Gastspiel Trommeln in der Nacht

"Trommeln in der Nacht" ©Julian Baumann

13./14.07.2019

Beijing Tianqiao Performing Arts Center (TPAC)

No.9, TianQiaoNanDaJie, XiCheng District
Beijing

Zeit: 13/14.07.2019, 19:30
Sprache der Aufführung: Deutsch mit chinesischen und englischen Übertiteln
Sprache der Einführung: Deutsch/Englisch mit chinesischer Übersetzung
Ort: Beijing Tianqiao Performing Arts Center
Für den Ticketverkauf der Aufführungen besuchen Sie bitte die Website des Beijing Tianqiao Performing Arts Center (http://www.tartscenter.com/item/2133.html).
 
Im Rahmen des „Theatertreffens in China 2019“, präsentiert von Wu Promotion in Kooperation mit dem Goethe-Institut China, wird das Gastspiel „Trommeln in der Nacht“ der Münchner Kammerspiele in der Regie von Christopher Rüping am 13. und 14. Juli 2019 im Beijing Tianqiao Performing Arts Center in Anwesenheit des Regisseurs aufgeführt. Die Zuschauer in Peking haben die Chance, zwei Versionen von „Trommeln in der Nacht“ – einmal von Bertolt Brecht als Liebesgeschichte, einmal nach Brecht als Revolutionsgeschichte – zu sehen.
 
Münchner Kammerspiele, 29. September 1922, Uraufführung „Trommeln in der Nacht“ – Nach jahrelanger Kriegsgefangenschaft kommt ein Mann ins aufständische Berlin zurück. Der erste Weg führt ihn zu seiner einstigen Geliebten. Dort, im Wohnzimmer ihrer Eltern, erfährt er, dass die Frau sich soeben mit einem anderen verlobt hat, einem Kriegsgewinnler, der eines Tages die Fabrik des Vaters in die Zukunft führen soll. Aus Enttäuschung und Wut wendet sich der Mann den sozialistischen Straßenkämpfen zu und wird zum Akteur im Spartakusaufstand gegen die konservative Regierung. Die gewaltsame Besetzung des Zeitungsviertels durch die Aufständischen steht unmittelbar bevor. Da besinnt sich die Frau und verlässt ihren Neu-Verlobten, um ihren einstigen Geliebten zurückzuholen. Dieser, vor die Wahl zwischen seiner Frau und dem Aufstand gestellt, zögert kurz, bevor er sich entscheidet.

Die beiden Versionen von TROMMELN IN DER NACHT - einmal als Liebes-, einmal als Revolutionsgeschichte - werden jeweils am 13. Juli und 14. Juli gespielt:
… TROMMELN IN DER NACHT VON BERTOLT BRECHT
In der Variante, die Brecht 1922 ersonnen und mit der er Zeit seines Lebens gehadert hat, entscheidet Kragler sich für den Rückzug ins Private: Er lässt die Aufständischen stehen und geht mit seiner Frau nach Hause. Termin dieser Version: 13. Juli 2019
… TROMMELN IN DER NACHT NACH BERTOLT BRECHT

In der Variante, die Christopher Rüping gemeinsam mit seinem Ensemble nach Skizzen von Bertolt Brecht entwickelt hat, entscheidet Kragler sich gegen den Rückzug ins Private und für den Aufbruch ins Politische: Er lässt Anna stehen und zieht mit den Revolutionären ins Zeitungsviertel. Termin dieser Version: 14. Juli 2019
 

Die Theatertreffen-Jury formuliert in ihrer Begründung zur Einladung:

Am 29. September 1922 erlebte Bertolt Brechts Stück „Trommeln in der Nacht“ in der Regie von Otto Falckenberg seine Uraufführung an den Münchner Kammerspielen. Rund hundert Jahre später inszeniert Christopher Rüping das Drama dort aufregend neu, indem er dem Gestern huldigt und das Kommende preist. Dabei imitieren die Schauspieler*innen die Spielhaltungen von damals und kontrastieren sie mit den Theaterkonventionen von heute. Erzählt wird die Geschichte des Kriegsheimkehrers Andreas Kragler, der sich zwischen Revolution und Liebe entscheiden muss. Draußen wütet der Spartakusaufstand, drinnen wartet das private Glück. Der junge Brecht schickt ihn in Annas Bett, hadert jedoch später damit. Rüping lässt deshalb eine Version „von Brecht“ und eine „nach Brecht“ spielen. Die Verführungskraft des Theaters steht beide Male außer Frage. In zwei Stunden gelingt dem Ensemble ein immens unterhaltsamer, berührender und bestärkender Abend über die Macht des Theaters, den Aufbruch in neue Zeiten und die Liebe als weites Feld.
 
