Ausstellung BORDER RESONANCE

Drip(s), Yu Jing, 2018 Drip(s), Yu Jing, 2018

Sa, 01.09.2018 -
So, 14.10.2018

Goethe-Institut Peking in „798”

Goethe-Institut China
Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District
Beijing

Ausstellungsdauer: 1. September 2018 bis 14. Oktober 2018, 12:00 - 18:00, montags geschlossen
Eröffnung: 1. September 2018, 16:00 (Beginn der Eröffnungsperformance: 19:00)
KuratorInnen: Zhang Wenxin, Hu Hao
KünstlerInnen: Han Han, Ye Xuan, Yu Jing
Ort: Grey Cube im Goethe-Institut China (Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road No. 2, Chaoyang District, Beijing)
Eintritt frei
 
Aus Anlass seines 30-jährigen Bestehens stellt das Goethe-Institut China 30 essentielle Fragen, die sich an der Zukunft orientieren und sich mit der menschlichen und gesellschaftlichen Entwicklung beschäftigen. Die Antworten dazu sucht das Goethe-Institut gemeinsam mit seinen Partnern und dem teilnehmenden Publikum in etwa 30 Veranstaltungen, die zwischen September und November 2018 stattfinden. Highlight der  Veranstaltungsreihe bildet der durchlaufende 30-stündige Jubiläumsmarathon mit Konzerten, Performances, Installationen, Filmvorführungen, Vortragsreihe sowie Kinderprogramme am 17. und 18. November im Goethe-Institut Peking in „798“.
 
Führt die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz dazu, dass menschliche Wesen in Zukunft arbeitslos oder gar gänzlich überflüssig werden? Kann ein Cyborg, ein Hybrid aus Mensch und lebendigem Organismen, der sich zwischen Fiktion und Realität bewegt, zu einer neuen Form des Menschen werden? Was macht den Menschen zum Menschen? Mit dieser Frage eröffnet das Goethe-Institut China am 1. September 2018  die Veranstaltungsreihe seiner Jubiläumsfeier.
 
Auf Einladung kuratieren nun Zhang Wenxin und Hu Hao für den Grey Cube im Goethe-Institut in 798  die Ausstellung Border Resonance, die vom 1. September bis 14. Oktober zu sehen ist. Border Resonance fragt: Wie kann die Menschheit die seit Jahrtausenden bestehende „fiktive“ Grenze zwischen Menschsein und Körper überschreiten und dem Cyborg, einem Wesen, das beide Element verkoppelt, eine Identität verleihen? Wie muss sich die Menschheit angesichts dessen neu positionieren?
 
Die Künstler*innen Han Han, Xuan Ye und Yu Jing präsentieren im Grey Cube ihre eigenen Cyborg-Modelle. Diese interaktiven Installationen,  die aus Klang, Text und Bild bestehen, ermöglichen eine Annäherung sowohl auf emotionaler als auch auf konzeptueller Ebene: Sie nehmen uns mit auf eine experimentelle Erkundung jenes Prozesses der Verkopplung, den ein zwischen Organismus und Maschine wandelnder Cyborg darstellt.
 
Die interaktive audiovisuelle Installation They 2.0 von Han Han verwendet Synthesizer-Klänge und nutzt gleichzeitig die in der Hardware eingeschriebene Ungewissheit, um improvisierte Musik zu schaffen. Das Rohmaterial für EveryLetterCyborg, Version 1.2: TwitterBot von Ye Xuan sind zufällig aus einem Online-Wörterbuch ausgewählte Begriffe. Das Projekt verwendet einen Algorithmus, der auf den „Chance Operations“ des amerikanischen Fluxus-Dichters Jackson Mac Low basiert und die Sprache/Information von Donna Haraways „Manifest für Cyborgs“ neu konstruiert. Er schafft so ein Cyborg-Gedicht, das sich außerhalb der englischen Standardgrammatik bewegt. Yu Jings interaktive Klanginstallation Drip(s) verwendet einen Algorithmus, um den Klang von Wassertropfen zu simulieren. Gleichzeitig schuf sie ein Perpetuum mobile, das automatisch komponieren kann und so neue Sprache und Information hervorbringt. Durch diese Virtualisierung des Virtuellen hinterfragt die Künstlerin die Natur der Spiegelung und Virtualisierung von Realität sowie die Konstruktion von Sprache und Information.
 
Den Abschluss der der Ausstellung bildet eine Antwort der Kuratorin Zhang Wenxin auf die Cyborg-Projekte der drei Künstler*nnen. Sie baute 3D-Modelle des Grey Cube und verteilt diese mittels Projektion auf den Raum der Ausstellung Border Resonance – mitten in diese virtuelle Manege aus Sprache und Information. Diese Animation erinnert das Publikum daran, dass der Grey Cube selbst in diesem Verkopplungsprozess von Fiktion und Realität verweilt und damit auch Teil der Cyborg-Grammatik ist.
 
Zur Ausstellungseröffnung am 1. September nehmen uns Han Han, Ye Xuan und Yu Jing in ihren Sound-Performances mit in ein Cyber-Ritual, das uns in eine Körper und Sound umfassende Erlebniswelt eintauchen lässt.
 

