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Kulturprogramm

Raffael


Raffael   Als Absolvent der Vergleichenden Literaturwissenschaften und der Sinologie liegen meine Interessensschwerpunkte im künstlerischen und vermittelnden Kulturbereich. Um mehr Erfahrung in diesem Bereich zu sammeln, galt es ein einschlägiges Praktikum anzutreten.

Das kulturelle Feld ist groß und weit, doch lässt es sich grob in zwei Bereiche einteilen: Da gibt es diejenigen, die selbst Kultur erzeugen, und dann gibt es diejenigen, die sich mit ihr beschäftigen. Letzteres kann nun in der theoretischen Auseinandersetzung mit ihr geschehen oder aber in der praktischen Vermittlung von selbiger – hier bin ich angesiedelt. Konkret nennt man das im Deutschen wohl Kulturvermittlung, man versucht anderen Menschen Kultur näherzubringen. Die meisten, die in diesem Bereich arbeiten, sind – wenig überraschend – selbst an Kunst beziehungsweise Kultur interessiert. Weniger offensichtlich hingegen, wenn auch erst auf den zweiten Blick, erscheint die Frage: Was hat Kulturvermittlung eigentlich genau mit Kultur zu tun?

Die Kulturvermittlung ist ein zweischneidiges Schwert. So wie sich ein Auto bewerben lässt, ohne es jemals selbst gefahren zu haben, lässt sich auch ein Film oder ein Roman promoten, ohne diesen jemals selbst gesehen beziehungsweise gelesen zu haben. Man könnte behaupten: Die Kulturvermittlung ist genauso ein Geschäft wie jedes andere, und das bedeutet, dass sie ebenfalls, gerade im deutschsprachigen Raum, irgendwo im Irrgarten der Bürokratie verortet werden muss. Das Vermitteln von Kultur speist sich somit also nicht nur aus der Leidenschaft für selbige, der Lust am Lesen und Schauen, Beobachten und Nachdenken, sondern gleichfalls aus dem obligatorischen Masochismus des Papierwälzens, das heißt des Schreibens von Verträgen und Preisvergleichen, des Organisierens von Flugtickets und Hotelbuchungen, des Pflegens von Kontakten mit Künstler*innen aus der ganzen Welt sowie, neben vielem anderen, des buchhalterischen Nihilismus, der letztlich, so der Idealfall, im glückseligen, kulturvermittelnden Kunstveranstaltungs-Nirwana endet. Ist diese finale Existenzebene erst erreicht, so hat sich die Arbeit endlich gelohnt und man versteht wieder, warum man diesen Job eigentlich macht, der Kunst und auch dem Publikum zuliebe.

Dies mag nun etwas zynisch klingen, doch gibt man diesem Teil des Kulturbetriebs eine faire Chance, so wird man merken, so schlimm ist das eigentlich gar nicht. Vor allem nicht, wenn man sich so wie ich dafür entscheidet die Bewerbung beim Goethe-Institut in Peking einzureichen. Werfen wir einen näheren Blick auf das Praktikum:

