Schnelleinstieg:

Direkt zum Inhalt springen (Alt 1) Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)
Goethe on demand: Filmreihe Happy Birthday!

Goethe on Demand: die Streaming-Plattform des Goethe-Instituts
Happy Birthday!

Im Jahr 2022 feiern wir die Geburtstage von FilmemacherInnen, DrehbuchautorInnen, SchauspielerInnen, Kameraleuten, EditorInnen des zeitgenössischen deutschen Kinos, und wie könnte man sie besser ehren als mit ihren eigenen Werken?   
 
Jeden Monat werden wir ein anderes Geburtstagskind feiern, indem wir einen seiner Filme auf unserer Online-Plattform Goethe on Demand zeigen. Jeder Film ist den ganzen Monat lang kostenlos verfügbar. Namen wie Rosa von Praunheim, Anne Zohra Berrached, Edin Hasanović und Judith Kaufmann sind Teil dieses erstaunlichen Programms - verpassen Sie es nicht! 

Bis 31. Dezember 2022
Kostenfreien Zugang anfordern 
Mit Untertiteln in Englisch und/oder Spanisch

Plattform Goethe On Demand

November: Rosa von Prauheim

Ab dem 1. November und den ganzen Monaten wird Männerfreundschaften (2018), von Rosa von Praunheim gezeigt. eine Kombination aus Spielfilm und Dokumentarfilm, in der Rosa von Praunheim homoerotische Beziehungen in der Zeit Goethes und seiner Zeitgenossen untersucht.

Flyer "Männerfreundschaften" © Goethe-Institut
Rosa von Praunheim nimmt fraglos eine Sonderstellung im deutschen Film ein. Wie kein anderer verwebt er Autobiografisches mit öffentlichem Leben und filmischem Schaffen: Wegbereiter und führender Aktivist der Schwulen- und Lesbenbewegung in Deutschland, kontroverse öffentliche Figur, Bundesverdienstkreuzträger, unermüdlicher Filmemacher, Sachbuchautor, Theaterregisseur, Schriftsteller. Er gilt als wichtiger Vertreter des postmodernen deutschen Films in den Genres Dokumentar-, Autoren- und Avantgardefilm und als Pionier des queeren Kinos. Er filmt bewusst amateurhaft und schrill, überschreitet gezielt Grenzen bürgerlichen Geschmacks. Sein Werk umfasst über 150 Kurz- und Langfilme, Bücher, Hörspiele und Theaterstücke, Videos und Kurzbeiträge für das Fernsehen.  

1942 in Riga als Holger Mischwitzky geboren, Erst im Jahr 2000 erfährt er, dass er adoptiert wurde. Die Recherche nach seinen Wurzeln dokumentiert er 2006 in dem überaus persönlichen Film Meine Mütter - Spurensuche in Riga. 1961 beginnt Rosa von Praunheim, wie er sich nun nennt, ein Studium der Malerei. Im Zug der Studentenbewegung bricht er sein Studium ab, arbeitet an Experimentalfilmen, Fotoserien, Manifesten. 

Zu seinem 70. Geburtstag 2012 widmen ihm seine ehemaligen Filmstudent*innen Tom Tykwer, Robert Thalheim, Axel Ranisch, Chris Kraus und Julia von Heinz mit dem Film Rosakinder eine sehr persönliche Hommage. Der Fernsehsender RBB strahlt zum selben Anlass unter dem Titel Rosas Welt eine Kurzfilmreihe des Filmemachers von 700 Minuten Länge aus - ein Novum im deutschen Fernsehen, denn nie zuvor wurde einem einzelnen Dokumentarfilmer so viel Sendezeit zur Verfügung gestellt.
  
2019 erhält von Praunheim bei dem bedeutenden schwul-lesbischen Pink Apple Festival in Zürich einen Preis für sein Lebenswerk. Das Filmfestival Max Ophüls Preis würdigt ihn 2020 „für seine Verdienste um den deutschsprachigen Film und als Wegbereiter der Schwulenbewegung in Westdeutschland“ mit dem Ehrenpreis des Saarbrücker Filmfestivals. 
  


