Beijing Fringe Festival Online-Theater „zeitfuereinander.com“

Screenshot aus © zeitfuereinander.com Screenshot aus © zeitfuereinander.com

Sa, 24.10.2020 -
So, 25.10.2020

20:00

Die Corona-Pandemie 2020 hat für die Theaterarbeit Herausforderungen, aber auch neue Chancen mit sich gebracht. Während Aufführungen, Gastspiele und Theaterfestivals abgesagt oder verschoben werden, versuchten immer mehr Theatermacher*innen, Onlineformate zu entwickeln, und die ästhetischen und inhaltlichen Dimensionen des Online-Theaters zu erweitern. Im Oktober 2020 lädt das Goethe-Institut China in Kooperation mit dem 13. Beijing Fringe Festival den Theaterkritiker und Co-Redaktionsleiter des Theaterportals nachtkritik.de, Christian Rakow, ein, ein deutschsprachiges Programm für die Sektion „Online-Theater“ im Rahmen des Beijing Fringe Festivals zu kuratieren. Dabei wurden drei bemerkenswerte deutschsprachige Online-Theaterproduktionen ausgewählt, die während der Pandemie entstanden sind: „Wir sind noch einmal davon gekommen“ (nach Thornton Wilder, Regie: Marcel Kohler, Theaterakademie August Everding), „zeitfuereinander: Staffel 1 und 3“ (Regie: Anne Lenk, Camill Jammal und Philipp Arnold) und „Dekalog: Episode 5, 7 und 8“ (Regie: Christopher Rüping, frei nach der Filmreihe Krzysztof Kieślowski, Schauspielhaus Zürich). Sie werden jeweils am 17/18. Oktober, 24/25. Oktober und am 31. Oktober 2020 live auf bilibili.com übertragen. Wir freuen uns besonders, dass Christopher Rüping am 31. Oktober 2020 am Q&A im Anschluss an das Screening teilnehmen wird, um sich mit chinesischen Theatermacher*innen und Zuschauer*innen auszutauschen.
 

Online-Theater „zeitfuereinander“
Staffeln 1 (1-3): 24.10.2020, 20:00
Staffeln 1 (4, 5) & Staffeln 3 (Ronny): 25.10.2020, 20:00
Für den bilibili-Link scannen Sie bitte den QR-Code:
Online-Theater „zeitfuereinander.com“ Live-Streaming Code

 
zeitfuereinander
Staffeln 1 und 3 (Protagonist Ronny)


Regie: Anne Lenk, Camill Jammal und Philipp Arnold
Dauer von Staffel 1 plus Staffel 3 (Auszug): ca. 3 Stunden
Freie Produktion
In den frühen Tagen der Corona-Theaterschließungen haben Regisseurin
Anne Lenk, Camill Jammal und eine Gruppe von Schauspieler*innen eine improvisierte Speed-Dating-Serie entwickelt und auf der eigens eingerichteten Website zeitfuereinander.com veröffentlicht. Ähnlich wie in Arthur Schnitzlers erotisch-gesellschaftskritischem Klassiker „Reigen“ verfolgt man, wie sich in kleinen Zoom-Gesprächen amouröse Abenteuer anbahnen und blickt zugleich in das Milieu der urbanen neuen Mittelschichten.

Die Serie lebt von Improvisation und Spontanität. Alle Schauspielenden erhielten vor der Film-Aufzeichnung lediglich ihre Figurennamen und ein Set an Eigenschaften zugewiesen. Dazu gab es kurze Instruktionen fürs Zoom-Bühnenbild. Auf dieser Basis wurden die Zusammentreffen im Dating-Kanal aus dem Stehgreif realisiert. Über ihr Gegenüber waren sie nicht informiert, sodass sich ein starker Realismuseffekt einstellte, wenn die Spielenden unvermittelt auf ihnen bekannte Schauspielerkolleg*innen trafen und die Mischung aus Überraschung, Fremdheit und Vertrautheit sich direkt ins Kennenlernspiel der Figuren übertrug.

In jeder Staffel werden die Paare rundenweise reihum durchgemischt,  wodurch die Zuschauer*innen, die dem Geschehen gleichsam wie Voyeure beiwohnen, schon bald einen Wissensvorsprung gegenüber den Figuren haben. Man lernt die Ausdruckssprache genau lesen, erahnt Muster und Strategien in den sich anbahnenden Liaison, kennt die Routinen der Figuren.

