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Editorial
Über diese Ausgabe

Nähe hat viele Dimension – wir erleben sie als physischen Kontakt, als emotionale Bindung zu anderen oder als Zugehörigkeit zu kulturellen Kontexten. In Zeiten von Social Distancing stellt sich die Frage: Wie viel Nähe brauchen wir? Autorinnen und Autoren aus Südamerika und Deutschland beschreiben ihre Perspektiven auf Nähe und Distanz im Kontext der Pandemie und über diese hinaus.

Nähe und Distanz erleben wir in verschiedenen Formen und Kontexten, etwa physisch, emotional und kulturell. Wir erfahren sie dabei nicht nur passiv, vielmehr stellen wir Nähe ebenso wie Distanz aktiv her. Formen der Annäherung sind ebenso wie Phänomene der Abgrenzung teils bewusste, teils unbewusste Handlungen, die unser Zusammenleben bestimmen. Das richtige Verhältnis von Nähe und Distanz mag sich zudem für jeden Menschen anders darstellen und muss permanent neu austariert werden.
 
Die Pandemie rückt vor allem die physische Nähe in den Fokus. Wie sehr brauchen wir die Begegnung mit anderen Menschen? Inwiefern ist direkter Augenkontakt doch etwas anderes als Kommunikation per Videokonferenz? Die Pandemie führt zu einer Neubewertung beide Begriffe – Nähe wird plötzlich gesundheitsgefährdend, Distanz rettet Leben. Beides ist dabei nie ohne Privilegien zu denken. So formuliert es Julia Kopatzki in ihrem Beitrag im Magazin: „Distanz ist kostbar, sie entscheidet über Leben und Tod“ und verweist damit auf die soziale Ungerechtigkeit der Pandemie: Sich von anderen distanzieren zu können ist ein Luxus, den man sich leisten können muss.
 
Darauf nimmt auch Anna Azevedos Beitrag zur sozialen Abgrenzung in brasilianischen Städten Bezug. Räumliche Nähe wird hier über Architektur bewusst verhindert, Nähe soll nur zur eigenen sozialen Gruppe zulässig sein, mit fatalen Folgen für das Stadtbild und die Sicherheit aller. Eine Beziehung der verleugneten Nähe zeichnet auch Maribel Mora Curriaos Beitrag zu den indigenen Bevölkerungen Südamerikas nach.

Und wie steht es um unser Verhältnis zu Tieren – warum fühlen wir uns den einen so nah, während wir die anderen ohne jegliche Empathie eher als Produkt denn als Lebewesen betrachten?
 
Diese Ausgabe des Humboldt-Magazins wirft darauf einige Schlaglichter und hofft, zur, nun ja, Annäherung an dieses komplexe Phänomen beizutragen.


ÜBER DAS HUMBOLDT-MAGAZIN

Zwischen 1959 und 2013 erschien das Humboldt-Magazin als Printmagazin für den Dialog zwischen Deutschland und Südamerika, mit Beiträgen aus Kunst, Kultur und Gesellschaft. Seit 2013 wird Humboldt online auf den Websites der Goethe-Institute in Südamerika publiziert. Ab Mai 2018 entstehen jährlich zwei Ausgaben des Magazins zu Themenschwerpunkten, die eng an den Themen und Projekten der Goethe-Institute in Südamerika ausgerichtet sind.

Bei allen Beiträgen stehen die engen Verbindungen zwischen Südamerika und Deutschland beziehungsweise Europa im Vordergrund. Das Humboldt-Magazin fördert den transkontinentalen Dialog und gestaltet den Austausch zwischen allen beteiligten Ländern. Dabei stellt das Magazin konträre und kontroverse Positionen vor und einander gegenüber, und bietet Anlass für Auseinandersetzung und Diskussion. Die Beiträge kommen unter anderem aus Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile, Kolumbien, Uruguay, Peru und Venezuela.

 

 

Redaktion Humboldt-Magazin


Soraia Vilela, Dr. Hernán D. Caro

redaktion-saopaulo@goethe.de

 




 

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