Performance & Vortrag Musiklos (II)

Safe House 3#, Sound-Licht-Installation, Zhang Ding Safe House 3#, Sound-Licht-Installation, Zhang Ding

Fr, 07.09.2018 -
Sa, 08.09.2018

Goethe-Institut Peking in „798”

Goethe-Institut China
Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District
Beijing

Veranstalter: Goethe-Institut China, Subjam
Ort: Goethe-Institut China
Eintritt frei

Wie klingt die Zukunft? Hört man dann nur noch von KI komponierte Musik? Welche Art vom Klang kann uns immer noch bewegen? Welche Rolle und Bedeutung spielt die Musik in Zukunft?  Die Antwort darauf suchen wir im Rahmen vom 30-jährigen Jubiläum des Goethe-Instituts China in mehreren Musikveranstaltungen zwischen September und November 2018.

Zum Auftakt bringen wir Ihnen in Kooperation mit Subjam ein „musikloses“ Wochenende am 7. und 8. September im Goethe-Institut im Kunstviertel „798“, bestehend aus Performances, Improvisation und Installation, präsentiert von Komponist*innen, Performer*innen und Künstler*innen aus Deutschland, China, Japan und England.

In einem Vortrag am 8. September werden Andrea Neumann und Christian Kesten, Komponist*in und Mitgründer*in von Labor Sonor ihre Plattform vorstellen und über die zeitgenössische experimentelle Musik in Berlin sprechen, moderiert von Yan Jun. Labor Sonor, gegründet 2000, ist eine in Berlin ansässige Plattform für neue experimentelle Musik jenseits etablierte Institutionen und gehört zu der echtzeitmusik-Szene. Inzwischen ist sie zu einem wichtigen Treffpunkt der dynamischen und innovativen Musik-Community in Berlin geworden.

Die Veranstaltungsreihe „Musiklos“ möchte festgefahrene Muster und Konzepte bei der Wahrnehmung von „Musik“ öffnen, unmittelbaren Zugang zum Leben ermöglichen und Verbindung zur Realität schaffen. Kurator der Reihe ist der in Peking ansässige Poet und Musiker Yan Jun.

 

Programm

7. September 2018
 
18:00 - 19:30
Zhang Ding: Licht- und Soundinstallation + Performance: Safe House 3#
 
20:00 - 22:00
Takako Suzuki: Treader (Performer*innen: Takako Suzuki & Robin Hayward)
Yu Ji: OOZE (Performerin: Yu Ji)
Christian Kesten: Contributions, Counterpoints & Places (Performer*innen: Andrea Neumann, Takako Suzuki, Robin Hayward, Christian Kesten und Marinate Fish Impro Committee)
 
 
8. September 2018
 

14:00 - 15:00
Vortrag „Labor Sonor und zeitgenössische experimentelle Musik in Berlin“
 
16:00 - 17:30
Andrea Neumann: Solo for Heartbeat, Mixer and Zither (Performer: Andrea Neumann)
Christian Kesten: Solo „Uncoloured. Seven Songs“
Marinate Fish Impro Committee: Untiteled (Performer*innen: Ake, Zhao Cong, GogoJ, Li Qing, Li Weisi, Huang Hao, Zhu Wenbo, Yan Yulong und Yan Jun)
 
18:00 - 19:00
Zhang Ding: Licht- und Soundinstallation + Performance: Safe House 3#

 

Die Komponist*innen und Performer*innen

Zhang Ding, Safe House 3#
Licht- und Soundinstallation + Live-Performance (Zhang Ding)


Safe House 3# stammt aus Zhang Dings Einzelausstellung Safe House, die 2018 in The Bunker, dem Wyoming Project und im KWM Art Center stattfand. Er präsentiert ein und dasselbe Konzept an drei verschiedenen Orten und auf drei Ebenen. Die fünf Licht- und Soundinstallationen wiederholen sich einmal pro Stunde als fünfteilige White-Space-Symphonie.

Die Live-Performance sowie die Sound- und Lichtinstallationen dauern eine Stunde und das Publikum kann sich während des Besuchs frei bewegen. Es wird empfohlen, eine Sonnenbrille zu tragen, um sich vor dem grellen Licht zu schützen. Nach der Ausstellung von Safe House 3# in den drei Pekinger Kunsträumen zieht es dann ins Goethe-Institut, wo das Projekt zum ersten Mal vom Künstler selbst live präsentiert wird.
 