Die Web-Serie „zeitfuereinander“ versammelt in ihren drei Staffeln zahllose führende Schauspieler*innen aus großen deutschen Stadttheatern in Düsseldorf, München, Hannover, Berlin und Nürnberg. Auf dem Fringe-Festival wird die erste Staffel im Komplettdurchlauf gezeigt. Aus Staffel 3, die schwulen Begegnungen gewidmet ist, werden die Datings eines einzigen Protagonisten „Chris“ präsentiert.

„zeitfuereinander“ gilt als Paradebeispiel eines ungeschliffenen, spontanen Netztheaters, das die Unmittelbarkeit der Schauspielprobe zum realistischen Kammerspiel im Webformat erhebt.
 

Über das Regieteam:
Anne Lenk, geboren 1978, ist Hausregisseurin am Staatstheater Nürnberg. Sie inszeniert an führenden Theatern im gesamten deutschsprachigen Raum und wurde 2020 mit ihrer Inszenierung von Molières „Der Menschenfeind“ (aus dem Deutschen Theater Berlin) erstmals zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Camill Jammal, geboren 1985 in Heidelberg, ist Schauspieler und Musiker. Er war am Schauspiel Hannover und am Deutschen Theater Berlin engagiert. Seit 2019 ist er Ensemblemitglied des Residenztheaters München.

Philipp Arnold, geboren 1990 in Leverkusen, ist seit der Spielzeit 2015/16 fester Regieassistent am Deutschen Theater Berlin, wo er auch erste eigene Regiearbeiten zeigte.
 

Credits

zeitfuereinander
Staffel eins und Staffel zwei

Eine Zusammenarbeit von: Alexander Khuon, Anne Lenk, Britta Hammelstein, Camill Jammal, David Rott, Franziska Machens, Judith Bohle, Lisa Hrdina, Nikola Lenk, Philippe Goos, Tjark Bernau
Spiel: Alexander Khuon - Steven von Bitzzelslöwen, Britta Hammelstein - Meike, Camill Jammal - Tobias Weinberger, David Rott - Torro (Thorsten Jens Pitcher), Franziska Machens - Emma Friedel, Judith Bohle - Mascha Ebel, Lisa Hrdina - Miroslawa, Nikola Lenk - Colette Sanders, Philippe Goos - Hinnerk Weiland, Tjark Bernau - Karsten Tjark Brehm.
Musik/Schnitt: Camill Jammal, Figurenentwicklung/Dramaturgie: Anne Lenk, Grafische Gestaltung: Judith Oswald, Assistenz: Kathleen Schulken.
 

Staffel drei
Eine Zusammenarbeit von: Anne Lenk, Bernd Moss, Camill Jammal, Christoph Luser, Isaak Dentler, Kathleen Schulken, Mehmet Sözer, Michael Goldberg, Philipp Arnold, Yascha Finn Nolting.

Spiel: Bernd Moss  (DT Berlin) - Tadeusz, Christoph Luser (Burgtheater Wien) - Michi, Isaak Dentler (Schauspiel Frankfurt) - Ronny, Mehmet Sözer - Orhan, Michael Goldberg (Residenztheater München) - Chris, Yascha Finn Nolting (Staatstheater Nürnberg) – Philipp.

Musik und Schnitt: Camill Jammal, Figurenentwicklung/Dramaturgie: Anne Lenk, Camill Jammal, Philipp Arnold, Grafische Gestaltung: Judith Oswald, Assistenz: Kathleen Schulken.
 

Über den Kurator:
Christian Rakow, geboren 1976 in Rostock, studierte Germanistik und Philosophie in Rostock, Sheffield und Berlin und promovierte in Literaturwissenschaft (Deutsche Philologie) in Münster. Er lebt in Berlin und ist Co-Redaktionsleiter des Theaterportals nachtkritik.de, der größten Online-Theaterplattform in deutschsprachigen Raum. Als Kritiker schreibt er zudem für das Fachblatt „Theater heute“ und die Berliner Zeitung. Er war Mitglied der Jury des Berliner Theatertreffens 2017–2019 und Juror beim Mülheimer Dramatikerpreis 2014.
 

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