  • Arbeitsklima: In dem in einer alten Fabrikhalle angesiedelten Großraumbüro herrscht ein subtropisches Arbeitsklima. In arbeitsbelastungstechnischen Regenzeiten kann es mitunter vorkommen, dass ein gelegentlicher Platzregen einsetzt und sich jeder unter seinem eigenen Baum versteckt und den schlimmsten Teil des Tages in gekrümmt abwartender Haltung auf seinem angestammten Platz verbringt, eifrig in die eigenen Tätigkeiten vertieft. Jedoch gibt es auch ausgedehnte Trockenzeiten, während denen die Sonne hoch am Himmel steht, ein entspannterer Tagesrhythmus vorherrscht und alle Kolleg*innen gegen Mittag kollegial zu einem der nahegelegenen Wasserlöcher ziehen.
  • Apropos Kolleg*innen, davon gibt es am Standort 798 etwas über zwei Dutzend. Als Praktikant*in in einer der Abteilungen kommt man nicht mit allen von ihnen gleichermaßen in Berührung, doch lässt sich allgemein sagen, dass der gemeinsame Umgang ein sehr lockerer und das gegenseitige Kennenlernen somit sehr niederschwellig ist. Wer Fragen hat, fragt, wer Bitten hat, fragt ebenfalls. Raubtiere gibt es hier keine, gefressen wird also niemand. Alle gehen gesittet, nach einer Weile sogar freundschaftlich miteinander um.
  • Gestaltung: Nicht jede*r entscheidet sich für die Kulturvermittlung, weil es an eigener Kreativität fürs Künstler*innendasein mangelt. Manche sind auch einfach passionierte Leser*innen. Aber wirklich angenehm ist es doch, wenn jede*r das Praktikum den eigenen Stärken entsprechend mitgestalten kann. Natürlich kann man nicht immer nur die Kirsche vom Kuchen naschen, aber es ist durchaus möglich in der Gestaltung der eigenen Aufgaben auch ein Wörtchen mitzureden.
  • Erfahrung: Praktika machen einen nicht reich. Aber deshalb macht man sie ja auch nicht. Man macht sie, damit der eigene Lebenslauf einen besseren Eindruck hinterlässt und, im Optimalfall, damit man etwas lernt. Idealisten würden wohl sagen, vor allem damit man etwas lernt. Was für ein Glück daher, dass Deutschland das Geburtsland des Idealismus ist (kleiner Scherz am Rande für die Pedant*innen unter euch). Tatsächlich lässt sich nämlich am Goethe-Institut in Peking so manches über die deutsche Bürokratie, die Stellung von ausländischen Institutionen im chinesischen Kulturbetrieb, den Umgang mit Künstler*innen aus aller Welt sowie über die chinesische Musikszene lernen. Neben vielem anderem.
  • Verantwortungsübertragung: Die Daseinsberechtigung von Praktikant*innen liegt nicht in erster Linie im Kaffeekochen. Auch nicht in zweiter, dritter oder vierter. Überhaupt, wer gerne Kaffee trinkt, weiß selbst am besten Bescheid, wie dieser zubereitet werden soll. Keine Angst also, solche Klischees werden hier nicht bedient. Stattdessen kann, sollte man Einsatz und Bereitschaft dazu zeigen, einem sogar, und das gar nicht so selten, eine Aufgabe übertragen werden, die tatsächlich das innere Verantwortungsgefühl auf die Probe stellt. Deren Natur kann ganz unterschiedlich sein. Vielleicht handelt es sich um das händische Weiterdrücken von chinesischen Untertiteln während im Hintergrund ein voller Zuschauersaal auf die Leinwand starrt oder aber ein Künstler fühlt sich bemüßigt in mehreren Metern Höhe eine Reihe von Fensterscheiben kreativ aufzuwerten und muss dabei von der Plattform eines Hubwagens aus gesichert werden. Die Möglichkeiten sind schier endlos.
  • Mittagessen: Dazu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Wer schon einmal die Vielfalt der chinesischen Küche gustieren durfte, weiß, dass für jeden aufgeschlossenen Gaumen etwas dabei ist. Der Standort 798 mit vielen verschiedenen Restaurants in der näheren Umgebung lässt dahingehend glücklicherweise nichts zu wünschen übrig.
Bleibt also nach der Lektüre meiner Ausführungen immer noch die eine Frage offen: „Macht das Sinn?“, so lässt sich diese von meiner Seite kurz und bündig beantworten: Ja. (Für weitere Infos zu den tatsächlichen Tätigkeiten bitte ich darum die Berichte meiner Vor- und Nachgänger zu konsultieren!)

Christoph

Christoph   Umfang und Vorbereitungen

Das Praktikum in der Kulturabteilung des Goethe-Instituts Peking dauert in der Regel drei Monate. Die Arbeitszeit beträgt 40 Stunden pro Woche, Kernarbeitszeiten sind Dienstag bis Samstag 12 bis 18 Uhr. Die Nettoarbeitszeit variiert jedoch stark und ist abhängig von aktuellen Projekten und Veranstaltungen. Das Goethe-Institut Peking gewährt einen monatlichen Zuschuss zu Unterhalts- und Reisekosten in Höhe von 300 Euro. Dieser Zuschuss ist nicht kostendeckend, deswegen sollte vor der Anreise die Finanzierung durchdacht werden. Eine Bewerbung für ein Kurzstipendium für Praktika beim DAAD ist sehr empfehlenswert, da das Goethe-Institut beim Entscheidungsprozess für Stipendien mitwirkt und so ist die Wahrscheinlichkeit auf eine Förderung relativ hoch. Der Bewerbungsprozess erfolgt ausschließlich über ein Online-Formular, das Ende des Bewerbungszeitraums ist 3 Monate vor Beginn des Praktikums. 14 Tage danach werden die Bewerber kontaktiert, ob sie eine Zu- oder Absage haben. Unverzüglich danach sollte man mit Vorbereitungen für das Praktikum beginnen. Wohnunterkünfte werden nicht gestellt oder vermittelt.

