Musiklos (I)

Musiklos (I) © Xie Fei

Sa, 21.04.2018 -
So, 22.04.2018

Goethe-Institut Peking in „798”

Veranstalter: Goethe-Institut China, Subjam
Partner: Luxemburgische Botschaft in Peking
Ort: Goethe-Institut China (Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District, Beijing)
Eintritt frei


Dokumentarfilm „Blue for a Moment“ mit anschließender Diskussion

Zeit: 21.04.2018, 14:00 - 17:00
Gäste: Antoine Prum (Regie), Sven-Åke Johansson (Musiker, Protagonist des Films)
Moderation: Yan Jun (Kurator der Veranstaltung)
Sprache: Chinesisch, Englisch

Musiklos: Composing Improvisation
Zeit: 22.04.2018, 16:00 - 18:00
Mit: Sven-Åke Johansson, Axel Dörner, Soviet Pop, Beijing Impro Committee, Yan Yulong

„Wir möchten den Klang der Moderne hören, diese Tatsache beweist der moderne Mensch auf seine eigen Weise. Ist die heutige Welt schon so schnell und undurchdringbar, dann sollte in ihr doch zumindest unsere Verblüffung widerhallen.“ (Yan Jun)

In Kooperation mit Subjam startet das Goethe-Institut China im April 2018 eine neue Veranstaltungsreihe. Unter dem Titel „Musiklos“ zielt die Serie darauf ab, festgefahrene Muster und Konzepte bei der Wahrnehmung von künstlerischen Arbeiten zu öffnen, und unmittelbaren Zugang zu den Arbeiten, sei es ein Stück Musik, sei es Klang oder visuelles Kunstwerk, zu ermöglichen.

Der Auftakt von „Musiklos“ besteht aus zwei Veranstaltungen: Am 21. April wird der Dokumentarfilm „Blue for a Moment“ gezeigt, am 22. April folgt ein „Musiklos“-Konzert mit dem Titel „Composing Improvisation“.

„Blue for a Moment“ in der Regie des luxemburgischen Regisseurs Antoine Prum widmet sich der künstlerischen Laufbahn des schwedischen Jazzmusikers, Avantgarde-Komponisten, Dichters und bildenden Künstlers Sven-Åke Johansson, einer der singulärsten und spannendsten Figuren der europäiscdhen Improvisationsmusik. Unter dem Einfluss der experimentellen und antikonformistischen Methoden des Fluxus betrieb Johansson schon früh die Dekonstruktion seiner eigenen Praxis als Free-Jazz-Schlagzeuger. Indem er das libertäre Prinzip der freien Musik in andere künstlerische Felder überträgt und abwechselnd in die Rolle des Performancekünstlers, Interpreten, bildenden Künstlers, Dichters und Komponisten schlüpft, lässt er den Jazz-Schlagzeuger als Grenzgänger zwischen den Medien und den Genres zum Gesamtkunstwerk werden. Der Film stellt auch einige wichtige Figuren der Free-Jazz- und Improvisationsszene in Europa vor, u.a. Peter Brötzmann, Axel Dörner und Alexander von Schlippenbach. Im Anschluss an die Filmvorführung treten Antoine Prum und Sven-Åke Johansson mit dem Publikum ins Gespräch.

Am Abend des 22. April haben Besucherinnen und Besucher dann die rare Gelegenheit, selbst ein Improvisationskonzert von Sven-Åke Johansson und Axel Dörner zu hören, das gemeinsam mit den Musikerinnen und Musiker des Beijing Impro Committee im Goethe-Institut Peking aufgeführt wird.
Kurator der Veranstaltungsserie „Musiklos“ ist der in Peking ansässige Poet und Musiker Yan Jun.


Dokumentarfilm
Blue for a Moment -
Sven-Åke Johansson in einem Film von Antoine Prum


Sven-Åke Johansson
Luxemburg, 2017, 82 Min.
Deutsch mit englischen und chinesischen Untertiteln
Mit: Peter Ablinger, Burkhard Beins, Peter Brötzmann, Nicholas Bussmann, Rüdiger Carl, Axel Dörner, Norbert Eisbrenner, Aris Fioretos, Thomas Millroth, Andrea Neumann, Alexander von Schlippenbach u.v.m.

