Vortrag und Diskussion Geschichte der Science-Fiction in Deutschland und China

Filmstill © "Metropolis"

Sa, 23.03.2019

Goethe-Institut Peking in „798”

Goethe-Institut China
Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District
Beijing

Veranstalter: Goethe-Institut China
Partner: Future Affairs Administration
Zeit: 23.03.2019, 17:00 - 19:00
Ort: Goethe-Institut China
Referenten: Georg Seeßlen, Yan Peng
Sprache: Deutsch und Chinesisch mit simultaner Übersetzung
Eintritt frei
 
Am 23. März 2019 findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Science Fiction zwischen Ideen und Träumen“ ein Vortrag mit Diskussion im Goethe-Institut China statt. Gemeinsam mit dem Kurator und Filmwissenschaftler Georg Seeßlen sowie dem Filmkritiker Yan Peng blicken wir auf die Geschichte des Science-Fiction-Films in Deutschland und China.

Der große Erfolg des Sci-Fi-Blockbusters „The Wandering Earth“ gab in China den Anstoß für eine öffentliche Debatte die sich unter dem Titel „2019: der Beginn der chinesischen SciFi-Ära“ zusammenfassen ließe. Es ist allerdings nicht so, dass Science-Fiction nicht schon früher in der chinesischen Filmgeschichte vertreten gewesen wäre - „Visiting Shanghai after Sixty Years“ ist der älteste chinesische Film mit Science-Fiction-Thematik, und der stammt bereits aus dem Jahr 1938. Wie „The Wandering Earth“ ist „Death-Ray on The Coral Island“ (1980), der erste chinesische Sci-Fi-Film nach der Kulturrevolution, eine Adaption des gleichnamigen Romans eines Sci-Fi-Autors, in dem deutlich der Einfluss des Kalten Kriegs zu spüren ist. Und den Pioniergeist von „Dislocation“ (1986) in der Regie von Huang Jianxin wird das Publikum auch heute noch immer bewundern: Im Film erhebt sich ein bionischer Roboter gegen seinen Schöpfer, während die Geschichte zugleich eine harsche Kritik an der damaligen Bürokratie darstellt. Beide Filme stehen exemplarisch für die Auseinandersetzung mit der Sci-Fi-Thematik aus chinesischer Perspektive. Jedoch ist es der chinesischen Science-Fiction bisher noch nicht gelungen, sich zu einem ausgereiften, etablierten Filmgenre zu entwickeln.

Bei einem Gespräch mit Liu Cixin antwortete der Science-Fiction-Autor auf die Frage nach dem Unterschied zwischen westlicher und chinesischer Science-Fiction, die erstere sei tief im Inneren vom Christentum geprägt und häufig eine Form biblischer Geschichte mit technologischem Beiwerk. Georg Seeßlen scheint das eine wichtige Beobachtung, vor allem hinsichtlich der angelsächsischen Science-Fiction. Für das Genre in Deutschland gelte dies aber eher weniger. Hier nämlich sei Science-Fiction, so Seeßlen, stets in erster Linie eine Auseinandersetzung um Ideologie, oder - um das meist unübersetzt bleibende deutsche Wort zu benutzen - um „Weltanschauung“. Von seinem Beginn an stehe das literarische, vor allem aber das filmische Genre, im Verdacht, entweder Propaganda für eine bestimmte Staats- und Gesellschaftsform zu sein (in „Metropolis“ wurde zumindest eine Versöhnung von Arbeit und Kapital vermutet, die der nationalsozialistischen Idee einer „Allianz von Hand und Hirn“ entgegen gekommen wäre) oder aber eine solche offen oder verdeckt zu kritisieren oder zu transzendieren (die Gesellschaftskritik ist am meisten ausgeprägt in den wenigen Versuchen des Neuen Deutschen Films mit dem Genre, insbesondere in Rainer Werner „Fassbinders Welt“ am Draht).

Nach zwei Vorträgen von Georg Seeßlen und Yan Peng, jeweils zur deutschen und chinesischen Geschichte des Science-Fiction-Films, diskutieren die beiden miteinander sowie mit dem Publikum.

Georg Seeßlen ist Autor, Feuilletonist, Cineast sowie Film- und Kulturkritiker. Seine Kritiken einzelner Filme sowie seine Bücher sind stets auch kritische Auseinandersetzungen mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. In neueren Veröffentlichungen wie „Orgasmus und Alltag“ setzt sich Seeßlen auch mit dem Fernsehen auseinander, außerdem mit aktuellen politischen Ereignissen und Prozessen. Er war Dozent an verschiedenen Hochschulen im In- und Ausland und arbeitet als freier Autor u. a. für „epd Film“, „Frankfurter Rundschau“, „Der Tagesspiegel“, taz und „Die Zeit“.     
       
Yan Peng (Künstlername: The Electronic Knight), Mitglied der Association of Popular Science Writers, Filmkritiker. Er war Chefredakteur von „Global Screen“, leitender Redakteur von Mtime, stellvertretender General Manager von Beijing Gallopping Horse Film & TV Production und Vizepräsident von Zhu Can Film & TV Production. Derzeit ist er Creative Chef von Yoozoo.

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