Goethe Open Space 2020 Silent Visions

Silent Visions © AKuB

Exhibition Period: 11 July – 4 October 2020, Monday – Friday, 10:00–18:30

Abteilung Kultur und Bildung

101 Cross Tower, 318 Fu Zhou Road
Shanghai

Im Rahmen des Programms Goethe Open Space stellt die Abteilung Kultur und Bildung seit 2012 ihre Räumlichkeiten als Open Space und Open Gallery zur Verfügung und fördert junge, aufstrebende chinesische Künstlerinnen und Künstler, die ihre Ideen jenseits von Universitäten und kommerziellem Druck ausprobieren sowie ihre Gedanken und Visionen mit der Kunstszene und einem breiteren Publikum diskutieren möchten.

Am 11. Juli 2020 eröffnete die Einzelausstellung „Silent Visions“ der Künstlerin Zhou Jiayi, die eine Auswahl ihrer Gemälde, Druckgrafiken und Skulpturen zeigt.  Diese Arbeiten, kuratiert von Han Bo, vermitteln ein Gefühl von Unschuld, die fast unmöglich zu erreichen scheint und spiegeln Momente im Leben einer gehörlosen Frau, Künstlerin und Mutter wieder. Die Arbeiten laden die Betrachtenden ein, ihre intuitive Inspiration, Vision und Energie von innen heraus zu sehen und ermöglichen einen sehr persönlichen Zugang in eine Welt ohne Geräusche und Töne.

In Zhou Jiayis Werken, so taub und stumm sie auch sein mögen, wird der Welt allerdings weder Farbe noch Musik vorenthalten. Satte Farben und komplizierte Linien verbinden sich organisch miteinander, um eine Polyphonie zu erschaffen, die vertikale Melodien und horizontale Akkord enthält und eine Klanglandschaft bietet, die weitaus optimistischer und energischer ist als das, was unsere Ohren normalerweise erfassen können. Diese Strukturen sind die Externalisierung der kreativen Impulse, die in Zhous Gedanken eingebettet sind, so real und brennend, dass sie begierig darauf ist, einen Ausgang für diese sensorische Energie zu finden, die in ihr schlummert. Sie nutzt künstlerische Synästhesien und schafft es, ein ungezügeltes Gefühl der Freiheit und des Friedens zu finden. Während dieses Prozesses ist der schönste Moment, wenn die in der Realität erlebte Hilflosigkeit beiseitegelegt wird und spontane Momente der Sympathie und Liebe entstehen.

Künstlerin
Zhou Jiayi
Zhou Jiayi © Zhou Jiayi Die Kunst ist ihre Muttersprache, da Zhou Jiayi schon in jungen Jahren taub wurde.

Zhou Jiayi ist eine gehörlose Künstlerin aus Shanghai. 2004 schloss sie ihr Studium am Shanghai Institute of Technology mit Auszeichnung ab und erhielt einen Bachelor of Arts in Environment Art Design. Bis zu diesem Zeitpunkt kommunizierte sie lediglich über ihre beiden Muttersprachen: schriftliches Mandarin und Chinesische Gebärdensprache (CSL). Seit ihrem Studium in den Vereinigten Staaten von Amerika beherrscht sie die englische und amerikanische Gebärdensprache (ASL). Zhou Jiayi studierte an der Gallaudet University und erhielt mit Auszeichnung einen doppelten Bachelor of Arts in Graphic Design und Studio Art 2D. Sie gewann ein Nippon World Deaf Leadership-Stipendium und absolvierte ein Masterprogramm in International Development. 2012 erwarb sie ihren M.A.-Abschluss mit Auszeichnung an derselben Universität.

Während ihres College-Lebens an der Gallaudet University arbeitete Zhou Jiayi als studentische Hilfskraft bei multikulturellen Studierendenprogrammen. Sie koordinierte den Turn-A-Page-Together-Buchclub und organisierte Kulturveranstaltungen wie das Unity Festival und Erase the Hate Event.

Im weiteren Verlauf arbeitete Zhou Jiayi als Regieassistentin im Büro für Forschungsunterstützung und internationale Angelegenheiten an derselben Universität. Sie übernahm die Hauptverantwortung für das China Study Abroad-Programm, unterrichtete Gallaudet-Studierende in chinesischer Gebärdensprache und chinesischer Kultur und arbeitete als ASL/CSL-Dolmetscherin und Chinesisch-Englisch-Übersetzerin.

