Lesung & Diskussion Dichter übersetzen Dichter

Dichter übersetzen Dichter Dichter übersetzen Dichter

So, 24.09.2017 -
Do, 28.09.2017

Goethe-Institut Peking in „798”

Goethe-Institut China
Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District
Beijing

Veranstalter: Goethe-Institut China
Zeit: 24.09.2017, 28.09.2017
Ort: Peking, Nanjing
Sprache: Chinesisch und Deutsch
Eintritt frei


Die Lyrikübersetzung ist die anspruchsvollste Form der Übersetzung unter allen literarischen Gattungen. Der Reichtum an rhetorischen Mitteln in der Dichtungen und die besonderen Anforderungen durch Rhythmus un bildliche Sprache machen die Übersetzung zu einer besonderen Herausforderung. Ein Dichter sagte einmal, dass die Poesie das ist, was bei der Übersetzung verloren geht: die ästhetischen Eindrücke der Sprache, tieferliegende Bedeutungen, die sich erst aus dem Kontext erschließen, sowie der Rhythmus des gelesenen Gedichts lassen sich nur schwer in eine andere Sprache übertragen. Zugleich ist die Übersetzung ein wichtiger Weg, um die literarischen Wirkungskreise der Poesie zu erweitern und um Menschen verschiedener Kulturen und Sprachen in Kontakt zu bringen. „Dichter übersetzen Dichter“ ist der Versuch, sich dieser Herausforderung zu stellen. Ein guter Lyrikübersetzer sollte selbst ein Dichter sein.
 
Das Goethe-Institut China lädt fünf zeitgenössische Dichterinnen und Dichter aus Deutschland und acht aus China ein zu diesem Versuch ein. Sie werden jeweils ein Werk aus der anderen Gruppe in ihre eigene Sprache übersetzen und in einem Übersetzungsworkshop face-to-face ihre Übersetzungen diskutieren. Die Ergebnisse stellen sie in einer öffentlichen Lesung vor, bei der sie auch über ihre Erlebnisse bei der Übersetzung und über die Herausforderungen der Lyrikübersetzung sprechen.
 
Die Veranstaltungen finden in Peking und Nanjing statt.
 
Programm
Station Peking
Zeit: 24.09.2017, 15:00 – 17:00
Teilnehmende Gäste: Ann Cotten, Dai Weina, Dirk von Petersdorff, Jan Wagner, Jiang Tao, Lea Schneider, Steffen Popp, Tang Xiaodu, Yang Lian, Zang Di
Moderation: Yang Lian
Ort: Goethe-Institut China
Sprache: Deutsch, Chinesisch
Eintritt frei

Station Nanjing
Zeit: 28.09.2017, 19:00 – 21:00
Teilnehmende Gäste: Ann Cotten, Jan Wagner, Lea Schneider, Liu Chang, Liu Ligan, Steffen Popp, Yang Lian, Zhu Zhu
Moderation: Yang Lian
Ort: Librairie Avant Garde Wutaishan Store Nanjing (No. 173, Wu Tai Shan Ti Yu Guan, Guangzhou Road, Nanjing)
Sprache: Deutsch, Chinesisch
Eintritt frei
 
Über die Dichterinnen und Dichter
Ann Cotten wuchs in Wien auf und lebt nun in Berlin. Ihre Werke umfassen
Poesie und Prosa, eines ihrer zuletzt erschienenen Werke „Jikiketsugaki. Tsurezuregusa“ (2017) besteht aus Texten, die bei der Entwicklung von mnemotechnischen Gedichten zu japanischen Kanji entstanden sind. Ebenfalls vor kurzem erschienen sind ihr Gedicht „Verbrannt“ (2016) und die englischsprachige Sammlung „Lather in Heaven“ (2016).

Dirk von Petersdorff ist Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Friedrich-Schiller Universität in Jena. Er wurde u.a. mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet und war Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin, Writer-in-residence an der Washington University und hielt, mit Hans Magnus Enzensberger, die Tübinger Poetik-Vorlesung. Zuletzt von ihm erschienen sind „Nimm den langen Weg nach Hause“(2010) und „Sirenenpop“(2014), sowie sein literaturwissenschaftliches Buch „In der Bar zum Krokodil. Lieder und Songs als Gedicht“.

Dai Weina ist Dichterin, Autorin, Übersetzerin und unterrichtet an der Duke University. Ihre Gedichte wurden ins Deutsche und Koreanische übersetzt und ihre eigene Übersetzungsarbeit wurde mit zahlreichen Preisen gekürt. Zudem ist sie Chefredakteurin der Lyrik Zeitschrift „Light year“. Sie ist die Autorin von vier Gedichtsammlungen, sowie einem Sammelwerk an Erzählungen „Genoderma Girl“ (2013). 2014 gewann sie den XinXin Best New Poet Award.

Jiang Tao unterrichtet an der Peking Universität, an der Abteilung für Chinesische Literatur. Als Dichter beschäftigt er sich größtenteils mit politischer Kritik und Forschung über die Geschichte der Lyrik im zwanzigsten Jahrhundert. Seine Veröffentlichungen umfassen Gedichtsammlungen, kritische Schriften und wissenschaftliche Publikationen.

