Videovorführung mit Einführung Kill your Darlings! Streets of Berladelphia

杀死汝爱:柏城的街道 © Thomas Aurin

Sa, 07.07.2018

Goethe-Institut Peking in „798”

Goethe-Institut China
Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District
Beijing

Von René Polesch, inspiriert durch „Fratzer“ von Bertolt Brecht

Produktion: Volksbühne Berlin
Zeit: 07.07.2018, 15:00 – 17:00
Ort: Goethe-Institut China
Einführung durch Christian Rakow (Theaterkritiker und Juror beim Theatertreffen)
Sprache: Deutsch, Chinesisch
Eintritt frei
 
Mit dem neuen Format der Videovorführung erweitern wir das Rahmenprogramm des „Theatertreffens in China 2018“ und bieten dem chinesischen Publikum die Gelegenheit, verschiedene Facetten der zeitgenössischen deutschsprachigen Theaterszene kennenzulernen. Vom 30. Juni bis zum 8. Juli präsentieren wir insgesamt drei Inszenierungen, die zum Theatertreffen eingeladen wurden, als Videoaufnahme: „Drei Schwestern“ (Theater Basel, Regie: Simon Stone, 2017), „Kill your darlings!“ (Volksbühne Berlin, Regie: René Polesch, 2012) und „Fegefeuer in Ingolstadt“ (Münchner Kammerspiele, Regie: Susanne Kennedy, 2013). Es erfolgt jeweils eine Einführung durch Jurymitglieder des Theatertreffens.
 
Die besten Szenen werden Sie heute Abend nicht sehen, denn die würden wir alle nicht ertragen. Deswegen heißt der Abend: Kill your Darlings. Die besten Szenen werden wir heute Abend nicht zeigen, denn die könnten wir gar nicht ertragen. Ich auch nicht, ich könnte nie wieder ein Theaterstück spielen, und Sie könnten nie wieder in einen Theaterabend hineingehen, weil: Sie haben das Beste bereits gesehen, und Sie werden es nie wieder erleben, deswegen haben wir die Spitzen abgeschnitten, denn die sind nicht zu leben.

Ich bin die Strasse hinuntergegangen, an den Reihenhäusern vorbei, und ich hätte Dir gerne gesagt: „In keines dieser hell erleuchteten Fenster würde ich hinein wollen und reden mit den Leuten dahinter, nirgendwo auf der Welt, auch nicht On The Streets Of Berladelphia.”
 
nein nein nein
nein nein nein
nein nein nein.
 
 (René Pollesch)
 
In der Inszenierung „Kill your Dalings! Streets of Berladelphia“ von René Polesch wird Bertolt Brechts unvollendetes Theaterstück „Der Untergang des Egoisten Fratzer“ auf unvergleichliche Weise in Szene gesetzt. Mit trashigen Kostümen, live mitgeschnittenen Videoeinsätzen und einem kunstvoll-akrobatischen Auftritt des Berliner Turnervereines als „Chor der Kapitalisten“ sind bereits die Rahmenbedingungen für eine unvergessliche Theatererfahrung gegeben. Die Kernthematik des Stückes ergibt sich aus dem Wechselspiel zwischen „Fratzer“ (gespielt von Fabian Hinrichs) und dem kapitalismusverkörperndem Bewegungschor: Jeder Abgrenzungsversuch des Protogonisten wird von der Akrobatengruppe charmant und elegant vereitelt. Auf eine absurd-komische Weise wird durch diese Abfolge die Beziehung zwischen Individuum und Kollektiv bzw. Individuum und dem sozialen Netzwerk grundlegend in Frage gestellt. Vollendet wird die Inszenierung durch Fabian Hinrichs Ironie- und Sarkasmus geladene Darstellung, die Polleschs (post-)dramatische Neuinterpretation des „Fratzer-Fragments“ zu einem der meistgelobtesten Stücke des Jahres 2012 macht.
 
Kill your Darlings! Streets of Berladelphia
 
Produktion: Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin
Regie: René Pollesch
Bühne und Kostüm: Bert Neumann
Licht: Frank Novak/Torsten König
Dramaturgie: Henning Nass
Mit: Fabian Hinrichs, Eduard Anselm, Johanna Berger, Christin Fust, Hannes Hirsch, Emma Laule, Ronny Lorenz, Martina Marti, Fynn Neb, Rudolph Perry, Simone Riccio, Nicola Rietmann, Paula Schöne, Anna Smith, Lukas Vernaldi und Claudia Vila Peremiquel (Chor)
Uraufführung an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz: 18. Januar 2012
Spieldauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause
Eingeladen zum Theatertreffen 2012

Christian Rakow, geboren 1976 in Rostock, studierte Germanistik und Philosophie in Rostock, Sheffield und Berlin. 2010 promovierte er in Literaturwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster bei Prof. Dr. Moritz Baßler. Die Dissertation „Die Ökonomien des Realismus – Kulturpoetische Untersuchungen zur Literatur und Volkswirtschaftslehre 1850–1900“ erschien 2013 in den „Schriften zur deutschen Literatur“ bei De Gruyter. Rakow arbeitet als Redakteur von „nachtkritik.de“ und Theaterkritiker u.a. für „Theater heute“ und die „Berliner Zeitung“.
 

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