Ausstellung Knowledge Fever

Ausstellung: Knowledge Fever © Karen Wang

Sa, 08.08.2020 -
So, 11.10.2020

Goethe-Institut Peking in „798”

Goethe-Institut China
Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District
Beijing

Eröffnung: 8. August 2020, 15:00 Uhr
Dauer: 8. Aug. 2020 bis 11. Okt. 2020, 12:00-18:00 Uhr, montags geschlossen
Kurator*innen: Liu Ziyuan, Tang Yuzhen
Künstler*innen: Redaktion von „Geprickeltes Papier“ (Chen Yifei, Ou Feihong), Joseph Knierzinger, Li Weiyi, Simon Weckert, Wen Jie Junjie, Zhuang Zexi
Eröffnungsperformance: Wen Jie Junjie: Ausgewälte WIFI-Gedichte: Chengdu - Xining

Auf Einladung des Goethe-Instituts China kuratieren Liu Ziyuan und Tang Yuzhen vom 8. August bis 11. Oktober 2020 die Ausstellung „Knowledge Fever“ im Grey Cube des Instituts im 798 Art District. Ziel der Ausstellung ist es, Mechanismen der Produktion, Verbreitung und des Konsums von Gesamtwissen (Daten, Informationen, Wissen) zu diskutieren und dabei immaterielle Infrastrukturen wie Rechtsgrundlagen, Nutzungsbedingungen von Plattformen und gesellschaftliche Konventionen zu reflektieren. Gleichzeitig versucht die Ausstellung zu erforschen, welche Rolle Faktoren wie Geschwindigkeit, Qualität und Meinung im Zeitalter des von „One Click“ dominierten Internet spielen und wie die schnelleren und alternativen Veröffentlichungsformen digitaler Technologien im Zuge des Vormarschs der ‚Content-Industrie‘ aussehen.

Die Entwicklung einer wissensbasierten Wirtschaft hat nicht nur die Mittel und Wege des Wissenserwerbs revolutioniert, sie bildet auch einen Wirtschaftskreislauf, der von jenen, die Wissen produzieren und verkaufen, aufrecht erhalten wird. Unter diesen Voraussetzungen hat sich die Definition von ‚Wissen‘ in Richtung weniger festgelegter Möglichkeiten verschoben. Die Nutzung fragmentierter Zeit, die Zunahme von Instant-Learning und das Konzept des lebenslangen Lernens sind im Zeitalter der Wissensökonomie, die durch das mobile Internet nur verstärkt wird, gang und gäbe. Das Errichten von Zugangsschranken, ‚Knowledge Broker‘, ‚Head Content‘, ‚Ear Economy‘ (online verfügbare Audio-Inhalte) und so weiter sind an der Tagesordnung. Der Trend zu umfassendem Wissen entwickelt dieses zu Produkten weiter und bietet es von ‚Wissensangst‘ getriebenen Gruppen als Dienstleistung an – von der Reservearmee der Mittelklasse über den Bildungsnachwuchs, der nicht schon den Startschuss verpassen darf bis zur älteren Bevölkerung, damit sie nicht den Anschluss an die technologische Entwicklung verliert.

Die Ausstellung gliedert sich in drei Teile: Der erste Teil konzentriert sich auf „Verlorenes Wissen“ und befasst sich mit der größten Frage-Antwort-Plattform Chinas, mit „Zhihu“, um die Beziehung zwischen der Logik der Plattform und ihren Teilnehmern zu entwirren. Der zweite Teil konzentriert sich auf „verstörende Situationen“ und versucht, die soziale Situation nach dem Umsichgreifen von Desinformation, digitaler Automatisierung, KI-Analyse und anderen Faktoren darzustellen, um aufzuzeigen, welche Macht versteckte Aufrührer in der heutigen Welt innehaben. Der dritte Abschnitt verlagert den Schwerpunkt auf den „Willen zur Selbstverwaltung“. Selbstpublikationen, die unabhängig von lokalen Märkten, Richtlinien und gesetzlichen Vorschriften sind, stehen im Mittelpunkt der Beobachtung. Durch die Linse experimenteller und autonomer Publikationen wird die Vielfalt der Produktion und Verbreitung aus entgegengesetzter Richtung beobachtet. Die Ausstellung „Knowledge Fever“ erstreckt sich vom „Grey Cube“ bis in die Bibliothek und die Toiletten des Goethe-Instituts.