Sie absolvierte ein Praktikum bei The Arts bei der Disabled Association (ADA) in Hongkong und unterstützte Künstler*innen mit Behinderungen in Trainings und Art Link Workshops. Sie absolvierte ein weiteres Praktikum in der Abteilung für öffentliche Angelegenheiten der National Endowment for the Arts in Washington, DC, wo sie Schreib-, Forschungs- und Werbeaufträge durchführte sowie bei besonderen Veranstaltungen wie dem Poetry Out Loud National Finals assistierte.

2019 arbeitete Zhou Jiayi als Projektmalerin für den ersten Starbucks Signing Store in Guangzhou. Ihr Gemälde wurde für Postkarten, Notizbuchillustrationen und Handtaschen verwendet.

Neben ihrer künstlerischen Berufserfahrung nahm Zhou Jiayi an verschiedenen Aktivitäten und internationalen Konferenzen teil, wie dem Salzburger Seminar „People, Peace and Planet in 2030: Shaping Inclusive and Sustainable Growth“ (Kyoto und Tokyo, Japan), einer Führungskonferenz zu internationalen Behindertenrechten im US-Außenministerium (Washington, DC, USA), Frauen-Weltkongress: „Inclusions, exclusions, and seclusions: Living in a globalized world“ (Ottawa, Kanada), First evening of poetry, music, and spoken word mit Präsident Obama und seiner Familie im Weißen Haus usw.

Zhou Jiayi zeigte ihre künstlerischen Arbeiten in Einzelausstellungen u.a. im Jockeys Club Creative Arts Center in Hong Kong, im VSA in Bosten und an verschiedenen Kunstorten in Washington. Bei Gruppenausstellung waren ihre Werke in Seoul, Shanghai und Washington zu sehen wie auch in der Texas School for the Deaf in Texas, USA. Ihre Ölgemälde “Red Childhood” und “Shanghai ∙ Home ∙ Me” waren nominiert für die Shanghai Youth Art Exhibition, letzteres Werk wurde zudem mit dem Mengguang-Preis ausgezeichnet.

Kurator 
Han Bo
Han Bo © Han Bo
Dichter, Künstler, Schriftsteller, Dramatiker und Reiseschriftsteller.
Abschluss an der Fudan University in China.
Ehrenautor der University of Iowa.

Han Bo veröffentlichte die chinesische Gedichtsammlung „Borrowing Deep Heart“ und „Temple of Arrival and Departure“, die englische Gedichtsammlung „The China Eastern Railway“, die russische Gedichtsammlung „A Bankett of Knots“ und die deutsche Gedichtsammlung „China Box“ (Sammlung). Er publizierte den Roman „A life or suite with three bedrooms, one living room and one dining room“ sowie sieben literarische Reisebücher, darunter „Following in the footsteps of Dionysus“ und „Saints and Graffiti: Travel through heterotopia“.

Han Bo nahm 2009 am internationalen Schreibprogramm der Universität von Iowa in den USA teil, 2014 am 37. englisch-französischen Poesiefestival in Paris, 2015 am 16. Internationalen Poesiefestival Berlin in Deutschland sowie 2017 und 2019 an der 10. und 11. Moskauer Dichterbiennale in Russland.

Seit 2017 ist Han Bo mit Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung und des Berliner Literaturverbandes mehrmals in Deutschland gewesen, um zeitgenössische Malerei zu studieren. 2018, unterstützt von der Henry-Luce-Stiftung der Vereinigten Staaten, arbeitete er im Dichter- und Künstleratelier von Vermont.

2019 gewann die englische Version seiner Gedichtreihe „The Western Days“ (übersetzt von Catherine Platt) den International Literary Translation Award des „Asymptote Journal“.

Als Dramatiker hat Han Bo das EWOOD-Bühnendrama-Studio eingerichtet und dort mehr als zehn Drama-Werke produziert, darunter „The chair doesn't know“, „The new classic of mountains and seas“. Als Künstler haben seine Werke in der Malerei, Fotografie und Installationskunst an zahlreichen Ausstellungen in Shanghai, Hongkong, Moskau und anderen Orten teilgenommen. Als Chefredakteur wirkte er in China in vielen Wochenzeitschriften wie Redeo und The Bund mit.


 

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