Ausstellung Ein Anlass, zwei Ausstellungen: 100 Jahre BAUHAUS

Bauhaus © Miloš Kostić & Nataša Janković

Do, 17.10.2019 -
Di, 12.11.2019

Kunstpavillon des Vereins der bildenden Künstler Montenegro

Marka Miljanova 2
81000 Podgorica

Anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums wird am Donnerstag, den 17. Oktober, um 19.00 Uhr eine zweiteilige Ausstellung eröffnet. Sie umfasst folgende Segmente:
  • Re-Kontextualisierung des Bauhauses im jugoslawischen Kulturraum und
  • Rauminstallation: bauhaus imaginista: collected research

Vor der Ausstellungs-Eröffnung finden um 17.00 Uhr eine Führung und eine Fachdiskussion statt, zum Thema „100 Jahre Bauhaus: Lokale und globale Einflüsse“ und unter Teilnahme von Prof. Miško Šuvaković, Irena Lagator Pejović und Petar Ćuković.

Innerhalb relativ kurzer Zeit (1919–1933) ist es dem Bauhaus gelungen, interdisziplinäre und experimentelle Standards bei der Architekten-, Designer- und Künstler-Ausbildung zu setzen, die sich im Kontext der deutschen und der internationalen Kultur nach dem Ersten Weltkrieg durch ihre außerordentlich hohe Innovationskraft auszeichneten. Der „Bauhaus-Stil“ war eine eklektische Mischung aus Expressionismus, Post-Kubismus, abstrakter Kunst, Konstruktivismus und Funktionalismus in Architektur und Design. Dabei hat jeder Bauhaus-Direktor der Schule seinen eigenen Stempel aufgedrückt: Auf den sozialen Utopismus von Walter Gropius folgte der radikale Funktionalismus von Hannes Meyer und später die Akzentlegung auf alle Potenzialitäten einer internationalen Stilrichtung unter Mies van der Rohe. Obwohl der Untergang der Weimarer Republik und der gewaltsame Übergang zum  nationalsozialistischen biopolitischen Totalitarismus das Schicksal des Bauhauses zwangsläufig besiegelt haben, steht die Schule bis heute für einen ästhetischen Höhepunkt der Moderne in Architektur, Design, Kunst und Kunst-Pädagogik der Zwischenkriegszeit, zwischen zwei Kriegskatastrophen und im düsteren Schatten von totalitären Regimen auf der lokalen und auf der internationalen Ebene.
 
Das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum wurde weltweit mit zahlreichen internationalen Ausstellungen, Fachtagungen und Podiumsgesprächen feierlich begangen. Dabei haben sich folgende zwei Aspekte als besonders aktuell und interessant herauskristallisiert:
  • Re-Konstruktion von Ideen und Praktiken des historischen Bauhauses und
  • Diskussion über die Einflüsse des Bauhauses auf der internationalen Ebene, von Mittel-, Ost- und Südosteuropa, über Asien, bis Nord- und Südamerika und Afrika.



bauhaus imaginista

 
Kuratoren: Marion von Osten und Grant Watson


Das bauhaus imaginista ist ein umfassendes internationales Projekt anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Schule mit einem Schwerpunkt auf deren internationaler Verbreitung und Rezeption.

bauhaus imaginista geht von vier Gegenständen aus, zentralen Objekten des Bauhauses, die dazu dienen, vier thematische und konzeptuelle Kapitel zu entwickeln, die mit der Schule und deren Rezeption in vielfältigen Geografien verbunden sind. Diese Objekte sind: Das Bauhaus-Manifest von Walter Gropius (1919), das die Grundlage für Corresponding With darstellt, in dem die Reformpädagogik untersucht wird; Teppich, eine Zeichnung von Paul Klee (1927) für das Kapitel Learning From, das sich mit kultureller Appropriation befasst; ein bauhaus film von Marcel Breuer (1926), der Fragestellungen über die Entwicklung des Designs im Verhältnis zur Ideologie aufwirft; sowie Reflektorisches Lichtspiel, ein Lichtapparat von Kurt Schwerdtfeger (1922), aus dem das Kapitel Still Undead hervorgeht, das sich mit Licht- und Klangexperimenten beschäftigt.

Diese Wanderausstellung vereinigt Ideen, Forschung und Dokumentation von bauhaus imaginista. Der Künstler Luca Frei hat eine Struktur – teils Skulptur, teils Ausstellungsarchitektur – als einen Raum entwickelt, in dem sich die Besucher mit den vielen verschiedenen Ebenen des Projekts auseinandersetzen können. Es umfasst kuratorische Forschung, Texte und Bilder zu den vier Kapiteln sowie die Dokumentation des internationalen Programms von bauhaus imaginista aus dem Jahr 2018.