Über das Goethe-Institut China

Der Sitz des Goethe-Instituts China befindet sich in Peking und ist auf zwei Gebäude verteilt: Die Bereiche Administration, Sprache und Weiterbildung befinden sich im Haidian-Bezirk, die Bereiche Kulturprogramme, Öffentlichkeitsarbeit und die Online-Redaktion im 798-Kunstbezirk. Die Bibliothek ist auf beide Standorte passend zum jeweiligen Themenschwerpunkt aufgeteilt. Die IT pendelt stets zwischen beiden Orten.

Über die Abteilung Kulturprogramme und meine Aufgaben im Praktikum

Die Abteilung Kulturprogramme befasst sich hauptsächlich mit der logistischen Planung und technischen Umsetzung von Veranstaltungen oder Workshops in den Bereichen Kunst, Film, Musik, Performance/Theater, Literatur und Dialoge. Unter anderem ist sie für das Erstellen von Rechnungen, Verträgen oder Einladungsschreiben, Flug- und Residenzangeboten und deren Vorkontierung und Buchung, sowie für die Besorgung, Wartung und Aufsicht von veranstaltungstechnischem Equipment und Dienstleistung zuständig. Die Abteilung Kulturprogramme arbeitet eng mit den Bereichen PR, der Online-Redaktion, und/oder Netzwerke zusammen.

Mit Ausnahme von Vorkontierungen und Verwaltungsaufgaben, für die Praktikanten in der betriebseigenen Software keine Zugangsdaten haben, wurden mir alle diese Prozesse zumindest kurz vorgestellt. Der größte Teil meiner Arbeitszeit bestand aus redaktioneller Arbeit und Übersetzungen zwischen den Sprachen Deutsch, Englisch und Chinesisch, der schriftlichen Kommunikation mit Gästen und Dienstleistern, Recherchearbeiten, Layout-Gestaltung für temporäre Projektionen in den Räumlichkeiten des Goethe-Instituts und der persönlichen Betreuung von Residenzkünstlern oder Vortragenden. Des Weiteren wurde ich gelegentlich für Einkauf oder Aufbau von Ausstellungsmaterialien, Datenpflege für Ausstellungsprogramm, die Website oder die Alumni-Datenbank und bei der technischen Aufsicht von Veranstaltungen eingesetzt. Außerdem durfte ich an vielen Besprechungen aktiv teilnehmen, sowohl internen als auch mit Künstlern oder Partnern. Unter anderem konnte ich während meines Praktikums bei dem 5. Festival des Deutschen Films aushelfen.

Bezug zum Sinologiestudium und Bewertung des Praktikums

Das Praktikum bewerte ich sehr positiv, vor allem weil ein starker Bezug zum Sinologiestudium vorhanden ist. Ein Großteil der Mitarbeiter aus Deutschland hat einen sinologischen Hintergrund und man bekommt viele Einblicke, wie unterschiedlich ein Werdegang eines Sinologen sein kann. Meine im Studium erlangten Fähigkeiten wurden benutzt und trainiert. So halfen mir die erlernten sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen beim Umgang mit chinesischen Kollegen, Dienstleitern und das Fachwissen zu China bei der Betreuung von internationalen Gästen.

Im Praktikum hatte ich niemals das Gefühl, dass ich als günstige Arbeitskraft für unliebsame Tätigkeiten eingesetzt wurde. Stattdessen konnte ich Verantwortung übernehmen und Vorschläge bei Besprechungen meinerseits wurden bei der Umsetzung von Veranstaltungen berücksichtigt. Zudem wurden meine individuellen Neigungen und Fähigkeiten außerhalb des Studiums mit einbezogen. Da ich bereits über Erfahrungen in der Veranstaltungstechnik verfüge, wurde ich auch verstärkt in diesem Bereich eingesetzt.  Besonders empfehlenswert ist das Praktikum für Studenten, die sich unwohl in konservativen Unternehmensstrukturen fühlen, da die enge Vernetzung der Abteilung mit der internationalen und lokalen künstlerischen Szene eher offene, kreative Mitarbeiter und Gäste anzieht, die eine liberale Arbeitsweise bevorzugen und sich von unstrukturierten Vorgängen, unkonventionellen Mentalitäten nicht abschrecken lassen, solange das Endergebnis sich sehen lässt.


Sprache

Aoyun

Aoyun   Von Anfang September bis Ende November 2018 war ich Praktikantin in der Sprachabteilung des Goethe-Instituts in Peking. Ich studiere Germanistik im vierten Studienjahr an der Pekinger Fremdsprachenuniversität und interessiere mich sehr für deutsche Sprache, Kultur und ein aktuelles Deutschlandbild. Außerdem möchte ich mein Deutsch verbessern. Deswegen habe ich mich für ein Praktikum am Goethe-Institut entschieden.