Lea Schneider arbeitet als freie Autorin und Übersetzerin in Berlin und ist Mitglied des Lyrikkollektivs G13, welches mit Formaten des kollektiven Schreibens und Gedicht-Performances experimentiert. Zuletzt war sie bei der Anthologie „CHINABOX. Neue Lyrik aus der Volksrepublik“, das die Werke von 12 zeitgenössischen chinesischen Dichtern beinhaltet, als Übersetzerin und Herausgeberin tätig.

Steffen Popp lebt in Berlin und arbeitet dort als Dichter, Herausgeber und Übersetzer. Von ihm sind vier Gedichtbände, zuletzt „118“, sowie ein Roman „Ohrenberg oder der Weg dorthin“ erschienen. Er ist Mitherausgeber der kollaborativen Poetik „Helm aus Phlox. Zur Theorie des schlechtesten Werkzeugs“ und übersetzt Werke US-amerikanischer Dichter ins Deutsche, zur Zeit befasst er sich mit den Gedichten von Elizabeth Bishop.

Tang Xiaodu forscht, rezensiert und sammelt seit dreißig Jahren zeitgenössische chinesische Lyrik, insbesondere der Avant-Garde. Dabei ist er selbst als Dichter, Kritiker und Übersetzer tätig, zudem ist er Editor für zahlreiche Lyrikanthologien. Er selbst publizierte neun kritische Essaysammlungen, unter anderem „Experiencing the Defeat First“. In seiner Arbeit als Kritiker wurde er mit mehreren Preisen geehrt und zu internationalen Veranstaltungen und Universitäten eingeladen.

Yang Lian wurde in der Schweiz geboren und wuchs in Peking auf. Nachdem sein Werk „Norilang“ veröffentlicht wurde, gewannen seine Werke national und international an Aufmerksamkeit. Von ihm wurden dreizehn Poesiebände, zwei Prosabände und eine Sammlung an Essays veröffentlicht, seine Werke wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. Er war Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin und ist nun Gast-Professor an mehreren Universitäten in China.

Jan Wagner, geboren in Hamburg, lebt seit 1995 in Berlin. Sein Werk umfasst Gedichtbände, Essays und Kritiken, Anthologien und Übersetzungen zeitgenössischer englischsprachiger Lyrik. Bis 2003 war er Mitherausgeber der Literaturschachtel „Die Außenseite des Elementes“. Seine Lyrik gewann zahlreiche Preise und wurde in über dreißig Sprachen übersetzt. Mit dem Gedichtband „Regentonnenvariationen“ erhielt Wagner 2015 als erster Lyriker den Preis der Leipziger Buchmesse. Und für seine „poetische Sprachkunst, die unsere Wahrnehmung ebenso schärft wie unser Denken“ bekam er den Georg-Büchner-Preis 2017, den wichtigsten Literaturpreis  im deutschensprachigen Raum. „Jan Wagners Gedichte verbinden spielerische Sprachfreude und meisterhafte Formbeherrschung, musikalische Sinnlichkeit und intellektuelle Prägnanz“, so die Jury zur Begründung. Im gleichen Monat 2017 wurde ihm zudem den Zhongkun International Poetry Price der Universität Peking verliehen.

Liu Chang hat bereits mehrfach an internationalen Lyrikaustauschen teilgenommen. Ihre Werke wurden ins Deutsche, Englische und Spanische übersetzt. Neben ihrer Tätigkeit als Lyrikerin ist sie zudem als visuelle Künstlerin in den Bereichen Fotografie und Malerei tätig und ist Mitglied der Friday Paiting School. 2011 wurde sie von Chinese Influence zur zeitgenössischen, chinesischen Poetin des Jahres gewählt.

Liu Ligan lebt und arbeitet als Dichter und Romanautor in Nanjing. Er schloss 1989 sein Studium an der Abteilung für chinesische Sprache und Literatur an der Nanjing Universität ab. Seine Werke umfassen unteranderem eine Gedichtsammelband, Low Fight, und seine demnächst erscheinende Sammlung an Geschichten, Every Night and Every Morning.

Zang Li arbeitete drei Jahre als Journalist und begann dann chinesische Literatur und Lyrik an der Beijing University zu studieren. Er ist der Autor von zehn Poesiebänden und wurde mit zahlreichen nationalen Preisen geehrt, u.a. dem „Grand Poetry Award“ des Hainan Poetry festivals, und wurde zu mehreren internationalen Veranstaltungen, auch in Deutschland, eingeladen. Zudem ist er der Chefredakteur des Chinese Poetry Review und mehrerer chinesischer Lyriksammlungen.

Zhu Zhu ist Lyriker, Kurator und Kritiker. Von ihm wurden mehrere Lyrikbände, eine Essay Sammlung und eine Sammlung an Kunstkritiken veröffentlicht. Als Kurator war er unter anderem für die Ausstellung „Fly through the Troposphere“ (2011) zuständig. Seine Werke wurden ins Englische, Französische, Italienische und Japanische übersetzt, und er war Empfänger mehrerer Preise, darunter unter anderem der Second Ann Kao Poetry Award. 
 

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