Besetzung
Mit: Hannes Hellmann, Nils Kahnwald, Christian Löber, Wiebke Mollenhauer, Wiebke Puls, Damian Rebgetz
Regie: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Musik: Paul Hankinson, Damian Rebgetz
Musikalische Beratung: Christoph Hart
Licht: Christian Schweig
Dramaturgie: Katinka Deecke
Dauer der Aufführung: 2 Stunden ohne Pause
 

Christopher Rüping
Der Regisseur Christopher Rüping, 1985 in Hannover geboren, ist seit der Spielzeit 2016/17 Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen. Vor seinem Regiestudium assistierte er in seiner Heimatstadt am Schauspiel Hannover, bis er – zunächst an der Züricher Hochschule der Künste und dann an der Theaterakademie Hamburg – Regie studierte. In Hamburg entstanden auch seine ersten Arbeiten: Auf Kampnagel inszenierte er „Philoktet“ und „Jekyll/Hyde“ und am St. Pauli Theater „Hass“. Außerdem entstand während des Studiums die Arbeit „Illegal“ von Björn Bicker am Theater Kiel. Zudem entwickelte er freie Projekte für Theaterfestivals, wie das Kaltstart-Festival Hamburg oder das Diskurs-Festival in Gießen. 2011 beendete er sein Studium und wurde mit seiner ersten Arbeit am Schauspiel Frankfurt, „Der große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald, gleich zum Festival Radikal jung ans Münchner Volkstheater eingeladen. Mit „Das Fest“, das er am Schauspiel Stuttgart nach dem gleichnamigen Film von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov inszenierte, wurde er 2015 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Und gleich zweimal, in den Jahren 2014 und 2015, wurde Christopher Rüping in der Kritikerumfrage der Theaterzeitschrift „Theater heute“ zum Nachwuchsregisseur des Jahres gewählt. Heute inszeniert Rüping u.a. an den Bühnen in Berlin, Hamburg, Zürich und Stuttgart. Sein Debüt an den Münchner Kammerspielen hatte er in der Spielzeit 2015/16 mit Dostojewskis Romanadaption „Der Spieler“. Seit der Spielzeit 16/17 ist Christopher Rüping Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen. In der Spielzeit 2016/17 war neben „Miranda Julys Der erste fiese Typ“ und seiner „Hamlet“ - Inszenierung auch Rüpings spielzeitübergreifendes Projekt „Das Leben Gebrauchsanweisung“, nach dem Roman von Georges Perec, zu sehen.

In der Spielzeit 2017/18 inszenierte er Bertolt Brechts „Trommeln in der Nacht“ in der Kammer 1, die Inszenierung war 2018 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Mit „Dionysos Stadt“ eröffnet er die Saison 18/19 an den Münchner Kammerspielen.
 
 

Pressestimmen

„The small cast performs with admirable cohesion and intensity, (…). Leaving the theater on the elegant Maximilianstrasse, Munich's Fifth Avenue, you might feel shaken, spent or exhilerated. (...) the sense of discombobulation that Mr. Rüping’s production leaves you with is a small taste of what it’s like to be a stranger in a strange land.“  (New York Times)
 
„Für die ersten beiden Akte wurde das Bühnenbild der Uraufführung rekonstruiert: Windschiefe Wolkenkratzer wie aus Kinderzeichnungen überschatten das Guckkästchen des repräsentativen bürgerlichen Heims. Auch die Gesten und Phrasen der Schauspieler wirken wie ausgeschnitten. Diese Zitatästhetik ist dem Collageverfahren des Textes kongenial. Wenn Wiebke Puls sich als Rabenmutter im expressionistischen Solotanz verrenkt, glaubt man sich in einen Scherenschnittfilm von Lotte Reininger versetzt. Und man sieht: Dass es für Schauspieler in den Kammerspielen nichts mehr zu tun gebe, ist ein Gerücht.“ (FAZ)
 
„Vollends von der historischen Reminiszenz gelöst und gegen den Strich gebürstet ist der vierte Akt. Aber gerade diese überraschende Verweigerung aller Brecht-Konventionen verleiht den Szenen eine wunderbar spröde Poesie.“ (Münchner Merkur)
 
„Mit der Neuinszenierung an den Kammerspielen kann man ein Stück frisch wiedererkennen, das verschwunden war. Die wilde Sprache, die Entlarvung der Phrasen des Bürgers, der Politik in Krieg und Revolution, der „Zeitungen“ (heute: Medien) und des Theaters als Jahrmarktsbude: Das alles zeigt die Geburt des epischen Theaters aus dem Geiste des Panoptikums.“ (Die Abendzeitung)


„Ich würde sogar sagen: Der alte Brecht hat sein jüngeres Ich und dessen Werk „Trommeln in der Nacht“ richtig gehasst und hat Zeit seines Lebens versucht, es zu diskreditieren als „peinliches, dummes“ Werk, rein aus der Absicht geboren, möglichst schnell möglichst viel Geld zu verdienen. Was hat den sonst so eitlen Brecht wohl dazu gebracht, sein Frühwerk mit solcher Vehemenz zu hassen? Ich kann mir vorstellen, dass er sich von TROMMELN bedroht gefühlt hat. Und zwar, weil TROMMELN eine Frage stellt, die der alte Brecht für sich längst beantwortet hat, deren Beantwortung in gewissem Sinne sogar das Fundament seines Schaffens darstellt: Ist es meine Aufgabe, mich politisch einzumischen? Soll (und wichtiger: kann) Theater politisch sein?“
„Also haben wir uns für einen anderen Weg entschieden. Ich bin mir sicher, Brecht hätte sich diebisch darüber gefreut. Also der junge Brecht natürlich.“ ( - Christopher Rüping)
 
 

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