Das Goethe-Institut Peking am Standort Cyber Tower

Das Goethe-Institut Peking befindet sich an zwei Standorten: im Stadtteil Chaoyang im Kunstviertel 798 und im Stadtteil Haidian im Cyber Tower. Im Cyber Tower, in dem ich gearbeitet habe, sind die Bereiche Deutschkurse und Prüfungen, Bibliothek sowie Service für Deutschlehrende (dazu gehören Bildungskooperation Deutsch und PASCH) untergebracht.

Der Standort Cyber Tower hat für die dortige Arbeit des Goethe-Instituts viele Vorteile. Erstens liegt er am 3. Ring in Peking ganz nah am Stadtzentrum. Zweitens ist der Bezirk Haidian bekannt als Standort vieler Pekinger Hochschulen und Universitäten. In der Nähe vom Cyber Tower befinden sich chinesische Top-Unis wie die Tsinghua-Universität, die Volksuniversität und die Fremdsprachenuniversität. Drittens befindet sich nicht weit entfernt das ''Silicon Valley'' Chinas und man kann viele neue wissenschaftliche und technische Neurungen mitbekommen. Viertens gibt es im Untergeschoss ein großes Einkaufszentrum und in der Nähe noch weitere, in denen man essen und sich während der Mittagspause etwas entspannen kann.

Meine Aufgaben bei der Spracharbeit im Cyber Tower

Im Cyber Tower wurde ich in ein großartiges Arbeitsumsfeld mit spannenden und abwechslungsreichen Tätigkeiten integriert und erhielt einen guten Einblick in die Spracharbeit des Goethe-Instituts. Im Bereich Sprachkurse und Prüfungen habe ich als Unterrichtsassistentin und Aufsichtsperson gearbeitet, was mir einen Überblick ermöglicht hat, wie man mithilfe verschiedener Lehrmethoden auf unterschiedlichen Niveaustufen unterrichtet. Im Bereich Service für Deutschlehrende, insbesondere Bildungskooperation und PASCH, waren meine Aufgaben in drei Bereiche unterteilt:

  1. Erstellung, Überarbeitung und Archivierung von Dokumenten: Diese Arbeit verlangt gute EDV-Kenntnisse (Word, Excel, PowerPoint und Outlook), Sorgfalt und ein Auge für Details.
  2. Recherche und Übersetzungen: Dafür braucht man eine rasche Auffassungsgabe und gute Denk- und Analysekompetenz.
  3. Vorbereitung, Organisation und Durchführung von Veranstaltungen: Ich habe bei der DaF-Konferenz, Chinese Bridge Summercamp, 11. Nationalem Debattierwettbewerb für Germanistikstudierende, Jahrestreffen der Sprachlernzentren und dem 30-jährigen Jubiläum des Goethe-Instituts China mitgearbeitet und war unter anderem zuständig für: Vorbereitung aller erforderlichen Materialien, Abholung, Transport und Betreuung der Teilnehmer, Reservierungen, Aufteilung und Koordination von Freiwilligen usw.
Fazit

Meiner Ansicht nach ist das Praktikum in der Sprachabteilung am Standort Cyber Tower sehr empfehlenswert für zukünftige Deutschlehrkräfte: Durch ein Praktikum kann man hier sowohl Unterricht als auch Fortbildung der Lehrkräfte miterleben. Man kann bei der Organisation und Durchführung von DaF-Veranstaltungen mitwirken, außerdem ist das Team toll und die Arbeitsatmosphäre locker.


Information und Bibliothek

 

Folgt bald!


Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Lucia

Lucia   Ich war von Anfang Februar bis Ende April 2019 Praktikantin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Goethe-Institut China (Peking). Ich bin Studentin der Translationswissenschaft mit Fachsprache Chinesisch (M.A.) und habe davor Sinologie und Germanistik (B.A.) studiert.

Das Goethe-Institut in 798

Das Goethe-Institut China befindet sich an zwei Standorten in Peking: im Stadtbezirk Haidian sowie im 798 Art District (Stadtteil Chaoyang). Die Mitarbeiter*innen des Bereichs Kultur und Information, dazu zählt die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, arbeiten in Chaoyang. Der 798 Art District ist, wie der Name schon verrät, ein Ort, an dem es  Kunst- und Kulturinteressierten nicht langweilig wird: Er befindet sich auf einem ehemaligen Fabrikgelände und besteht aus vielen großen und kleinen Galerien, Ateliers, Boutiquen, Ausstellungsräumen und Museen. Das Goethe-Institut hat sich in einem ehemaligen Fabrikgebäude im Bauhausstil niedergelassen – die hell, offen und modern gestalteten Räumlichkeiten bieten gemeinsam mit der für verschiedenste Veranstaltungen wie beispielsweise Tanz-, Musik- oder Theaterperformances, Filmvorführungen, Vorträge oder Diskussionsrunden genutzten Bühne eine besondere Arbeitsatmosphäre. Im so genannten Grey Cube werden temporär Installationen oder Ausstellungen gezeigt und die Bibliothek bietet (Fach-)Literatur mit Schwerpunkt Kunst und Kultur. Das Goethe-Institut hat von Dienstag bis Sonntag für Publikum geöffnet – insbesondere an den Wochenenden finden meist Veranstaltungen statt.

