Philosophie VITA ACTIVA
Hannah Arendts politisches Denken

 ©Goethe-Institut

19.01.2015 19:00 Uhr

Page One Bookshop (1-2F, Taikoo Li Sanlitun,No.19 Sanlitun Road, Chaoyang District, Peking)

Veranstalter: Goethe-Institut China, Page One,  Social Sciences Academic Press
Sprecher: Wolfgang Heuer, Chen Wei
Moderatorin: Wang Ge 
 
„Der Sinn von Politik ist Freiheit."
„Menschen, die nicht denken, sind wie Schlafwandler.“
„Niemand hat das Recht, zu gehorchen.“
„Unter der Herrschaft eines Tyrannen ist es leichter zu handeln als zu denken.“
„Vergebung ist der Schlüssel zu Tat und Freiheit.“
– Hannah Arendt
 
Es scheint, dass Hannah Arendt (1906-1975) heute stärker im öffentlichen Diskurs präsent ist als in ihren letzten Lebensjahren.
 
Hannah Arendt wurde 1906 in Hannover als einzige Tochter assimilierter Juden geboren. Ab 1924 studierte sie in Marburg Philosophie unter anderem bei den bekannten Philosophen Nicolai Hartmann und Martin Heidegger, mit dem sie eine kurze Liaison verband. 1933 musste sie das nationalsozialistische Deutschland verlassen. Über Frankreich landete sie schließlich 1941 in den USA. Sie war staatenlos, bis sie 1951 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Zwischen 1950 bis 1974 entstanden ihre wichtigsten politisch-theoretischen Bücher, u.a. „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, „Eichmann in Jerusalem“, „Vita activa“, „Das Leben des Geistes“. 1975 starb sie in New York.
 
Der Schwerpunkt dieser deutsch-amerikanischen Philosophin war wohl immer die politische Philosophie. In ihren theoretischen Schriften hat sie die Bedeutung einer kritischen Öffentlichkeit und der politischen Dissidenz für die Demokratie betont. Ihre öffentlichen Stellungnahmen zu politischen Ereignissen waren häufig unter Gegnern, aber auch unten Freunden umstritten. Als ihr politisches Hauptwerk gilt wohl das 1951 erschienene sogenannte „Totalitarismusbuch“ - „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, für das sie große Aufmerksamkeit in Deutschland erhielt. „Vita activa oder Vom tätigen Leben“(1958) ist ihr philosophisches Hauptwerk.
 
In den letzten zwei Jahren hat die Rezeption der Werke von Hannah Arendt in China stark zugenommen. Ihre Publikationen „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, „Crises of the Republic“ und „Responsibility and Judgment“ erschienen in chinesischer Version und wurden immer wieder nachgedruckt. Der Film „Hannah Arendt“ stieß auf großes Interesse auf dem „Shanghai Filmfestival 2013“ und dem „1. Festival des Deutschen Films“ in China. Vor diesem Hintergrund fördert das Goethe-Institut China die chinesische Übersetzung des „Arendt-Handbuchs“, herausgegeben von den Berliner Politikwissenschaftlern Wolfgang Heuer, Bernd Heiter und Stefanie Rosenmüller. Das Buch wird Anfang 2015 im Social Sciences Academic Press (China) Verlag erscheinen.
 
Das Handbuch zeigt auf, welche philosophischen, politischen und literarischen Kontexte Hannah Arendts Denken geprägt haben. Es präsentiert Biografie, zeitgenössische Bezüge, wichtige Werke, deren internationale Rezeption in vielen Disziplinen und erklärt zentrale Begriffe und Konzepte des Gesamtwerkes.
 
Anlässlich des Erscheinens dieser Publikation lädt das Goethe-Institut China Wolfgang Heuer, einen der Autoren des Buches nach China ein. Wolfgang Heuer ist neben seiner Lehrtätigkeit in Berlin auch verantwortlicher Redakteur der HannahArendt.net - Zeitschrift für politisches Denken, einem internationalen Kommunikationsnetz der Forschungen über Hannah Arendt.
 
Im Gespräch mit dem chinesischen Arendt-Experten Chen Wei am 19. Januar 2015 wird Wolfgang Heuer über das Leben, die Werke und Wirkung der einflussreichen politischen Philosophin diskutieren:  Warum lesen wir heute immer noch Hannah Arendt? Welche Relevanz besitzen ihre Aussagen in unterschiedlichen kulturellen Kontexten?  Anhand Arendts These einer „Vita activa", eines tätigen politischen Lebens, wird das Gespräch Fragen beantworten und neu stellen.
 
Chen Wei publiziert – und übersetzte bereits – zu Hannah Arendt und westlicher politischer Philosophie. Er promovierte an der Peking Universität, lehrt an der Renmin Universität China und im Rahmen einer Gastprofessur in Nürnberg. Zu seinen Hauptwerken zählt „Hannah Arendt and the Recovery of the Political“. "

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