ÜBER DEN FILM: MÄNNERFREUNDSCHAFTEN (2018)

Filmstill "Männerfreundschaften" © MDR/Rosa von Praunheim Filmproduktion War Goethe schwul? Und wie sieht es mit seinen Zeitgenossen aus? Inspiriert von Robert Tobins Buch „Warm Brothers. Queer Theory and the Age of Goethe“ (2000) geht Rosa von Praunheim in Spiel- und Dokumentarszenen diesen und anderen Fragen nach. Dabei wird keine dogmatische Umdeutung vorgenommen als vielmehr ein neuer Raum von Denkmöglichkeiten eröffnet. 


2018 beim Lichter Filmfest Frankfurt als Bester Langfilm ausgezeichnet. 

Oktober: Jella Haase

Ab dem 1. Oktober und den ganzen Monaten wird Vier König, der Debütfilm von Theresa von Eltz gezeigt. Ein minimalistischer und gleichzeitig intensiver Film, in dem unser Geburtstagskind Jella Haase die Hauptrolle spielt.

 

Bild Jella Haase und Vier Könige © Goethe-Institut

Die „aufregendste Schauspielerin Deutschlands“ so betitelte sie im Januar dieses Jahres die Zeitschrift Harper’s Bazaar - mit Sicherheit aber ist sie eine der erfolgreichsten: Jella Haase. 1992 in Berlin-Kreuzberg geboren, sammelte sie schon als Kind Bühnenerfahrung. 2009 war sie in der Fernsehproduktion Mama kommt erstmals in einem abendfüllenden Film zu sehen. Ihr Kinodebüt gab sie 2011 im Jugenddrama Lollipop Monster. Im selben Jahr war sie auch in David Wnendts Neonazi-Milieustudie Kriegerin in der Rolle der jungen Svenja zu sehen, die langsam in die rechtsradikale Szene abrutscht. Für diese beiden Rollen wurde Jella Haase 2011 mit dem Bayerischen Filmpreis als Beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet. Der große Durchbruch gelang ihr 2014 mit dem Sensationserfolg Fack ju Göhte: Mit der Figur der Chantal eroberte Jella Haase die Herzen der Zuschauer - und der Satz „Heul leiser, Chantal“, den Lehrer Zeki Müller alias Elyas M’Barek zu ihr sagt, wurde zum geflügelten Wort. Die Rolle der Chantal hatte sie auch in den Sequels Fack ju Göhte 2 (2015) und Fack ju Göhte 3 (2017) inne. Dazwischen überzeugte sie auch in ernsthaften Rollen, so 2015 in dem preisgekrönten Spielfilm Vier Könige als eine von vier Jugendlichen, die die Weihnachtstage in einer psychiatrischen Klinik verbringen müssen. Bei der Berlinale 2016 wurde Jella Haase als deutscher Shooting Star geehrt, eine Auszeichnung, die die europäischen Netzwerk-Organisation European Film Promotion EFP an die vielversprechendsten Nachwuchsschauspieler*innen aus den 37 EFP-Mitgliedsländern vergibt. Weitere kommerziell erfolgreiche Kinoauftritte folgten. Bei der Berlinale 2020 war sie gleich mit zwei Filmen vertreten: In Burhan Qurbanis zeitgenössischer Neuverfilmung von Berlin Alexanderplatz sowie in Leonie Krippendorffs Coming-of-Age-Drama Kokon. Im Folgejahr war sie in dem Drama Bis wir tot sind oder frei des Schweizer Regisseurs Oliver Rihs als rebellische Linksautonome zu sehen, 2021 als Geliebte des Titelhelden im Thomas-Brasch-Porträt Lieber Thomas. Aktuell dreht sie die Netflix-Serie Kleo, in der sie eine DDR-Spionin um die Wendezeit spielt. 
  
SOBRE LA PELÍCULA - 4 REYES (2015)

Filmstil Vier Könige © C-Films Regie: Theresa von Eltz 

Aufgrund eskalierender Konflikte in ihren Familien müssen vier Jugendliche die Weihnachtstage in einer psychiatrischen Klinik verbringen. In der Auseinandersetzung mit sich selbst und der vorsichtigen Annäherung zueinander, unter der Obhut eines unkonventionellen Psychiaters, eröffnen sich ihnen langsam neue Perspektiven. Theresa von Eltz‘ Regiedebüt ist ein leiser, ebenso minimalistischer wie intensiver Film, der wesentlich vom grandiosen Spiel der jungen Darstellerriege lebt und auch ohne Happyend ein Zeichen der Hoffnung vermittelt. 