Meine Aufgaben in der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Grundsätzlich arbeitet man als Praktikant*in 798 von Dienstag bis Samstag, acht Stunden täglich plus eine Stunde Mittagspause. Es kann durchaus vorkommen, dass man sonntags auch einmal bei der Durchführung einer Veranstaltung aushilft, aber gleichzeitig wird darauf geachtet, dass die Arbeitszeit einigermaßen ausgeglichen ist und die Mitarbeiter*innen auch selbst etwas von den Veranstaltungen mitbekommen können. Thematisch ist das Kulturprogramm sehr vielfältig aufgestellt – es ist eigentlich für jeden etwas dabei. Meine Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit bestanden unter anderem in der Arbeit mit dem Content-Management-System (der Eintragung von Veranstaltungsankündigungen und Artikeln in die GI-Website), der Vorbereitung von WeChat-Posts, dem so genannten Presseclipping nach Veranstaltungen mit medialer Resonanz sowie der Unterstützung bei der Erstellung des Newsletters, der monatlich erscheinenden Programmkalender sowie einer Programmbroschüre für ein anstehendes Event. Einen großen Teil meiner Arbeit machten dabei das Korrekturlesen, Umformulieren und Überarbeiten von Texten und Untertiteln für Filmscreenings, auch Verfassen eigener Texte und vor allem das Übersetzen unterschiedlichster Textsorten (DE, EN, CH, FR) aus.

Fazit

Ich habe eine spannende und vielseitige Zeit im Goethe-Institut in 798 verbracht – das lag vor allem an der angenehmen Arbeitsumgebung, den freundlichen, hilfsbereiten Kolleg*innen und dem rücksichts- und respektvollen Umgang am Arbeitsplatz. Ich bin gern zur Arbeit gegangen – natürlich gibt es auch Aufgaben, die nicht nur spannend und spaßig sind, aber die Aufgaben, die ich zu erledigen hatte, haben mich größtenteils gefordert und gefördert. Ich habe sehr viel Neues gelernt und hatte das Gefühl, dass auf meine Fähigkeiten und Interessen eingegangen wird. Dass ich so viel übersetzen konnte und durfte, wird mir für meinen weiteren Studien- und Berufsweg sicherlich nützlich sein – dabei hatte ich auch die Gelegenheit, zur Übung ins Chinesische zu übersetzen, obwohl die Ergebnisse natürlich zusätzlich von Muttersprachler*innen bearbeitet werden mussten. Ich habe mich immer ernst genommen und insbesondere bei der Gestaltung von Texten mit einbezogen gefühlt. Wenn man offen und neugierig ist, vor kleinen Herausforderungen nicht zurückschreckt, sich für Kunst und Kultur begeistern kann und sich in einem chinesischsprachigen Arbeits- und Lebensumfeld ausprobieren möchte, kann man sehr viel aus der Praktikumszeit im Goethe-Institut mitnehmen.


Online-Redaktion

Deborah

Deborah   „Um von etwas Abschied nehmen zu können, muss man ihm auf eine Weise entgegentreten, die inneren Abstand schafft. Man muss die unausgesprochene, diffuse Selbstverständlichkeit, mit der es einen umfangen hat, in eine Klarheit verwandeln, die erkennen lässt, was es bedeutet.” So formuliert es Pascal Mercier, der Schweizer Autor des Buchs Nachtzug nach Lissabon, das man übrigens auch in der Bibliothek des Goethe-Instituts China finden kann.

Um von Hamburg aus zu meinem Praktikumsplatz in Peking zu gelangen, nahm ich aber natürlich keinen Zug, sondern den Flieger. Mein Aufenthalt in China dauerte zwei Monate, eine Zeit, in der ich vom Goethe-Institut ermutigt in meiner Freizeit mein Umfeld bereisen und erkunden konnte, so sehr es mir möglich war.

Die Arbeit im Institut selbst wurde durch andere Praktikanten schon auf vielfältige Weise dokumentiert, weshalb ich gerne vor allem die Erfahrungen betrachten und reflektieren möchte, die ich außerhalb des Instituts machen konnte. Sie machen für mich einen ebenso wichtigen Teil des Praktikums aus.