Darüber hinaus haben die Kurator*innen beteiligte Künstler*innen, Herausgeber*innen und Celebritys der internetbasierten Wissensvermittlung in sechs Gruppen eingeladen, je ein Artefakt zu wählen, das in Verbindung mit den Werken steht, um ihre Gedanken und Erkenntnisse während des kreativen Prozesses zu teilen. Als Wissensproduktion wird der Inhalt dieser Gespräche vor Ort parallel zur Ausstellung in Form eines "Installationshandbuchs" präsentiert.

 

Eröffnungsperformances

Ausgewählte WIFI-Gedichte: Chengdu – Xining
Der Künstler verwendet mehrere Audioplayer, in denen WIFI-Signalnamen, wie sie entlang der Zuglinie K1058 verwendet werden, gespeichert sind und installiert sie in verschiedenen Bereichen rund um die Bühne. Er setzt einen Unterbrechungsbefehl, der die punktförmige räumliche und zeitliche Verteilung der WIFI-Signale darstellt. Er sucht physisch nach diesen WIFI-Signalen und spricht die entsprechenden Link-Codes, um den poetischen Text auditiv erfassbar zu machen.

Workshop „Geprickeltes Papier“
In dem Workshop will das Redaktionsteam von „Geprickeltes Papier“ vermitteln, dass es sich nicht um ein geschlossenes, eindimensionales Kunstprojekt handelt, sondern um eine Gelegenheit, bei der jeder auf einfache Weise anhand von Zeichnungen, Bildern, Holzschnitten und mithilfe eines einfachen Heimdruckers Drucksorten selbst herstellen kann. Wenn das Recht auf Meinungsäußerung und Kommunikation, dessen sich in früheren Zeiten jeder im Internet erfreuen konnte, heute ständig auf Widerstand stößt und erstickt wird, können wir unsere Ausdrucks- und Kommunikationsmittel mit den Mitteln der Selbstpublikation erweitern und ausdehnen und dabei langsam ein kleines Jugendnetzwerk aufbauen.

Zeit: 9. August, 14:00 – 16:00 Uhr
Veranstaltungsort: Goethe-Institut
Adresse: Originality Square, 798 Art District, No. 2 Jiuxianqiao Road, Chaoyang District, Beijing
Eintritt frei

 

Teilnehmende Künstler*innen

Redaktion von „Geprickeltes Papier“
(Chen Yifei, Ou Feihong)


„Geprickeltes Papier” ist Lesestoff, der sich auch für die Toilette eignet. Im Moment wird die Zeitschrift unregelmäßig aktualisiert, wobei der Umschlag einer jeden Ausgabe aus Holzschnitten eines anderen Künstlers besteht, während die Innenseiten auf einem Heimdrucker gedruckt werden. Das Prozedere zum Einwerben von Manuskripten und das Layout-Format ändern sich je nach Thema der Ausgabe. „Geprickeltes Papier“ präsentiert sich in einem groben, handwerklichen Stil und vermag seinen täglichen Betrieb aufrechtzuerhalten, indem es sich in kleiner Auflage verkauft. Für die Zukunft ist geplant, dass der gesamte Arbeitsprozess von verschiedenen Personen und Organisationen in verschiedenen Regionen übernommen und so ein Netzwerk für den Betrieb händisch produzierter Publikationen aufgebaut wird.

Die Redaktion besteht im Moment aus Ou Feihong und Chen Yifei.