Sven-Åke Johansson, geboren 1943 in Mariestad, lebt seit den späten 1960er Jahren in Berlin und ist dort in den unterschiedlichsten musikalisch-künstlerischen Kontexten aktiv. Erste Auftritte finden 1967/68 im Umfeld des Zodiak Free Arts Lab am Halleschen Ufer statt, wo junge experimentierfreudige Musiker und Kunststudenten die Grenzen zwischen den Genres ausloten. In den 1970er und 80er Jahren ist Johansson ein fester Bestandteil der Westberliner Freejazz-Szene, die sich um das FMP/SÅJ-Label gruppiert. Er pflegt langjährige musikalische Freundschaften mit Alexander von Schlippenbach und Rüdiger Carl und „entwickelt sein Konzept einer Geräuschmusik mit der er zum Vorreiter der sogenannten Echtzeitmusik wird, die im Ostteil Berlins nach 1990 im Feld zwischen Hausbesetzungen,
freier Improvisation, Punk und Neuer Musik ensteht“ (Wolfgang Müller). In seinen musikalischen Darbietungen und Kompositionen erforscht Johansson die Relikte des Modernismus der 1950er und 60er Jahre, oftmals unter Einsatz von „billigen“ Materialien wie Karton oder Schaumstoff. Der österreichische Komponist Peter Ablinger spricht diesbezüglich von einer musica povera, in Anlehnung an die Arte povera der 1960er Jahre, die alltägliche Gegenstände zur Kunst erhob und bevorzugt mit unkonventionellen oder „armen“ Materialien arbeitete…

„Blue for a Moment“ ist der letzte Teil einer Filmtrilogie, die der Luxemburger Filmemacher Antoine Prum der freien Improvisationsmusik gewidmet hat. Antoine Prum, geboren 1963 in Luxemburg-Stadt, ist ein luxemburgischer Maler, Konzeptkünstler und Filmregisseur. 1990 erhielt er den Prix d'encouragement aux jeunes artistes (Nachwuchspreis für junge Künstler) des Cercle artistique de Luxembourg (Künstlerischer Kreis von Luxemburg). Im Jahr 2005 vertrat er Luxemburg auf der Biennale in Venedig.

Weitere Musikerinnen und Musiker

Axel Dörner
Axel Dörner, Still aus „Blue for a Moment“

Axel Dörner wurde 1964 in Köln geboren. Er gehört zu den einzigartigsten Stimmen in der Szene freier Improvisation. Allein für die Trompete entwickelte er in den späten 1990ern eine eigene, distinktive Spielweise. Die meisten Ensembles, denen er angehört, werden von einer nicht-hierarchischen Kollaboration der involvierten Musiker charakterisiert. Er arbeitet mit diversen Künstlern, darunter auch Alexander von Schlippenbach und Sven-Åke Johansson. Seine Trio-Projekte involvieren „Contest of Pleasures” (mit John Butcher und Xavier Charles), „TOOT“ (mit Phil Minton und Thomas Lehn) und die Zusammenarbeit mit Paul Lovens und Kevin Drumm. Seit 2002 arbeitet er in Kooperation mit Sukandar Kartadinata an einer elektronischen Erweiterung seiner Trompetenstücke.

Foto/Copyright: Gao Xiaotao
Foto/Copyright: Gao Xiaotao

Das Beijing Impro Committee (Li Qing, Li Weisi, Ake, Yan Yulong, Zhu Wenbo, Zhao Cong und Yan Jun) ist eine improvisierende Musikgruppe in autonomer Konstellation. Vor jedem Auftritt setzt die Gruppe einen neuen Namen vor „Impro Committee“, was den individuellen Charakter und die wechselnde Gestalt der Projekte unterstreicht. Seit 2011 traten die Künstler mehrfach in Form von improvisierten Stücken, experimentellen Kompositionen, ortspezifischen Arbeiten und Musikstücken mit verschiedenen Künstlern und Kombinationen auf.

Soviet Pop ist ein analoges Synthesizer- und Elektronik-Duo, das aus Li Qing und Li Weisi besteht.

Yan Yulong, geboren 1989 in Harbin, lebt in Peking. Als Frontmann der Neo-Psycho-Rockband Chui Wan ist er in der jungen chinesischen Rock-, Experimental- und Improvisationsszene aktiv. Er arbeitet mit verschiedenen Musikerinnen, Tänzern, Komponistinnen und Theatern zusammen. Seine Soloarbeiten sind meist Violinimprovisationen. Anfangs machte er Drone-Musik, Minimalismus und psychodelische Musik, ist aber nicht darauf beschränkt.

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