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Interview
Chelsea Leventhal, Klangkünstlerin

Chelsea Leventhal
Chelsea Leventhal | Foto: Douglas Henderson

Interview mit Chelsea Leventhal, 33 Jahre, Klangkünstlerin

Du hast in den USA gelebt, in Paris, in Deutschland, bist viel unterwegs – hilft ein Ortswechsel, um kreativ zu sein?

Das ist sogar entscheidend für mich und zwar aus zwei Gründen. Zum einen ist es als Komponistin immer wichtig, verschiedene Institutionen zu besuchen, um sich einen Überblick über unterschiedliche Ansätze, Techniken und technologische Möglichkeiten zu verschaffen. Zum anderen sind meine Arbeiten selbst öfter ortsbezogen und daher viel eher von neuen Umgebungen und Situationen inspiriert als von einer Studiopraxis.

Du bist Komponistin für elektroakustische Musik – kannst du bildhaft beschreiben, was sich dahinter verbirgt? Vielleicht mit einem Beispiel?

Meistens nehme ich Klänge auf und entwickle mehrkanalige fixed-media Kompositionen daraus. Diese werden dann im öffentlichen Raum als Installationen aufgeführt. Ein jüngeres Beispiel ist eine Klanginstallation für die Wittener Tage für neue Kammermusik, die sich mit Klängen von Feuer und Flamme beschäftigten. Ich habe beispielsweise Aufnahmen von einem Kamin, Wunderkerzen oder einem Schmortopf für die Komposition verwendet. Außerdem habe ich aber auch für einen Abschnitt bestimmte Spieltechniken von Kontrabass, Trompete und Flöte aufgenommen und bearbeitet, um den Klang eines langsam ausgehenden Lagerfeuers nachzubauen. Diese 6-Kanal Komposition wurde durch speziell angefertigte Boxen abgespielt, die mit Infrarotlicht ausgestattet waren und draußen in einem Kreis standen.

Was inspiriert dich an unbekannten oder neuen Orten?

Jeder Ort, jede Gemeinschaft hat einen ganz speziellen Klang. Das kann sowas sein wie das Läuten von Kirchenglocken, aber auch ganz einzigartige Klänge, die für unterschiedliche Arten von Kommunikation oder den Rhythmus des Alltags nötig sind. Der Klangforscher R. Murray Schafer nennt das „keynote sounds“, also „Schlüsselklänge“, die von allen Menschen, die eine „Acoustic Arena“ bewohnen, täglich gehört werden. Und diese Klänge sind in jeder Gesellschaft und in jeder Stadt anders.

Im Juli bist du als Teilnehmerin der „Interfaces Residency“ in Nikosia zu Gast. Was hast du dir für diesen Zeitraum als künstlerisches Ziel gesetzt?

Gerade bin ich sehr interessiert an der Verbindung zwischen Klanginstallationen im öffentlichen Raum bzw. der Arbeit mit „Field Recordings“ und dem psychogeographischen Ansatz, der von Guy Debord entwickelt wurde. Dabei geht es um den Einfluss der architektonischen oder geografischen Umgebung auf die Wahrnehmung und das Verhalten der Menschen. Dieser Forschungsansatz wurde schon von mehreren Schriftstellern und bildenden Künstlern verwendet. Ich möchte diese Verbindung in meiner Arbeit verstärken und ich finde, Nikosia ist ein faszinierender Ort, um so eine kompositorische Betrachtung vorzunehmen.

Warst du bereits vorher in Zypern?

Ich war noch nie in Zypern und habe bis jetzt nur recherchiert und mit ein paar Leuten gesprochen. Sehr wichtig ist für mich, meine Erwartungen ziemlich offen zu halten und mir wirklich die Zeit zu nehmen, um die Stadt Nikosia zu entdecken. Ganz sicher mit einem Aufnahmegerät in der Hand.

Wie kann es gelingen, innerhalb von nur vier Wochen den Sound einer Stadt einzufangen und zu einem Kunstwerk zu verarbeiten?

Aus meiner Erfahrung heraus muss man sich so schnell wie möglich ein Gesamtbild von der Stadt machen, sich aber dann auf einen kleineren, aber wesentlichen Aspekt bzw. einen bestimmten Ort in der Stadt konzentrieren.

Wo und wann können wir das Ergebnis hören?

Alle Werke, die während der Residency entstehen, werden am 26. Juli 2018 an verschiedenen Orten zu hören sein.

Interfaces Residency for Electronic Music Artists

Das Projekt wird von dem Interfaces Network und der European University Cyprus organisiert. Es gibt insgesamt 10 Komponisten/Musiker/Klangkünstler, die im Juli 2018 an der Residency teilnehmen und neue Arbeiten in Nikosia schaffen.

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