Zhang Ding,
geboren 1980 in Zhangye, China, lebt und arbeitet in Shanghai. Zhang Dings künstlerische Praxis manifestiert sich hauptsächlich in Form von Einzelausstellungen / Projekten, die oft Videos, Installationen, Gemälde und Live-Performances umfassen. Zu seinen neuere Arbeiten zählen Tools (2017), die Live-Performance Opening (2011), Orbit of Rock (2014), Enter the Dragon (ICA London 2015, K11 Art Museum, Shanghai 2016), Devouring Time (2016, Rockbund Art Museum), Vortex (ShanghART Gallery, 2017).
 

Suzuki Takako: Treader
Performer: Suzuki Takako und Robin Hayward (Tuba)


Die Choreographin und Tänzerin Takako Suzuki bezieht ihre Inspiration aus ihrem Verständnis der musikalischen Ästhetik des Tuba-Spielers und Improvisationsmusikers Robin Hayward, dem sie eine besondere „Qualität von Stille“ zuschreibt. In ihrem kollaborativen Werk Treader erkundet der Klang der Tuba die akustischen und architektonischen Qualitäten des Raumes und initiiert gleichzeitig auch den choreographischen Prozess. Der Titel des Werks bezieht sich auf den fünften Track von Robin Haywards Album States of Rushing, das auch einen Teil der Performance von Suzukis Takako bildet.
 
Takako Suzuki wurde 1965 in Nara, Japan, geboren. Nach ihrem Design-Studium in Tokio begann sie zu tanzen. Seit 1992 arbeitet sie mit Sasha Waltz in Berlin und hat an verschiedenen Produktionen der Tanz-Compagnie „Sasha Waltz & Guests“ mitgewirkt. 2006 war sie als Choreographin an der Opernproduktion La philosophie dans le labyrinthe mit Musik von Aureliano Cattaneo beteiligt, die Teil der Münchener Biennale war. 2008 erhielt sie eine Förderung von Tanzplan Dresden für ihr Theaterprojekt Empire, das in der Kleinen Szene / Kammerbühne der Semperoper Dresden zur Aufführung kam. 2010 entwickelte sie ebenfalls im Rahmen von Tanzplan Dresden ihre zweite Produktion, Collavocation, in HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden. Bei ihren eigenen Arbeiten arbeitet sie mit verschiedenen Musiker*innen zusammen, z. B. mit Johnny Chang (Viola), Dietmar Diesner (Saxofon), Axel Dörner (Trompete), Joel Grip (Bass), Seijiro Murayama (Schlagzeug), Makiko Nishikaze (Klavier), Pär Thörn (elektronische Musik / Autor).
 
Robin Hayward
Der Tuba-Spieler und Komponist Robin Hayward wurde 1969 in Brighton (UK) geboren. Seit 1998 lebt und arbeitet er in Berlin. In seinem Schaffen hat er radikale Innovationen im Bereich der Spieltechniken von Blechblasinstrumenten eingeleitet, zuerst im Jahr 1996 durch die Entdeckung des „Geräusch-Ventils“ und später durch die Entwicklung der ersten völlig mikrotonalen Tuba im Jahr 2009. 2012 erfand er das Hayward Tuning Vine, eine Computerschnittstelle für Musikkomposition. 2005 gründete er das Ensemble Zinc & Copper, um die Möglichkeiten von Blechblasinstrumenten aus der Perspektive der experimentellen Musik zu erforschen. Robin Hayward tourt sowohl solo als auch in Kollaboration und nimmt immer wieder an internationalen Festivals teil. 2016 erhielt er den ITEA Jim und Jamie Self Creative Award für seine Arbeit mit der mikrotonalen Tuba und dem Hayward Tuning Vine.