Als ich im Juni nach China flog, war es mein erster Besuch des großen Landes und trotz zweijährigem Chinesisch-Unterricht an der Universität war ich eher unkundig, was Geschichte, Kultur und Alltagsleben betrifft.

Zwar ist China ein Land, das mit Klischees aller Art belegt ist, von der Etikettierung „Made in China“ über unsere Vorstellung des chinesischen Essens bis zu den täglichen Nachrichten über Handel, Wirtschaft, Luftverschmutzung, die Anwendung neuer Technologien und Menschenrechtsfragen. Aber ich finde, diese Vorstellungen berühren das tägliche Leben nicht genug.

Geprägt durch meine große Reiseerfahrung habe ich mich den neuen Lebensumständen ab dem ersten Tag ohne Zögern und mit wenigen Ausnahmen angepasst. Sie haben mich tatsächlich mit einer Art diffusen Selbstverständlichkeit umfangen. Trotzdem gab es Unzähliges, das mich überrascht hat und von dem ich nun mit etwas Abstand berichten kann.

Meine Unterkunft fand ich über Airbnb bei einem äußerst hilfsbereiten und gastfreundlichen Chinesen. Von Anfang an wurde ich den Freunden und Arbeitskollegen und sogar der Familie meines Mitbewohners vorgestellt, ging mit ihnen essen, spielte mit ihnen Gesellschaftsspiele, aber auch Badminton und Fußball. In China geht man viel öfter mit Freunden aus als in Deutschland. Man bestellt sich meist verschiedene Gerichte, die geteilt werden. (Von Innereien, Hirn und Hühnerfüßen war alles dabei; Skorpione und andere ''Spezialitäten'', von denen man mal so hört, habe ich auf den Speisekarten, zumindest in Peking, jedoch nicht gesehen.) Das häufige Zusammenkommen hat mir sehr gefallen. Alle waren hilfsbereit, freundlich und an der deutschen Kultur interessiert, auch wenn auf chinesischer Seite einige Vorurteile vorhanden waren. Noch nie habe ich mich so oft über deutsche Autos unterhalten. Die Brett- und Kartenspiele scheinen ein absoluter Lieblingszeitvertreib in Peking zu sein, nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch öffentlich, meist in kleinen Grüppchen in den Parks. Ebenfalls in Parks treffen sich morgens und abends, verschont von der Hitze des Tages, Jung und Alt zum Tanz.

Die vielen Parks mit ihren unzähligen Seen und Seerosen liegen wie Oasen, wie Ruhepunkte, in den modernen, lauten Mega-Citys. Denn auch das ist China: groß und extravagant. Schon in meinen ersten Tagen im Zentrum Pekings war ich von der Anzahl und Gigantomanie der mit Designerläden gefüllten Einkaufszentren beeindruckt. Keine Spur von „Made in China“ bei vielen urbanen Chinesen: Sie tragen Markenkleidung, zeigen sich selbstbewusst und stylisch auf der Straße. Die billigen Dior- und Louis-Vuitton-Kopien gibt es nur in bestimmten Vierteln. Die Stadt investiert außerdem in Fahrradwege. Nirgendwo anders habe ich so viele Fahrradfahrer gesehen und es ihnen sofort nachgetan. Über verschiedenste Apps kann man auf jeder Straße Fahrräder ausleihen. Noch deutlicher wurde mir die moderne Seite Chinas in Shanghai. Dort tummelte ich mich mit Abertausenden chinesischen und auch ausländischen Touristen (von denen waren in Peking relativ wenige zu sehen) am „Bund“, um bei Sonnenuntergang die atemberaubende Skyline zu fotografieren.

Und doch, noch am Morgen zuvor war ich durch den bekannten Park am People‘s Square über einen Heiratsmarkt gelaufen. Der Park war voller Schirme, jeder Schirm repräsentierte einen jungen heiratsfähigen Mann oder eine junge Frau.

Das China vor der Modernisierung des 21. Jahrhunderts ist selbst in den großen Städten noch immer vorhanden. Gepflegt wird es natürlich in Museen. Trotz Kulturrevolution ist Peking noch immer reich an Tempeln und die chinesische Mauer ist nicht weit. Die historischste Stadt, die ich besucht habe, war Xi’an. Deutlich kleiner als Peking, aber voll von Sehenswürdigkeiten, Parks, Farben und Lebensfreude. Es ist kein Zufall, dass die chinesische Serie Der längste Tag in Chang’an die chinesischen Massen verzaubert, denn Xi’an, ehemals Chang’an, liegt nicht nur nahe der weltberühmten Ausgrabungsstätte der Terrakotta-Armee der Qin-Dynastie, sondern besitzt auch heute noch die am besten erhaltene mittelalterliche Stadtmauer Chinas, die älteste Moschee des Landes, eine Pagode aus dem Jahr 652 und vieles mehr. Nach Einbruch der Dunkelheit ist viel los auf den Nachtmärkten; die Stadt wird in Licht- und Wasserspiele getaucht.

