Berlinale-Blogger 2017
Eine Hymne an das Leben

Chavela von Catherine Gund, Daresha Kyi
© Alicia Perez-Duarte

Der Dokumentarfilm „Chavela“, der in der Sektion Panorama vorgestellt wurde, ist eine interessante Erzählung über die vielseitigste Sängerin Mexikos. Ihre packende Biografie lässt niemanden unberührt.

Chavela Vargas ist eine der bekanntesten und am meisten verehrten Sängerinnen Mexikos. Allerdings kennen nicht viele Menschen die Einzelheiten aus dem Leben dieser Künstlerin, die Schranken niederriss und die Gesellschaft ihrer Epoche in Empörung versetzte. Die Premiere des Films warf Licht auf bisher unbekannte Seiten der Sängerin, wie ihren temperamentvollen Charakter, ihre Homosexualität und ihre Anziehungskraft, die sie für jede Frau, die sie erobern wollte, unwiderstehlich machte – von der Künstlerin Frida Kahlo bis zum Hollywood-Star Ava Gardner.
 
Chavela Vargas wurde in Costa Rica geboren und wanderte schon in jungen Jahren nach Mexiko aus, auf der Flucht vor einer sehr konservativen Gesellschaft und einer Familie, in der sie sich immer wie das schwarze Schaf vorkam. „Mexiko hat mich zur Frau gemacht“, sagt die Protagonistin an einer Stelle des Films. Dort startete Chavela ihre musikalische Laufbahn und fand ihren Platz in der pulsierenden Kulturszene jener Epoche.
 
Der Film erzählt von verschiedenen Begegnungen mit Frauen, die sie liebten, sie berieten oder einfach nur bewunderten. Ihre Aussagen wechseln sich mit Passagen eines langen Interviews ab, das vor über 25 Jahren aufgezeichnet wurde. Damals war sie bereits 71 Jahre alt und hatte die Bühne wegen ihrer Alkoholsucht verlassen. Dazwischen eingestreut sind immer wieder einige ihrer bekanntesten Lieder, die ein überragendes Portrait skizzieren.
 
Darüber hinaus zeigt der Film auch Szenen ihrer legendärsten Auftritte, wie in Acapulco, Paris oder Madrid, sowie von Menschen, die sie verehrten oder liebten. Zu denen zählt auch der spanischen Filmregisseur Pedro Almodóvar, der sie während ihrer langen Reise durch Europa in der letzten Phase ihrer Karriere unter seine Fittiche nahm und ihre Stimme in einigen seiner Filme verwendete.

Die Zusammenstellung all dieses Materials, von dem Interview bis zu all den Einzel-Statements, dauerte Jahrzehnte. Es wurde nun endlich zum ersten Mal auf der Berlinale vorgestellt, fünf Jahre, nachdem Vargas mit 93 Jahren gestorben war.