PASCHi auf Reisen Projektorientiertes Lernen leicht gemacht

Gruppenbild Guangzhou Fremdsprachenschule
Gruppenbild Guangzhou Fremdsprachenschule | © Pasch

PASCHi ist ein Maskottchen, das in Ostasien Lehrkräfte und ihre Schülerinnen und Schüler zu projektorientiertem Lernen im Deutsch-als-Fremdspracheunterricht (DaF) auf den Niveaustufen A1-B1 motiviert. Dieser Bericht zeigt, wie sich die Jugendlichen und ihre Lehrkräfte nach dem Prinzip Vom Einfachen zum Schweren die notwendigen Projektkompetenzen aneignen.

Wer ist PASCHi?

Der sympathische Papagei PASCHi  ist das Maskottchen der vom Goethe-Institut betreuten Schulen der Partnerschulinitiative (PASCH) in Ostasien. Er wurde von zwei taiwanesischen Schülerinnen anlässlich eines Designwettbewerbs entworfen. Nach einer Abstimmung auf der globalen PASCH-net-Seite, produzierte das Goethe-Institut die Maskottchen-Handpuppe und schickte PASCHi im Februar auf die Reise. Bis Dezember besucht der sprachgewandte Papagei 27 Schulen in Festland China, Hongkong, Taiwan, in der Mongolei, Korea und Japan. Die Handpuppe „spricht“ mit den Schülern nicht nur Deutsch, sondern bringt auch Ideen für die Gestaltung eines projektorientierten DaF-Unterrichts mit, in dem Jugendliche wirklich aktiv werden (Salomo/Mohr: 2016, S. 146-168).

Reisen durch Malen Reisen durch Malen | © Pasch

Ich bin ich und PASCHi bist du! Handreichungen für den Unterricht

In Ländern mit unterschiedlicher Lehr- und Lerntradition ist es sinnvoll, Formen des aufgaben- und projektorientierten Lernens schrittweise einzuführen. Daher orientieren sich die Handreichungen für den Anfängerunterricht an der Idee, zunächst Mikroprojekte im Regelunterricht einzuplanen, die sich in einer oder zwei Schulstunde(n) realisieren lassen. Wichtig ist, dass die Lernangebote einen Sitz im Leben der Schülerinnen und Schüler haben und dass sie die Außenwelt in den Unterricht miteinbeziehen (Wicke: 2012, S.210; Benkelmann-Zhang: 2016, S. 45-45). Im Sinn einer behutsamen Heranführung laden die Materialien die Jugendlichen und ihre Lehrkräfte ein, PASCHi zunächst anhand mehrerer Aktivitäten kennenzulernen. Sie stellen beispielsweise Vermutungen über das Maskottchen an, tauschen Beschreibungen aus, erstellen Wort-Collagen zu PASCHi und ergänzen Texte und Gedichte. Im zweiten Teil stehen bereits komplexere Aktivitäten zum Deutschlernen im Mittelpunkt. Interviews werden geführt und Informationen in Steckbriefen und zum eigenen Schulleben gesammelt. Die Vorschläge in diesen Teilen dienen dazu, grundlegende sprachliche Formen aus dem Anfängerunterricht zu festigen und zu erweitern und die Jugendlichen an Partner- und Gruppenarbeit sowie Formen des freien Sprechens, des Präsentierens und des kreativen Arbeitens heranzuführen.

Im dritten und vierten Teil befassen sich die Lernenden mit dem geplanten Austausch zwischen den Schulen. Dabei helfen verschiedene aufeinander aufbauende Aufgaben für die Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Vorstellungen von Austausch und Kultur. Anschließend werden verschiedene Austauschmaßnahmen charakterisiert und die Anfertigung kreativer Arbeiten veranschaulicht. Für die Lehrkräfte enthält die Sammlung Anleitungen zur Projektplanung und -durchführung. Die Schwerpunkte sind hier die Selbsttätigkeit und Selbstorganisation der Jugendlichen, die veränderte Lehrerrolle, sowie die Produktorientierung im projektorientierten Lernen.