Yu Ji: OOZE
OOZE setzt die Reihe von Performances mit dem Titel „Transparente Haltungen“ fort. OOZE verwendet bei der Performance grundsätzlich keine Requisiten. Auf der Bühne steht nur die Künstlerin selbst, die ein spezielles Kostüm trägt (aus weiß durchscheinendem Kunststoff, ähnlich einem OP-Anästhesieanzug). Während der gesamten Performance kommt nur Sound zum Einsatz (vorverarbeitetes Audio und vor Ort improvisierter Sound).
Yu Ji lebt zurzeit in Shanghai und Wien. Sie arbeitet vor allem mit Skulptur und Installation, aber auch mit Performance und Video. Ihre aktuellen Ausstellungen sind Soon Enough: Art in Action (Tensta Konstahall, 2018), Hugo Boss Asia Award: Award for Emerging Asian Artists (Rockbund Art Museum, 2017) sowie Why not Ask Again? Maneuvers, Disputations and Stories (11. Shanghai Biennale, Shanghai, 2016). Yu Ji ist auch die Ko-Gründerin des von Künstlern betriebenen gemeinnützigen Am Art Space in Shanghai.

Christian Kesten ist Komponist, Sound- und Intermedia-Künstler, Vokalist und Performer. In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit der Beziehung zwischen Klang und Raum, indem er sich auf die physische / physikalische Aktivität der Klangerzeugung und die physikalischen Eigenschaften von Klang an sich konzentriert. Seine Kompositionen umfassen instrumentale, vokale und ortsspezifische Arbeiten sowie Theaterkompositionen. Er schrieb Auftragswerke für Ensembles wie Object Collection New York oder Rue du Nord Lausanne. Er realisierte abendfüllende Stücke für Radialsystem V Berlin oder das Schauspielhaus Wuppertal. Er schuf auch ortsspezifische Werke für das Museum für Moderne Kunst MUMOK in Wien und hatte Solo-Auftritte in Europa, Nordamerika und Japan. Kesten hat Preise und Stipendien von vielen internationalen Stiftungen und Institutionen erhalten. Er ist Mitglied der Maulwerker, einem Berliner Ensemble für experimentelle Vokalmusik und experimentelles Musiktheater, und konzipiert die Reihe „maulwerker performing music“. Seit 2006 ist er Co-Kurator des LABOR SONOR und künstlerischer Co-Leiter der LABOR SONOR-Festivals, zuletzt „MOVING MUSIC. choreographers compose for musicians“ (2016). Er hat in Europa, Israel, Nord- und Südamerika gelehrt und Gastvorträge gehalten.
 
Andrea Naumann, geboren 1968 in Freiburg, hat klassisches Klavier an der Hochschule der Künste Berlin studiert. Seit 1994 ist sie vor allem als Musikerin und Komponistin auf dem Gebiet der Neuen Musik und Experimentalmusik tätig. Sie war maßgeblich an der Entwicklung der „Echtzeitmusik“-Szene in Berlin beteiligt. Dabei werden Noise, Elektronik, zeitgenössische Komposition, Performance-Kunst und Klangkunst verbunden. Sie ist eine der Ko-Gründer*innen und -Organisator*innen von LABOR SONOR, einer Serie für experimentelle Musik, Film und Performance in Berlin. An der Grenze zwischen Komposition und Improvisation, Elektronik und selbstgemachter Musik, zwischen instrumentaler und performativer Musik kooperiert sie mit Ensembles wie Les Femmes Savantes, Phosphor oder Musiker*innen wie Sophie Agnel, Burkhard Beins, Sabine Ercklentz, Bonnie Jones, Annette Krebs, Hanna Hartman u. a. Sie tritt weltweit bei Konzerten und Festivals auf.
 
Marinate Fish Impro Committee ist eine lose Musikformation, die von Yan Jun initiiert wurde. Die Fluktuation unter den Mitgliedern – meist junge Musiker aus Peking – ist hoch. Seit 2011 wird bei jedem Auftritt ein Name vor dem Titel eingefügt, z. B. „Dachterrassen Impro Committee“ oder „Ostwind Impro Committee“. Neben dem persönlichen Schaffen der einzelnen Mitglieder lotet Impro Committee die Möglichkeiten für unkonventionelle Performances aus. Manchmal folgen die Performances einer gewissen Struktur, manchmal performen die Teilnehmer auch alle individuell, ohne vorherige Absprache. Das Resultat kann ein Spiel oder ein Experiment sein, und manchmal hat es überhaupt nichts mit Musik zu tun. Zu den Mitgliedern, die Verfechter eines Improvisations-Geistes sind, zählen Ake, Zhao Cong, GogoJ, Li Qing, Li Weisi, Huang Ran, Zhu Wenbo, Yan Yulong und Yan Jun.
 

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