September: Wir feiern Werner Herzog!

Werner Herzog feiert am 05. September seinen 80. Geburtstag. Sein Schaffen hat das Neue Deutsche Kino entscheidend geprägt und macht ihn zu einem wichtigen Vertreter des internationalen Autor*innenfilms. Zu diesem Anlass werfen wir einen Blick auf fünf Filme seines reichen Werks.

Flyer Wir feiern Werner Herzog! © Goethe-Institut
Werner Herzog gehört - zusammen mit Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge, Edgar Reitz, Volker Schlöndorff und Wim Wenders - zur ersten Generation des Neuen Deutschen Films. Nach dem „Oberhausener Manifest“ aus dem Jahr 1962, in dem sich junge Filmemacher vom kommerziellen und konservativen Kino der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland losgesagt hatten - „Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen“ -, hatten diese Autoren mit sehr begrenzten ökonomischen Mitteln Filme geschaffen, die aus ihren Schauplätzen (die nichts kosten durften) und den Darstellern (oft Laien oder angehende junge Schauspieler ohne Erfahrungen) zugleich größtmögliche Authentizität und größtmöglichen ästhetischen Effekt zu gewinnen lernten. Daraus entstand eine eigene Mischung aus sehr direktem visuellem Naturalismus und poetischer Stilisierung in den Dialogen und im Spiel. Eine Fremdheit im Vertrauten, eine Unversöhntheit zwischen den Charakteren und ihrer Umwelt. Dabei entsprachen Methode und Botschaft einander: In diesem Kino ging es um Menschen, die an ihren Orten nicht wirklich zuhause sind, darum, dass man als junger Mensch nicht recht entscheiden kann, ob man sich gerade befreit oder ob man einfach nur allein gelassen wird. Die Ästhetik des neuen deutschen Films gab das Lebensgefühl vieler junger Menschen in der Bundesrepublik Deutschland der sechziger und siebziger Jahre wieder, die mit der allgemeinen Verdrängung der Geschichte von Nationalsozialismus und Weltkrieg ebenso wenig einverstanden waren wie mit dem blinden Konsumverhalten im „Wirtschaftswunder“. Man wollte zu einer offenen Zukunft aufbrechen, aber zugleich empfand man den Verlust an familiärer und kultureller Geborgenheit. Dieses Kino handelte von Außenseitern, Verweigerern und Unangepassten, und insbesondere in der Filmwelt des Werner Herzog entstand eine bildmächtige Mythologie um den einsamen Träumer, der sich auf ein großes Abenteuer am Rand der Zivilisation einlässt, und von Menschen, die sich trotz körperlicher oder sozialer Benachteiligungen das Recht auf die selbständige Existenz nicht nehmen lassen. Die Film-Träume des Werner Herzog damals hatten etwas sehr Einzigartiges, und zugleich sprachen sie vielen Menschen dieser Zeit aus dem Herzen.

In den frühen Filmen von Werner Herzog sieht man gleichsam jemandem zu, der das Kino für sich noch einmal neu erfindet. Die Natur, die eine gewaltige Kraft darstellt, wird mit einer Mischung aus Trotz und Staunen gesehen: Sie fordert den einsamen Träumer dazu heraus, ein noch so aberwitzig erscheinendes Projekt zu beginnen, und sei es, ein Opernhaus inmitten des Amazonas-Dschungels zu errichten, wie in Herzog erfolgreichem FITZCARALDO, Berge zu erklimmen, Luftschiffe zu bauen, Kunstwerke zu erschaffen oder dorthin zu gelangen, wo noch niemand war. Für diese Rebellion gegen die natürlichen und sozialen Grenzen des Menschen war Klaus Kinski für Werner Herzog der ideale Darsteller, ein Besessener auch er, der in insgesamt fünf Filmen mit ihm die Haupt- und Titelrolle übernahm, und dem der Regisseur später eine Dokumentation mit dem bezeichnenden Titel MEIN LIEBSTER FEIND widmete.

