Lesung und Gespräch Das Böse lauert überall: Der Fall Collini

Der Fall Collini Der Fall Collini

Sa, 16.02.2019

Goethe-Institut Peking in „798”

Goethe-Institut China
Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District
Beijing

Zeit: 16.02.2019, 15:00 - 16:30
Ort: Goethe-Institut China
Teilnehmende Gäste: Ferdinand von Schirach, A Yi 
Moderation: Dr. Clemens Treter
Sprache: Deutsch, Chinesisch
Eintritt frei
 
Aus Anlass des Erscheinens der chinesischen Übersetzung des Romans „Der Fall Collini“ des deutschen Strafverteidigers und Schriftstellers Ferdinand von Schirach im Jahr 2018, lädt das Goethe-Institut ihn zu einer ersten Reise nach China ein. In einer Lesung am 16. Februar 2019 wird Ferdinand von Schirach sein Buch vorstellen und mit dem chinesischen Schriftsteller A Yi über Literatur, Mensch und Verbrechen diskutieren.
 
Ferdinand von Schirach, 1964 in München geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Er arbeitete 20 Jahre als Strafverteidiger. Mit 45 Jahren veröffentlichte er sein erstes Buch, den Erzählband „Verbrechen“, für den er 2010 mit dem deutschen Literaturpreis Kleist-Preis ausgezeichnet wurde. Bisher erschienen Erzählungen, Romane, Essays und ein Theaterstück. Seine Bücher, in mehr als 40 Sprachen übersetzt, wurden zu millionenfach verkauften internationalen Bestsellern und für Fernsehen und Kino verfilmt.
 
Seine Werke handeln von Verbrechen, Schuld und Strafe. Für Ferdinand von Schirach ist klar: Es gibt die böse Tat und nicht den bösen Menschen. „Es ist in Grunde genommen so, dass wir alle das Gute und das Böse in uns tragen. Es werden keine Menschen geboren, die Verbrecher sind. Sondern in den aller meisten Fällen schaffen die Umstände die Tat“, sagte von Schirach in einem Interview. „Die böse Tat gibt es ganz ohne Zweifel, die gibt es häufig. Der böse Mensch, den habe ich nicht gesehen“.
 
Was treibt einen Menschen, der sich ein Leben lang nichts hat zuschulden kommen lassen, zu einem Mord?
 
Im September 2011 veröffentlichte von Schirach seinen ersten Roman „Der Fall Collini“, der auf Platz 2 der Bestsellerliste des „Spiegels“ einstieg. Der Roman beschreibt den erschreckend milden Umgang der bundesdeutschen Nachkriegsjustiz mit den NS-Tätern.
 
Inhalt: Vierunddreißig Jahre hat Collini als unbescholtener Werkzeugmacher bei Mercedes gearbeitet. Und dann tötet er anscheinend grundlos einen alten Mann. Ein Alptraum für Anwalt Caspar Leinen, der die Pflichtverteidigung übernimmt: Das Opfer, ein hoch angesehener Mann, ist der Großvater seines besten Freundes. Schlimmer noch, Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Leinen beginnt zu recherchieren und stößt auf eine Spur, die ihn mitten hineinführt in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte …
 
„Die Welt“ sprach von einer „glasklaren Geschichte von bestürzender Amoralität“, der „Focus“ von einem „Glücksfall für die deutsche Literatur“. Von Schirach erklärte in einem Interview mit der „Zeit“, dass es ihm nicht um die Frage „Wer war der Mörder?“ gehe, sondern um die Frage „Was ist das Motiv“. Der „Cicero“ schrieb, von Schirachs Sprache sei ausgehärtet und genau kalkuliert, er stelle sich, anders als Bernhard Schlink, vehement auf die Seite der Opfer. Das „Wall Street Journal“ in New York zählte den Roman „Der Fall Collini“ zu den „10 Best Mysteries of 2013“. Das Buch wurde für den Los Angeles Times Book Prize 2014 nominiert und wird im April 2019 in einer Verfilmung von Marco Kreuzpaintner mit dem renommierten Schauspieler Elyas M'Barek in die Kinos kommen.
 
Die Bundesjustizministerin setzte nach dem Erscheinen eine unabhängige Kommission zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit im Bundesministerium für Justiz ein und verwies dabei unter anderem auf den Roman. In einigen Bundesländern ist „Der Fall Collini“ inzwischen Schullektüre.
 
2018 erschien die chinesische Version dieses Romans bei dem People’s Literature Publishing House, übersetzt von Dr. Jing Bartz. Außer „Der Fall Collini“ sind seine Romane „Verbrechen“ und „Strafe“ bereits in China erschienen. Das Goethe-Institut China lädt Ferdinand von Schirach zu einer ersten Reise nach China ein. Am 16. Februar 2019 wird er „Der Fall Collini“ vorstellen und mit dem chinesischen Schriftsteller A Yi über Literatur, Mensch und Verbrechen diskutieren.
 
Der frühere Polizist A Yi beschreibt in mehreren Romanen das Leben von Leuten aus der sozialen Unterschicht Chinas. Er hat sich als ein Schriftsteller, der über die kriminale Geschichte erzählt, verstanden. Ihn interessieren eher die psychischen Beweggründe der Kriminalität als irgendwelche sensationelle Kriminalität, ihm zufolge sei daher das Verbrechen meistens auf einen Zufall zurückzuführen. A Yi wurde 1976 in Jiangxi geboren. Seine Bücher wurden in sieben Sprachen übersetzt. Seine Veröffentlichungen umfassen Kurzgeschichtenbände, Romane und Essays.
 
Die Veranstaltung wird moderiert von Dr. Clemens Treter, Institutsleiter des Goethe-Instituts China.

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