Zentral für die Installation ist ein Computerterminal, an dem die Besucher das Online-Magazin von bauhaus imaginista durchsuchen und Bild- und Textmaterial ausdrucken können, um sie in den bereitgestellten Mappen zusammenzutragen. Ein gesondertes Filmprogramm zeigt eigens produzierte Arbeiten der zeitgenössischen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen Zvi Efrat, Kader Attia, der Otolith Group und Wendelien van Oldenburgh zu Themen und Geschichten des Bauhauses.

Das Projekt bauhaus imaginista anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Bauhaus“ ist eine Zusammenarbeit der Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar, dem Goethe-Institut und dem Haus der Kulturen der Welt; es wird finanziert durch das Auswärtige Amt und die Kulturstiftung des Bundes. Kuratiert wird das Projekt von Marion von Osten und Grant Watson in Zusammenarbeit mit einem internationalen Team von Wissenschaftlern.

 

Kontextualisierungen und Rekontextualisierungen im Kunstraum Ex-Jugoslawiens

 
Ausstellungsautoren: Nataša Janković, Marko Nikolić, Boško Drobnjak und Miško Šuvaković

Aufbau- und Katalog-Autorin: Nataša Janković

Mitarbeiter: Miloš Kostić


Die Ausstellung „100 Jahre Bauhaus: Kontextualisierungen und Rekontextualisierungen im Kunstraum Ex-Jugoslawiens“ wurde konzipiert als eine visuelle, diskursive und dokumentarische Reflexion über folgende Themen:
  • Bauhaus als neue Architektur-, Design und Kunstschule
  • Studierende aus Jugoslawien am Bauhaus
  • Bauhauseinflüsse und Bauhausrezeption im Königreich Jugoslawien bzw. in Slowenien, Italien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina und Serbien sowie im jugoslawisch-ungarischen Kultur-Amalgam in der Vojvodina;
  • Identifizierung mit den Paradoxen der schnellen Modernisierung, einem Prozess, bei dem das Bauhaus bekanntermaßen zu den leitenden Kräften im Rahmen der hohen und der populären Kultur gehört hat
  • Interpretationen des Geistes, der Ästhetik und der kulturellen Impacts des Bauhauses auf die konzeptuelle und zeitgenössische Kunst.

Die Ausstellung hat einen dokumentarisch-didaktischen Charakter. Sie zeigt unterschiedliche Dokumente, Darstellungen von Kunstwerken sowie Spuren der direkten und indirekten Bauhaus-Einflüsse bzw. der eklektischen Mischungen von unterschiedlichen Modernisierungs-Projekten: vom Bauhaus, über De Stijl, die konstruktivistische Avantgarde aus der UdSSR und den französischen Modernismus von Le Corbusier bis zum internationalen, d. h. deutschen, tschechischen und französischen Dadaismus und ungarischen Aktivismus.

Die ersten Informationen über das Bauhaus und die ersten Bauhaus-Interpretationen im jugoslawischen Kulturraum stammen aus programmatischen und  überblickenden Texten in der Avantgarde-Zeitschrift UT (Manifest der KURI-Gruppe, UT, Novi Sad, Dezember 1922), in der Avantgarde-Zeitschrift Zenit (Walter Gropius „Internationale Architektur“ und ein unterschriftsloser Text unter dem Titel „Bücher des Bauhauses“, Zenit Nr. 40, Belgrad, 1926), in der Zeitschrift Letopis Matice Srpske (Zoltan Čuka, „Bauhaus“, LMS Nr. 315, Band 2, Novi Sad, 1982), in der Zeitschrift Nova Literatura (Heinz Luedecke, „Bauhaus in Dessau“, Nova Literatura Nr. 10, Belgrad, 1929) und in der Tageszeitung Politika (Stanislav Vinaver „Bauhaus und Dessau – Neue Formen der Arbeit im Kollektiv“, Politika, Belgrad, 28. März 1931). Bei der Ausstellung Zeitgenössische deutsche Kunst und Architektur in Zagreb und Belgrad 1931 waren auch Werke von Bauhauskünstlern bzw. -professoren vertreten.

Die Ausstellung „100 Jahre Bauhaus: Kontextualisierungen und Rekontextualisierungen im Kunstraum Ex-Jugoslawiens“ stellt eine komplexe Assemblage von visuellen und diskursiven Ideen, welche die kulturelle Erinnerung heraufbeschwören, nicht nur an das Bauhaus, sondern auch an die modernistische Expansion und an die Einflüsse der Moderne im Allgemeinen, an eklektische Mischungen unterschiedlicher künstlerischer Impacts auf die internationale Szene, an die jugoslawischen Entsprechungen der Bauhaus-Ideale im stilistischen und pädagogischen Bereich sowie an affektive, polemische, Entwicklungs- und Appropriations-Beziehungen zur Bauhaus-Tradition in konzeptueller und zeitgenössischer Kunst.

Miško Šuvaković
 

Zurück