teil der Qualifikationsrunde. Zudem werde darauf geachtet, so Schäfer, „dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über eine gewisse Reife und vor allem Teamgeist verfügen“.

Sprachsport in drei Disziplinen

Auf die Fähigkeit zur Kommunikation untereinander wird bei der IDO besonderen Wert gelegt. „Die ersten Deutscholympiaden glichen eher noch klassischen Prüfungsformaten“, erinnert sich Schäfer. „Für 2012 wurde dann ein völlig neues Konzept erarbeitet. Der Wettbewerb sollte handlungs- und teamorientierter werden“. Nur bei der ersten von drei Disziplinen steht nun die Einzelleistung im Vordergrund. Die Teilnehmenden erstellen eine Wandzeitung, die ihre persönlichen Eindrücke vom jeweiligen Austragungsort der IDO über Fotografien, Gedichte oder andere kurze Texte vermitteln soll. Für die zweite Disziplin, die Präsentation, finden sich die Olympioniken zu international gemischten Vierergruppen zusammen. Zu einem frei gewählten Thema erarbeiten sie etwa ein Theaterstück, einen Powerpoint-Vortrag oder ein Plakat – Hilfsmittel wie Wörterbücher oder Computer sind erlaubt. Beim abschließenden Quiz wird wiederum im Team gearbeitet. Die jungen Wettkämpfer müssen einem Zeichenkünstler möglichst präzise ein Bild beschreiben, das dieser nach ihren Schilderungen anfertigt.

Möglichst viele Länder gewinnen

Der Wettbewerb wird in drei verschiedenen Sprachniveaus ausgetragen: A2, B1 und B2. In jeder Stufe werden drei Sieger gekürt: die Bronze-, Silber- und Gold-Gewinner. Eine internationale Jury vergibt nach einem festgelegten Kriterienkatalog Punkte für Inhalt und Form: Wie drücken sich die jugendlichen Deutschlernenden aus? Haben sie die Aufgabe vollständig erfüllt? Welche Mittel sind zum Einsatz gekommen? Darüber hinaus prämiert die Jury auch die Teamfähigkeit und Fairness der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

In früheren Jahren traten Olympioniken auch im fortgeschrittenen Sprachniveau C1 an. Da die meisten Schulen im Unterricht aber nur bis zur Stufe B2 kommen, die ein normales Gespräch mit Muttersprachlern ermöglicht, beschränkt sich die IDO 2016 auf die Niveaus A2, B1 und B2. „Bei einer Olympiade geht es schließlich darum, dass möglichst viele Länder teilnehmen“, erläutert Andrea Schäfer die Entscheidung. „2016 sind 15 Länder mehr vertreten als 2014“.

Kennenlernen beim Jahrmarkt der Kulturen

Insgesamt 125 Jugendliche reisen nach Berlin und schlagen in der neu eröffneten Jugendherberge am Ostkreuz – zugleich Unterkunft und Austragungsort der IDO – für die Dauer von zwei Wochen ihr olympisches Quartier auf. Begleitet werden sie von Deutschlehrkräften, die im Unterricht besonders innovativ sind und beispielsweise filmische Mittel oder bildende Kunst eingesetzt haben, um Sprache lebendig zu vermitteln. Die Pädagogen nehmen in Berlin an einem Seminar teil, das ihnen weitere Impulse für die Unterrichtsgestaltung geben soll.

Neben dem Wettbewerb sollen sich die Teilnehmenden möglichst gut kennenlernen. „Von 2008 bis 2012 gab es deshalb einen Länderabend“, sagt IDO-Leiterin Schäfer. „2014 kam dann der ‚Jahrmarkt der Kulturen’ dazu“. Dabei stellen sich die Jugendlichen mit einer kurzen Performance vor und gestalten Stände mit typischen Produkten aus ihrer Heimat.

Mit Deutsch hinter die Klischees blicken

Der 17-jährigen Lejla aus Bosnien und Herzegowina liegt es beispielsweise am Herzen, anderen zu vermitteln, „dass Bosnien nicht nur ein von den Kriegsfolgen geprägtes Land ist. Wir haben vieles zu bieten, sogar einen Nobelpreisträger, der aus unserem Land kommt: Ivo Andric“. Der 18-jährige Silvio aus Estland möchte „das weiterentwickelte Internet-Netzwerksystem“ seiner Heimat präsentierten: „Estland wird ja international auch als E-Staat bezeichnet“. Und der 17-jährige Albaner Klevin erzählt: „Mein Heimatland ist bekannt für das harmonische religiöse Zusammenleben“.

Für den Erfolg des Formats IDO sprechen aus der Sicht von Andrea Schäfer die ständig wachsende Teilnehmerzahl und auch das internationale Netzwerk von ehemaligen Olympioniken. „Viele studierten heute in Deutschland oder sind als IDO-Botschafter in ihren Heimatländern unterwegs“.