Stofftaschen Stofftaschen | © Pasch

Und das Ergebnis? Austausch und Produkte, die „beflügeln“

Die schriftlichen und mündlichen Rückmeldungen der Jugendlichen und Lehrkräfte bisher besuchter Schulen sowie ihre auf dem Projektblog (www.pasch-net.de/paschi) veröffentlichten Berichte, Fotos und Videos zeigen die immense Begeisterung über die Begegnung mit PASCHi. Austausch und Arbeit mit dem Papagei motivieren die Jugendlichen, die in A1 oder A2-Klassen Deutsch lernen, zu außerordentlichen Leistungen. So führten Deutschlernende in Südchina zwei bemerkenswerte Mikroprojekte durch: Unter dem Motto „PASCHi im grünen Bereich“ behandelten sie Fragen zum Thema Umwelt, Natur und Nachhaltigkeit, eigneten sich Fachvokabular an und führten mit PASCHi Video-Interviews, die sie im Internet veröffentlichten. Dass das selbst geschnittene Video in kurzer Zeit über 360 Aufrufe verzeichnete, beflügelte die Jugendlichen, so ihre Deutschlehrkraft. Das Beispiel zeigt, dass fach- und sprachintegriertes Lernen (CLILiG) auch mit Lernenden mit geringen Fremdsprachenkenntnissen möglich ist. Eine weitere Klasse beschäftigte sich mit den Themen „Streit“ und „Konfliktlösung“. Hier fungierte PASCHi in gespielten Dialogen als „Friedensvogel“, um Streit zu schlichten. In beiden Projekten beschäftigten sich die Jugendlichen mit Themen, die sie unmittelbar berührten, sie interessierten und kreative Antworten auf ihre Fragen ermöglichten.

Produkte Produkte | © Pasch

Gleichzeitig ist das Maskottchen Anlass für Begegnung und Austausch mit anderen Deutschlernenden aus PASCH-Schulen in Ostasien; jede Deutschklasse bereitet ein reziprok angelegtes Projekt für die Schule eines anderen Kulturkreises in Ostasien vor. So gaben koreanische Jugendliche PASCHi selbst geschriebene Briefe mit nach Ostchina. „Eine Antwort auf Deutsch zu verfassen und somit vielleicht einen regen Austausch zu starten, wird nun das nächste spannende Projekt für die Schüler meiner Schule sein.“, so die chinesische Deutschlehrerin. 

Alle bisherigen Projekte zeigen, wie schnell die Schülerinnen und Schüler bei der Begegnung mit PASCHi ihre Scheu verlieren und ihre Deutschkenntnisse frei und engagiert anwenden. Dadurch dass die Jugendlichen bei der Durchführung der Projekte selbstständig arbeiteten, waren sie besonders involviert und motiviert. Das Ergebnis sind beeindruckende Produkte wie zum Beispiel selbst geschriebene PASCHi-Lieder, Videos, Fotocollagen und Plakate, Briefe und Postkarten sowie verzierte Stofftaschen, die den Jugendlichen auf einfachem Wege Erfolgserlebnisse verschaffen und ihnen den Austausch mit anderen Deutschlernenden ermöglichen.

Links:

Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH)       

Die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) wurde 2008 vom  Auswärtigen Amt ins Leben gerufen und  unterstützt weltweit mehr als 1800 Partnerschulen bei der Einführung und Ausweitung des Deutschunterrichts. Das Goethe-Institut setzt die Initiative gemeinsam mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und dem Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz um. Mehr Informationen zu PASCH finden sich auf www.goethe.de/pasch und www.pasch-net.de. Die Weltkarte auf der pasch-net Seite zeigt die Lage der weltweit betreuten PASCH-Schulen.

PASCHi-Blog

Auf www.pasch-net.de/paschi können die Handreichungen für den Deutschunterricht heruntergeladen sowie ein Video-Tutorial zum Einsatz der Handpuppe im Unterricht sowie das PASCHi-Gedicht aus der Handreichung als Audio- und Videodatei angesehen oder heruntergeladen werden. Auch alle Berichte, Fotos und Videos der teilnehmenden Schulen werden hier gepostet.

Literatur:

Benkelmann-Zhang: Projektarbeit motiviert nachhaltig – Beschreibung einer besonderen Art der Theaterarbeit in China, Fremdsprache Deutsch Nr. 54, 2016, S. 43-46.
 
Salomo, Dorothé/ Mohr, Imke: DaF für Jugendliche, Deutsch Lehren Lernen, Einheit 10, München: Klett-Langenscheidt, 2016.
 
Wicke, Rainer-E.: Aufgabenorientiertes und projektorientiertes Lernen im DaF-Unterricht: Genese und Entwicklung, iudicium-Verlag, München, 2012.