Videovorführung mit Einführung Drei Schwestern

Drei Schwestern Foto: Sandra Then

Sa, 30.06.2018

Goethe-Institut Peking in „798”

Goethe-Institut China
Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District
Beijing

Von Simon Stone nach Anton Tschechow, Aufnahme vom Theatertreffen 2017

Zeit: 30.06.2018, 15:40 – 18:40
Ort: Goethe-Institut China
Einführung durch Jeroen Versteele (Dramaturg der Intendanz der Berliner Festspiele)
Sprache: Deutsch, Chinesisch
Eintritt frei
 
Mit dem neuen Format der Videovorführung erweitern wir das Rahmenprogramm des „Theatertreffens in China 2018“ und bieten dem chinesischen Publikum die Gelegenheit, verschiedene Facetten der zeitgenössischen deutschsprachigen Theaterszene kennenzulernen. Vom 30. Juni bis zum 8. Juli präsentieren wir insgesamt drei Inszenierungen, die zum Theatertreffen eingeladen wurden, als Videoaufnahme: „Drei Schwestern“ (Theater Basel, Regie: Simon Stone, 2017), „Kill your darlings!“ (Volksbühne Berlin, Regie: René Polesch, 2012) und „Fegefeuer in Ingolstadt“ (Münchner Kammerspiele, Regie: Susanne Kennedy, 2013). 
 
„Unsere moderne Welt wurde zur perfekten Spiegelung der Tschechow’schen Erfindung. Die Illusion, Teil eines größeren Narrativs zu sein, das aber eben anderswo stattfindet, eint uns: Wir sind Zeugen und Kommentatoren, aber nicht wirklich Teilnehmer. Daher erfinden wir Spiele, soziale Netzwerke, virtuelle Wirklichkeiten und voyeuristische Fantasien, während wir auf unseren Auftritt in der realen Welt, in einem realen Ereignis warten, in dem wir endlich selbst im Zentrum stehen können. Aber ist das überhaupt möglich?“ - Simon Stone
 
Mit der Inszenierung von „Drei Schwestern“ im Schauspielhaus des Theaters Basel gelingt es Simon Stone auf unvergleichliche Weise, Anton Tschechows Stück ins 21 Jahrhundert zu übersetzen. Die Charaktere der Schwestern Olga, Mascha und Irina finden sich statt in einer provinziellen, russischen Gouvernementsstadt in einem modernen Chalet in der Schweiz wieder. Von der traditionellen Sprechweise des Originaltextes bleibt wenig übrig, stattdessen bekommt das Publikum Jugendslang und Schimpfwörter zu hören. Auch die Diskussionen drehen sich um Themen wie die Trump-Wahl, die „Flüchtlingskrise“, den IS und jede Art von Sexualität.
 
Obwohl dies nun so scheint, als hätte diese Interpretation mit Tschechows Original nur noch wenig zu tun, so bleiben die Kernstrukturen aus dem Original doch erhalten: Die Charaktere des Stücks teilen immer wieder ihre Hoffnungen, Träume, unzähligen Ideen und Meinungen. Aber am Ende erweist sich alles als leeres Gerede, die Protagonisten als völlig lebensunfähig.

Das hervorragende Basler Ensemble veredelt die Trivialität der Geschehnisse rund um Irinas Geburtstagsfest, indem es die Verlogenheiten der Daily Soap im Ferienhaus der Schwestern mit ausspielt. Trivialität ist hier eine dünne, durchsichtige Schutzhülle. Darunter tragen die Figuren nur noch nackte Verzweiflung. Und die Narben von der vergeblichen Suche nach dem Glück. Mit dieser Inszenierung von „Drei Schwestern“ gelang es Simon Stone eine Gegenwartsdiagnose zu stellen, die weitgehend positives Feedback aus den Reihen der Theaterkritiker einbrachte und das Stück zu einem der meistgelobten Stücke des Jahres 2017 macht.
 
 
Drei Schwestern
Von Simon Stone nach Anton Tschechow

 
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren
Spieldauer: 1 Stunde 18 Minuten, keine Pause
Inszenierung: Simon Stone
Deutsche Übersetzung: Martin Thomas Pesl
Bühne: Lizzie Clachan                                                                                                       
Kostüm: Mel Page
Licht: Cornelius Hunziker                                                                                                                  
Musik: Stefan Gregory
Dramaturgie: Henning Nass
Mit: Barbara Horvath (Olga), Franziska Hackl (Mascha), Liliane Amuat (Irina), Nicola Mastroberardino (Andrej), Cathrin Störmer (Natascha), Michael Wächter (Theodor), Elias Eilinghof (Alexander), Simon Zagermann (Viktor), Max Rothbart (Nikolai), Roland Koch (Roman), Florian von Manteufel (Herbert)
Uraufführung am Theater Basel – Schauspielhaus: 10. Dezember 2016                          
Eingeladen zum Theatertreffen 2017
 
Jeroen Versteele,
geboren 1980 in Leuven, Belgien, studierte Germanistik und Transmedia in Brüssel. Er arbeitete von 2005-2010 am NTGent. In diesem Zeitraum war er Dramaturg bei Produktionen von Johan Simons und für die Schauspielgruppe Wunderbaum. Versteele war ebenfalls Journalist für die belgische Tageszeitung „De Morgen“ und für die Theaterzeitschriften „Etcetera“ und „Theatermaker“. Im Jahr 2010 wechselte er an die Münchner Kammerspiele, wo er seitdem u.a. mit Susanne Kennedy, Johan Simons, Meg Stuart, Luk Perceval, Tian Gebing, Martin Kušej und Kristian Smeds zusammenarbeitete. Von 2015 bis 2017 war Versteele Dramaturg bei der Ruhrtriennale. Seit 2017 ist er als Dramaturg der Intendanz der Berliner Festspiele tätig.

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