Vortrag A Better Version of 人 – What Gender is Code?

Elena Knox © Elena Knox

Sa, 28.10.2017

Goethe-Institut Peking in „798”

Goethe-Institut China
Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District
Beijing

Neue Technologien haben längst einen festen Platz in unserem Alltag, nicht zuletzt weil sie uns vieles erleichtern. Doch durch diese Praktikabilität geben wir immer wieder auch die Entscheidungsgewalt für Handlungen ab, die traditionell im Definitionsbereich des Menschen lagen. Es scheint, dass Handlungs- und Entscheidungsprozesse, die menschliches Vorrecht waren, mehr und mehr an netzwerkbasierte Technologien und sogenannte „Künstliche Intelligenzen“ delegiert werden. A Better Version of 人 fragt wie Neue Technologien unser Handeln determinieren und inwieweit sie sogar den Status eines handelnden Subjekts einnehmen. Inwieweit wird der Mensch als autonom handelndes Subjekt von technologischen Quasi-Subjekten abgelöst und welche Folgen hat das für den Souverän?

Die 2. Veranstaltung von „A Better Version of 人“ widmet sich der Frage What Gender is Code? In diesem Sinne wollen wir beleuchten, wie Menschen sich mit Texten und Sprache in eine Kultur, eine Lebenswelt, einen Diskurs einschreiben. Ein besonders wichtiger Text für neue Technologien ist hier der geschriebene Code, also Algorithmen. Dieser Bereich wiederum wird heute von hauptsächlich Männern, also auch eines männlich dominierten Sprachmilieus, dirigiert. Dabei schien die Entwicklungsgeschichte der Informatikerinnen eine ganz andere Richtung einzuschlagen. Algorithmen wurden noch während des zweiten Weltkriegs zum Großteil von Frauen geschrieben, während wir heute eine rasante Abnahme der weiblichen Informatik-Studentinnen beobachten können. Dies hat auch mit gezielter Diskriminierung zu tun. Inzwischen zieht sich dieses Problem durch alle Felder im Bereich der neuen Technologien. So sind beispielsweise humanoide Roboter zumeist von Männern gebaut, weiblichen Geschlechts. Doch sollten humanoide Roboter überhaupt ein Geschlecht haben? Schließlich münden all diese Entwicklungen in ein Plattformen-Angebot im Internet, das die Frau zunehmend objektiviert und systemischen Zwängen aussetzt.

Welche Auswirkungen haben also die durch die Technologien verursachten gesellschaftlichen Umwälzungen für die Frauen- aber auch LGBTQ-Bewegung? Wie muss der (Cyber-) Feminismus des 21. Jahrhundert an die Verhältnisse angepasst werden? Und was bedeutet das alles für den vielgeschlechtlichen Souverän der Gegenwart?

Am 28. Oktober 2017 wollen wir gemeinsam mit Amy Ireland, Mitglied des cyberfeministischen Kollektivs Laboria Cuboniks, sowie der Wissenschaftlerin und Künstlerin Elena Knox, einen Blick auf die Tendenzen des Cyberfeminismus werfen. Unterstützt werden die Vorträge durch die Videoarbeiten des Künstlers Stefan Panhans, die im Anschluss an die Veranstaltungen noch weitere drei Wochen in unserem Grey Cube gezeigt werden.
 
Über die Sprecher
Amy Ireland
Amy Ireland ist eine Schriftstellerin, Theoretikerin und Lyrikerin, mit Fokus auf Experimentalpoesie. Sie lebt und arbeitet in Sydney, Australien. Ihre Forschung fokussiert sich auf Fragen der Handlungsfähigkeiten und Technologien in der Gegenwart. Außerdem ist sie Mitglied des techno-materialistischen trans-feministischen Kollektivs Laboria Cuboniks. Amys Arbeiten überschreiten disziplinarische und formale Grenzen an der Schnittstelle von Philosophie, Fiktion, Code, Okkultismus, Performance, Poesie und Sound. Jüngste Veröffentlichungen sind auf Art + Australien, Dark Glamor: Accelerationism and the Occult, (Brooklyn: Punctum, 2018), sowie After Us, Rabbit, Seizure, Flash Art und online auf laboriacuboniks.net nachzulesen. Derzeit lehrt sie Philosophie am Graduate Writers Program der NIDA Universität. Sie ist Mitglied der Sonic Research Initiative der York University und arbeitet eng zusammen dem Performing Arts Forum (PAF) in Frankreich. Darbietungen und Ausstellungen ihrer kreativen Arbeiten waren bereits in Australien, Großbritannien, Kanada und Frankreich zu sehen. Dies hat zu einer Reihe von Publikationen geführt, die zu Teilen in der National Library of Australia zu finden sind. Amy arbeitet zurzeit an verschiedenen Lyrik-Projekten im Zusammenhang mit Sound, Sprach-Transkodierung, 3D-Druck, Tarnkappentechniken und Waffenprojektilen.

Elena Knox
Elena Knox ist eine australische Medienkünstlerin und Wissenschaftlerin, deren Arbeiten sich mit der Inszenierung von Geschlechtern und Sanzai Kan in den Technowissenschaften und Kommunikationsmedien auseinander setzen. Ihre Publikationen erschienen in zahlreichen internationalen literarischen sowie wissenschaftlichen Magazinen. Knox arbeitet eng mit dem Creative Robotics Lab des Australia National Institute for Experimental Arts zusammen. Außerdem ist sie Co-Regisseurin des Produktionshauses Lull Studios. Ihre experimentellen Electro-Kabarette und Musikprojekte wurden mit zahlreichen Auszeichnungen nominiert, erst kürzlich mit dem Australian Art Music Award. 2015 wurde Knox für ihre Doktorarbeit an der UNSW Australia Art & Design ausgezeichnet und ist nun Postdoctoral Research Fellow des JSPS Programms an der Fakultät Intermedia Art and Science der Waseda Unversität in Japan. Einige ihrer kommenden Projekte sind: die Kunstmesse A Better Version of You zum Thema  Robotik und Künstliche Intelligenz, das von Nina Franz und Christian von Borries kuratiert und von den Goethe-Instituten Südkorea und China produziert wird, außerdem die Produktion einer interaktiven, multi-sensorischen Umwelt für das Big Anxiety Festival in Sydney sowie geplante öffentliche Kunstexperimente mit Humanoiden am Mikrakain in Japan.

Stefan Panhans
Der in Hattingen (Ruhr) geborene Videokünstler Stefan Panhans lebt und arbeitet in Berlin und Hamburg. Er absolvierte sein Kunststudium zwischen 1993-1996 an der HfBK Hamburg. In seiner Kunstpraxis arbeitet er zumeist mit Videografie und Fotografie. Thematisch widmet er sich inzwischen hauptsächlich dem modernen Subjekt und dessen Selbstoptimierungszwang, sowie dem Phänomen des sogenannten Flexible Ego unter den Konditionen des New Spirit of Capitalism (Der neue Geist des Kapitalismus). Darüber hinaus ist Panhans an dem aktuellen Phänomen einer Hyper-Medialisierung unserer Lebenswelt interessiert und seine Arbeit versteht sich auch als künstlerische Forschung zu deren körperlicher und geistiger Auswirkungen auf uns. 

A Better Version of 人

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