Ein Schnellzug verbindet diese Stadt mit Peking. Innerhalb von fünf Stunden kommt man von der ehemaligen Hauptstadt in die heutige. Es geht aber auch anders. Für den halben Preis habe ich den 15-stündigen Nachtzug zurück nach Peking genommen – und wurde wieder positiv überrascht. Zwar gibt es im Zug keine Abteile mit Türen, alle Betten liegen einfach direkt am Gang, trotzdem habe ich noch nie so gut auf einer Nachtfahrt geschlafen. Um Punkt 22 Uhr wurde das Licht ausgeschaltet und es herrschte Stille bis zum nächsten Morgen, als ich durch ein leichtes Tippen auf den Fuß von den Schaffnern geweckt wurde.

Diese Disziplin lässt sich genauso in den Schnellzügen beobachten. Und auch in der Metro stellt man sich in zwei Schlangen links und rechts von den Türen geordnet an, um in den Zug einzusteigen. Ordnung und Sicherheit haben allerdings einen Preis und sind Teil eines Systems, das mir als Deutsche fremd blieb. Insbesondere in Peking wird man überall, wie bei uns am Flughafen, manchmal strenger, manchmal weniger streng kontrolliert: beim Eintritt in jede Metrostation, jedes Museums und an Bahnhöfen teilweise mehrfach. Sprays aller Art, Deo zum Beispiel, sind verboten; Flüssigkeiten werden kontrolliert. Das ist nicht nur nervig, sondern auch ein Zeitverlust und sowohl beruhigend als auch beunruhigend.

Zudem ist die Internetbenutzung ohne Apps, mit denen man die Internetsperren umgehen kann, und ohne Chinesischkenntnisse ungewohnt. Was mir allerdings am hinderlichsten war, war das Zahlungssystem. In Deutschland zahlt man, im Unterschied zu vielen anderen europäischen Ländern, noch sehr oft mit Bargeld, manchmal mit Karte. In China hingegen zahlt man über Apps, beispielsweise über WeChat oder Alipay. Kreditkarten, vor allem ausländische, werden kaum angenommen und Bargeldzahlung ist in einigen Situationen schon schwierig geworden. Wer kein chinesisches Konto hat und bei dem das Zahlen über die Apps daher deaktiviert ist, hat es deutlich schwerer Reservierungen durchzuführen und schnell und komfortabel zu bezahlen. Möglich war es mir aber trotzdem, vor allem dank der Hilfe meines Mitbewohners.

Am Wochenende vor meinem Rückflug lud mich dieser noch auf eine chinesische Hochzeit in Tianjin ein. Die Braut trug sowohl traditionelle Kleider als auch moderne westliche Outfits. Es wurde nicht nur eine Teezeremonie mit eingebunden, sondern auch ein enormer Aufwand mit modernster Technik getrieben samt Lichtshow, Animationen und Bildschirmen an Wänden und Decke, über die fliegende Schmetterlinge projiziert wurden. Die Hochzeit steht für mich daher nicht nur am Ende meines Aufenthaltes, sondern repräsentiert in gewisser Weise auch das China, was ich kennengelernt habe: eine Vermischung von Tradition und Moderne, vertraut und befremdlich zugleich.

Yue Cheng

Yue Cheng
 

Julia

Julia   Ich war von Mai bis Juli 2018 Praktikantin in der Online-Redaktion des Goethe-Instituts in Peking. Ich studiere eigentlich Nordamerikastudien mit Fokus auf Politik und Gesellschaft, interessiere mich aber sehr für China und habe mich deshalb während eines Auslandssemesters hauptsächlich mit internationalen Beziehungen mit Fokus auf Ostasien beschäftigt. Als Nebenfach lerne ich in meinem Bachelor-Studium außerdem Chinesisch.

Das Goethe-Institut Peking

Das Goethe-Institut Peking liegt im Stadtteil Chaoyang im Kunstviertel 798. Dieses ist auf dem weitläufigen Gelände eines ehemaligen Fabrikkomplexes angesiedelt und so sind viele der Gebäude sehr offen und geräumig. So auch das Goethe-Institut, das in einem ehemaligen Fabrikgebäude im Bauhaus-Stil untergebracht ist. In diesem Teil des Instituts sind die Bereiche Kulturprogramm, Öffentlichkeitsarbeit, der Bereich für Information und Bibliothek und die Online-Redaktion untergebracht. Neben dem Institut in Chaoyang gibt es noch den Standort im Cyber Tower im Stadtteil Haidian. Hier sind der Bereich für Sprache und die Koordination für PASCH (Schulen: Partner der Zukunft) untergebracht. Auch hier gibt es eine Bibliothek, die sich aber hauptsächlich mit der deutschen Sprache beschäftigt. Hier finden auch alle vom Goethe-Institut angebotenen Deutschkurse statt.