Aber diesem heroisch-tragischen Bild vom einsamen Träumer im Kampf mit der unbarmherzig schönen Natur steht in Werner Herzogs Film-Welt auch ein anderer Blick gegenüber, der voller Einfühlung und Sympathie etwa in die Welt einer taubblinden Frau in LAND DES SCHWEIGENS, LAND DER DUNKELHEIT führt, und in vielen Filmen von Herzog kommt zu der Faszination für Besessenheit, Traum und Abenteuer auch eine Spur von Mitleiden und nicht zuletzt ein sehr eigener Humor hinzu. In seinen Spielfilmen wie in seinen Dokumentationen spiegelt sich stets so etwas wie eine magische Autobiographie - „Was ich bin, sind meine Filme“ sagt der Regisseur im gleichnamigen Film-Portrait. Es sind die Filme eines Menschen, der zugleich so sanft und demütig und so entschlossen und unbeugsam sein kann wie kaum ein anderer. Dieser Widerspruch zieht sich durch eine mittlerweile enorme Filmographie mit künstlerischen und kommerziellen Höhen und Tiefen. Aber noch in Filmen, die inhaltlich auf gewiss nicht unberechtigte Kritik gestoßen sind, wie die SklavenhändlerGeschichte von COBRA VERDE, zeigt sich, dass das Kino für Menschen wie Herzog, und Menschen wie Herzog für das Kino geschaffen sind. Die großen Herausforderungen, denen sich der Regisseur in jedem seiner Projekte stellt, für die manchmal eine traditionelle FilmFigur benötigt wird und manchmal nicht, besteht am Ende immer darin: Zu sehen. Zu sehen, wie die Welt sich öffnet, wie das Verborgene sichtbar wird, und manchmal geht es auch darum (wie es in WHITE DIAMOND geschieht), ein Geheimnis besser zu bewahren. Vielleicht ist Werner Herzog, der Filmemacher, der nur in der Welt zuhause sein kann, in diesem magisch-romantischen Blick dann doch immer sehr deutsch geblieben.

(Georg Seeßlen)

5 Filme zum 80. Geburtstag

AGUIRRE, DER ZORN GOTTES (1972) 
Das große Scheitern inszeniert Herzog in diesem wahnhaften Eroberungs-Mythos um eine spanische Expedition, die sich im Jahr 1560 durch den Urwald Perus schlägt. Auf der Suche nach der legendären Goldstadt El Dorado, rückt das Verderben immer näher, je weiter die Truppe vordringt.

FITZCARRALDO (1982) 
Fitzcarraldo ist ein Phantast, der seinen kühnen Traum von einer Oper im Urwald zu verwirklichen sucht. Berühmtheit erlangte Herzogs Filmepos vor allem durch das über einen Berg geschobene Schiff, durch den Urwald hallende Opernarien sowie zahlreiche Mythen um die Filmproduktion.

LAND DES SCHWEIGENS UND DER DUNKELHEIT (1971) 
Herzogs sensibler Dokumentarfilm nähert sich der Erfahrungswelt taubblinder Menschen, deren Wahrnehmungsvermögen ein besonderes Verhältnis zur Umwelt bedingt. So offenbart sich ein menschliches Grundbedürfnis, die Außenwelt wahrzunehmen und sich als Teil dieser zu begreifen.

LEKTIONEN IN FINSTERNIS (1992) 
Kurz vor dem Ende des Zweiten Golfkriegs setzen irakische Truppen beim Rückzug aus Kuwait Ölfelder in Brand. Herzog und sein Kameramann versuchen, das Unfassbare, die Apokalypse, mit filmischen Mitteln zu erfassen und zu zeigen, was zurückbleibt.

NOSFERATU - PHANTOM DER NACHT (1979)
Ausgehend von Stokers Horror-Roman DRACULA (1897) und von dessen berühmter Stummfilmversion NOSFERATU (Murnau, 1921) erzählt Herzog die häufig adaptierte VampirGeschichte neu: als Verbindung zwischen den Bildern des deutschen Klassikers und seinem eigenen visuellen Kosmos.

Filme Ansehen

Top