Ou Feihong

Geschäftsführer der Huangben Guangda Galerie, Redaktionsmitglied von „Geprickeltes Papier“


Chen Yifei

1996 in Zhangpu, Fujian, geboren. 2018 Abschluss am Department für Holzschnitt, Central Academy of Fine Arts (CAFA), Beijing. Lebt in Guangzhou. Mitglied der Künstlergruppe Jiashan Gailiang, Redaktionsmitglied von „Geprickeltes Papier“.


Joseph Knierzinger

Joseph Oliver Anton Kneisinger (Joak) widmet sich der Erforschung vergangener, gegenwärtiger, zukünftiger und anachronistischer Medien, Technologien und chaotischer Zustände in Geschichte und Politik sowie der Entwicklung kostenloser / freier / quelloffener Software, wobei er neueste Medien und veraltete Technologien kombiniert. Seine Arbeiten, Performances und Vorträge wurden bei Ausstellungen, Festivals und an Universitäten in Belgien, Bulgarien, China, Deutschland, Italien, Katalonien, Kroatien, Kugelmugel, der Mongolei, den Niederlanden, Russland, Slowenien und Österreich präsentiert. Derzeit arbeitet er in Wien an verschiedenen Logiken und Algorithmen.
https://joak.nospace.at


Li Weiyi

Li Weiyi ist Künstlerin (weiyi.li), Designerin (weiyiandfriends.com), Kuratorin (bigbadgallery.com), Herausgeberin (re-publication.com), Inhaberin eines Lebensmittelladens (currently-available.com). Sie lebt und arbeitet in den oben genannten fünf Weblinks.


Simon Weckert

Simon Weckert ist ein in Berlin lebender Künstler. Er teilt gerne sein breites Wissen – von generativem Design bis hin zu Physical Computing. Weckerts Arbeit konzentriert sich auf die digitale Welt, auf Codes und Electronics, wobei er immer aktuelle gesellschaftliche Aspekte berücksichtigt, sowie auf die Untersuchung von Technologie und die Diskussion aktueller sozialer Fragen.
http://simonweckert.com/


Wen Jie Junjie

Wen Jie Junjie wurde 1980 in Hunan geboren und schloss 2004 sein Studium der Informatik an der Central South University ab. Er arbeitete von 2004 bis 2007 in Zhuhai und übersiedelte 2008 nach Peking, wo er sich der Erforschung computergestützter drahtgebundener und drahtloser Konnektivität aus der Perspektive sozialer Netzwerke, Informationsknoten und relationaler Verbindungen widmet.


Zhuang Zexi

Zhuang Zexi ist Künstler, Influencer, Kunstkritiker, Übersetzer und Lektor von Kunstbüchern, Berater für Kunststudienkurse im Ausland und im Verkauf von Kunstwerken, in der Content-Entwicklung und Digitalisierung von Exponaten tätig. Diplom der Kunstakademie Rom. Zhuang arbeitete am Leonardo da Vinci Language Center (Beraterin für Auslandsstudienkurse), bei Marino Kulturprojekte in Rom (Digitalisierung von Exponaten), bei der Galleria Marino (Kunstverkauf), bei Wallector.com (künstlerische Content-Entwicklung) und bei Yell Space in Shanghai (Media Director). Zhuang Zexi betreibt die folgenden Plattform-Accounts: Jiceart, Zhuang Zexi. Zu seinen wichtigsten Übersetzungen gehören: „Illustrierte Europäische Kunstgeschichte – Zeitgenössische Kunst“ (UnRead), „Die Struktur des menschlichen Körpers – Lehrbuch der Anatomie der acht italienischen Akademien“ (Hunan Fine Arts), Katalog der Shanghai Biennale 2018; drei Monographien zu Leonardo da Vinci von Carlo Pedretti und anderen wichtigen Gelehrten (Hunan Fine Arts).

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