Videovorführung mit Einführung Fegefeuer in Ingolstadt

Fegefeuer in Ingolstadt © Julian Röder

So, 08.07.2018

13:00 Uhr - 15:30 Uhr

Goethe-Institut Peking in „798”

Von Marieluise Fleißer, Inszenierung von Susanne Kennedy

Zeit: 08.07.2018, 13:00 – 15:30
Ort: Goethe-Institut China
Einführung durch Christian Rakow (Theaterkritiker und Juror beim Theatertreffen)
Sprache: Deutsch, Chinesisch
Eintritt frei
 
Mit dem neuen Format der Videovorführung erweitern wir das Rahmenprogramm des „Theatertreffens in China 2018“ und bieten dem chinesischen Publikum die Gelegenheit, verschiedene Facetten der zeitgenössischen deutschsprachigen Theaterszene kennenzulernen. Vom 30. Juni bis zum 8. Juli präsentieren wir insgesamt drei Inszenierungen, die zum Theatertreffen eingeladen wurden, als Videoaufnahme: „Drei Schwestern“ (Theater Basel, Regie: Simon Stone, 2017), „Kill your darlings!“ (Volksbühne Berlin, Regie: René Polesch, 2012) und „Fegefeuer in Ingolstadt“ (Münchner Kammerspiele, Regie: Susanne Kennedy, 2013). Es erfolgt jeweils eine Einführung durch Jurymitglieder des Theatertreffens.
 
2013 inszenierte Susanne Kennedy das Stück „Fegefeuer in Ingolstadt“, im Original von Marieluise Fleißer, in den Münchner Kammerspielen und sorgte damit für großes Aufsehen. Das Stück überzeugt durch seine ausgefallene tonale und visuelle Gestaltung: Sämtliche Dialoge, Monologe oder Soundeffekte wurden vorher aufgenommen und begleiten das Stück im Vollplayback, keiner der Schauspieler rezitiert mehr seinen Text aus dem Stehgreif. Dies, und der kahle Raum in eiskaltem Neonlicht, an dessen Wänden eine flackernde Videoaufzeichnung projiziert wird, schafft ein surreales Bild einer verdoppelten, verzweifelten Realität. Die triste Handlung fügt sich perfekt in diese grausame Szenerie: Die Charaktere aus Fleißers Drama leben und leiden in einer apathischen, religiösen Kleinstadthölle. Eine jede Figur scheint einen Kampf zu kämpfen, mit den anderen, aber vor allem mit sich selbst. Doch gleichzeitig sind ihre Mienen so leer, ihre Gesten so starr, als wären sie Marionetten im Kabinett des Grauens.  
 
Mit der Inszenierung von „Fegefeuer in Ingolstadt“ gelingt es Kennedy, den Zuschauer zu verstören, ein Bild religiöser und seelischer Verzweiflung zu zeichnen, das noch lange nach der Vorstellung wirkt. Sie wurde dafür zum renommierten Berliner Theatertreffen eingeladen und von der Fachzeitschrift „Theater heute“ zur Nachwuchsregisseurin des Jahres 2013 gewählt.
 

Fegefeuer in Ingolstadt

Produktion: Münchner Kammerspiele
Regie: Susanne Kennedy
Bühne: Lena Müller
Kostüm: Lotte Goos
Sounddesign: Richard Janssen
Licht: Jürgen Kolb
Dramaturgie: Jeroen Versteele
Ton: Katharina Widmaier-Zorn, Martin Sraier-Krügermann
Videogestaltung:  Ikenna Okegwo, Marie-Lena Eissing
Mit: Marc Benjamin (Protasius), Heidy Forster (Mutter Roelle), Walter Hess (Berotter),
Christian Löber (Roelle), Anna Maria Sturm (Clementine), Çiğdem Teke (Olga), Edmund Telgenkämper (Gervasius)
Spieldauer: 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause
Uraufführung an den Münchner Kammerspielen: 8. Februar 2013                                        
Eingeladen zum Theatertreffen 2013
 
Christian Rakow, geboren 1976 in Rostock, studierte Germanistik und Philosophie in Rostock, Sheffield und Berlin. 2010 promovierte er in Literaturwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster bei Prof. Dr. Moritz Baßler. Die Dissertation „Die Ökonomien des Realismus – Kulturpoetische Untersuchungen zur Literatur und Volkswirtschaftslehre 1850–1900“ erschien 2013 in den „Schriften zur deutschen Literatur“ bei De Gruyter. Rakow arbeitet als Redakteur von „nachtkritik.de“ u nd Theaterkritiker u.a. für „Theater heute“ und die „Berliner Zeitung“.
 

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