Eine Woche beim Goethe-Institut

Eine typische Woche im Goethe-Institut am Standort 798 geht von Dienstag bis Samstag. Am Dienstag startet der Tag mit einer Wochensitzung, bei der alle Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedenen Bereichen zusammenkommen und besprechen, was in der letzten Woche passiert ist und was es in der nächsten Woche, oder auch darüber hinaus, in den jeweiligen Bereichen zu tun gibt. Außerdem werden Projekte besprochen und Ideen ausgetauscht. Am Samstag gibt es oft Veranstaltungen, die von Vorträgen mit anschließenden Diskussionen, zum Beispiel mit Übersetzern oder Autoren, über Theater-Performances bis zu Film-Screenings reichen und viel Abwechslung bieten. Diese kann man als Praktikant auch miterleben. Der Veranstaltungsraum mit Bühne befindet sich gleich neben dem Büro. Im Institut wird auf Gleitzeit gearbeitet, man kann sich also aussuchen, wann man anfängt und wann man Feierabend macht, solange man seine Stunden abliefert und in den Stoßzeiten da ist, was ich sehr angenehm fand. Die Atmosphäre im Büro ist meist sehr entspannt, was vor allem daran liegt, dass die Kollegen sehr freundlich und hilfsbereit sind, vor allem wenn man sich am Anfang erst einmal einfinden muss. Es hilft auch, dass das Büro sehr offen und durch die großen Fenster sehr hell gehalten ist.

Meine Aufgaben bei der Online-Redaktion

Ein wichtiger Teil der Arbeit in der Online-Redaktion ist die Benutzung des Content-Management-Systems, womit die Website verwaltet und bearbeitet wird. Gleich am Anfang habe ich eine Einführung ins CMS bekommen. Die Benutzung des CMS und damit die Verwaltung und Bearbeitung der Webseite sind eine der Aufgaben, mit der ich als Praktikant betraut war. Das heißt zum Beispiel das Eintragen von Artikeln oder Ankündigungen. An manchen Tagen gab es auch Artikel, die von mir erst redigiert werden mussten, ab und zu habe ich auch an Übersetzungen von Deutsch zu Englisch oder andersrum gearbeitet.

In meiner Zeit als Praktikantin haben wir auch Video-Projekte vorbereitet und umgesetzt. Wir produzierten ein kleines Werbevideo für das neue Super-Gadget des Instituts, den Digi-Stift. Zu der Zeit hatten wir außerdem zwei Künstler zu Gast am Institut, welche am Residenzprogramm für Darstellende Kunst teilnahmen. Die beiden arbeiteten an ihrem Projekt Me+Beijing, das sie am Ende ihres Residenzprogramms präsentieren wollten. Das Projekt war eine Form von interaktivem Theater, bei dem der Zuschauer die Rolle eines Protagonisten im Gründungsmythos Pekings einnahm und dadurch die Geschichte aus einer ganz eigenen Perspektive erleben konnte (mehr dazu findet ihr auch auf der Goethe-Webseite). Die Kollegen der Online-Redaktion und ich bereiteten ein Interview für die Interview-Reihe Zu Gast vor und führten dieses auch durch. Ich war auch mit einem großen Teil des Videoschnitts für dieses Projekt betraut, wodurch ich mich auch gut in das Schnittprogramm DaVinci Resolve einarbeiten konnte. Darüber hinaus hatte ich auch die Möglichkeit, die Sprachabteilung im Cyber Tower kennenzulernen. Ich nahm an deren Wochenbesprechung teil, wurde in die PASCH-Arbeit eingeführt und bekam Einblicke in einen Sprachkurs.

Fazit

Insgesamt war ich mit meinem Praktikum am Goethe-Institut Peking sehr zufrieden und habe meine Zeit dort sehr genossen. Meine Aufgaben dort fand ich spannend und abwechslungsreich und ich hatte auch das Gefühl, mich einbringen zu können und von den Kollegen ernstgenommen zu werden, was als Praktikant ja nicht immer selbstverständlich ist. Auch fand ich die Arbeitsatmosphäre sehr angenehm und ich kann sagen, dass mir die Zusammenarbeit, besonders mit den Kollegen der Online-Redaktion, sehr viel Spaß gemacht hat.
 

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