Die Künstler*nnen und Kurator*nnen

Han Han
GOOOOOSE ist das persönliche Musikprojekt von Han Han, dem Frontman der experimentellen elektronischen Band „Duck Fight Goose“, der auch Visual Artist und Entwickler interaktiver Programme ist. Verglichen mit den vielschichtigen Narrativen von „Duck Fight Goose“, ist GOOOOOSE eher Han Hans persönliches Labor, ein Spielplatz, ja, ein Raum der Selbstbeobachtung. Seine Musik kombiniert Ambient Music mit Intelligent Dance Music (IDM) und lässt einen Sinn für Harmonie aufeinanderprallender Stile verspüren. Seit 2012 hat Han Han in Deutschland, der Schweiz, Dänemark, Finnland, Norwegen, Estland, Frankreich und den Vereinigten Staaten aufgetreten, z. B. im berühmten Berliner Haus der Kulturen der Welt, in der Cité De La Musique in Paris, beim SXSW Musikfestival in Austin und beim CTM Festival in Berlin.
 
Ye Xuan
Ye Xuan (1989 –) ist „der Prototyp für viele andere Modelle, unter anderen a.pureapparat.us“. Ye Xuans interdisziplinäre Praxis basiert auf ihren (Körper/Sound-)Performances, visueller Kunst und Computerprogrammierung. Sie beschränkt sich nicht auf ein Medium, sondern arbeitet mit Improvisation, Intervention und Installationen. Ihre Arbeiten verwenden oft kybernetisches oder klangliches Feedback, um homogene Materialien zu übersetzen und neu zu kodieren, wobei sie sich zwischen Gewöhnlichem / Ungewöhnlichen, Ewigem / Ephemerem bewegt. Zurzeit beschäftigt sie sich mit „Lärm-Erzeugung“: Sie stört die kreative Infrastruktur, um aus einer vieldimensionalen Sicht über digitale Poesie zu spekulieren. Sie wurde von OBEY Convention als eine der aufregendsten Stimmen auf dem Gebiet des „Textural Soma“ in Kanada bezeichnet. Sie ist die erste digitale Künstlerin, die eine Residency bei InterAccess erhalten hat. Sie erhielt ein Stipendium des Toronto Arts Council, war Finalistin beim EQ Bank Digital Artists Award und Stipendiatin des Social Sciences and Humanities Research Council. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt, u. a. bei Trinity Square Video (CA, Einzelausstellung), Squeaky Wheel Film & Media Art Center (US), The Wrong Biennale (http://thewrong.org/), Times Museum (CN), MOCCA und Royal Conservatory of Music (CA), Galleri CC (SE), Le Festival Croisement (CN).
 
Yu Jing
Yu Jing, geboren 1989 in Zhejiang. Derzeitiger Aufenthaltsort unbekannt. Sie interessiert sich vor allem für aufkommende Technologien, intelligente Systeme und wissenschaftliche Alltagsdaten sowie die Kluft zwischen den Objekten an sich und den sich aus einer quantifizierten Analyse ergebenden Gesetzmäßigkeiten. Ihre Arbeiten wurden ausgestellt bzw. aufgeführt im Himalayas Art Space (Shanghai), Power Station of Art (Shanghai), He Xiangning Museum (Shenzhen), ISEA 2016 (Hongkong), Kunstraum PING.PONG (Leipzig), Greenhouse (Berlin), Torus Port (New York). Außerdem beschäftigt sie sich mit der Frage der Nachhaltigkeit urbaner klanglicher Umgebungen und hat an Projekten des NYU Music and Audio Research Laboratory teilgenommen, wobei sie die Frequenz des New Yorker Stadtlärms und seine Beziehung zu emotionaler Wahrnehmung untersucht hat. Sie hat ihre Forschungen bei ICMC 2018 veröffentlicht.
 
Zhang Wenxin
Zhang Wenxin, geboren 1989 in Anhui, schloss 2013 ihr Master-Studium am California College of the Arts ab. Sie hatte Einzelausstellungen im Surplus Space (Wuhan, 2017), in der Artist Television Gallery (San Francisco, 2014) und hat an vielen Ausstellungen und Residenzprogramme in China und im Ausland teilgenommen. In ihrer transdisziplinären künstlerischen Praxis beschäftigt sie sich mit der Beziehung zwischen Wahrnehmung, Gedächtnis und Information. Sie ist auch als Autorin aktiv und ihre Essays werden in Kunstmagazinen wie LEAP oder Art World veröffentlicht.
 
Hu Hao
Hu Hao, geboren 1990 in der Provinz Shandong, lebt und arbeitet in Peking. Er ist Redakteur und Kunstkritiker. 2013 schloss er sein Bachelor-Studium der Philosophie an der Renmin-Universität ab, 2017 erhielt er dort seinen Master in Ästhetik. Seine Texte wurden für den International Awards for Art Criticism (IAAC) 2016 und 2017 nominiert. 2017 gewann sein Forschungsprojekt den ersten Robert H.N. Ho Family Foundation Greater China Research Grant. 2018 wurde sein gemeinsam mit Liu Zhangbolong und Nie Xiao Yi entwickeltes kuratorisches Projekt „Metamorphosis – Art Practices Now Activating Archives and Public Memories“ für das Research-based Curatorial Project 2018 von OCAT Beijing nominiert.
 

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