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UnmannedMolleindustria & No Media Kings, 2012

Games and Politics

Games and Politics ist eine Veranstaltungsreihe des Goethe-Instituts Zypern, die sich mit der gesellschaftlichen Rolle und Relevanz von Games und Gaming beschäftigt.


Denn ein Spiel ist nie bloß ein Spiel. Es ist ebenso wenig ohne den Einfluss der Gesellschaft zu verstehen, die spielt, wie ohne die Einwirkung auf diese Gesellschaft. Allein in Deutschland klicken sich 42 Prozent der Einwohner*innen regelmäßig durch digitale Spielwelten, davon sind 53 Prozent Männer und 47 Prozent Frauen. Inzwischen haben die Umsätze der Computerspielbranche jene der Film-Industrie weit übertroffen.


Nicht ohne Folgen: Computerspiele lassen sich – wie andere Medien auch – als willige Zugpferde politischer Interessen aller Lager vor den Karren spannen. Gamedesigner*innen wenden sich neuen Themen und Zielgruppen zu. Künstler*innen nutzen das Medium, um seine Funktionsweise zur Beobachtung freizugeben und die Grenzen des Spiels auszuloten. Die großen Museen entdecken das Computerspiel als Kulturgut, das es zu sammeln und zu bewahren gilt. Kulturwissenschaftliche Reflektionen über das Phänomen „Computerspiel“ sind aber im Diskurs der Kunstinstitutionen noch immer rar gesät.


Ausstellung „Games and Politics“

Mit der Ausstellung Games and Politics möchte das Goethe-Institut diese Lücke zumindest teilweise schließen. Games and Politics entstand 2016 und basiert auf der Ausstellung Global Games des ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) Karlsruhe. Die Ausstellungskuratoren wählten politisch ambitionierte Computerspiele aus, die zwischen 2004 und 2016 entstanden sind und die Grenzen und Möglichkeiten des Genres ausschöpfen. Computerspiele verstehen sich nicht nur als Bildfläche gesellschaftlicher Zu- und Missstände, sondern versuchen mit einer Simulation der Prozesse und Regeln, diese Missstände hervorbringen.

Die interaktive Ausstellung Games and Politics beinhaltet achtzehn Computerspiele, von denen sechzehn gespielt werden können. Die Besucher werden zu Spielern und machen ihre eigene Erfahrung, wie die Spiele auf sie wirken. Die Spiele setzen sich auf künstlerischer Ebene mit Themen wie Medienkritik, Migration, Machtverhältnissen, Geschlechterrollen und Militarismus auseinander. Ergänzt werden sie durch drei Dokumentationen zu dem Thema.


Spielungen und Diskussionen

Was eine Lesung für Literatur ist, ist eine „Spielung“ für Computerspiele. An drei Abenden werden ausgewählte Spiele live vorgespielt, der Spielverlauf von zyprischen und deutschen Experten eingeordnet und kommentiert sowie die Fragen des Publikums beantwortet. Gezeigt und diskutiert werden die preisgekrönten Spiele Papers, Please! und Orwell sowie Perfect Woman. Während die Bürokratie-Simulation Papers, Please! die Arbeit am Grenzübergang eines diktatorischen Regimes thematisiert, setzt sich Orwell mit den dystopischen Folgen digitaler Überwachungstechnologie auseinander und Perfect Woman geht auf humorvolle Weise der Frage nach, was eine perfekte Frau auszeichnet.

Osmotic Studios I 2016

Das Videospiel Orwell: Keeping an Eye on You wirft die Spieler*innen in eine Welt, in der Überwachung Alltag ist. Im fiktiven Staat „Die Nation“, der von einer autoritären Regierung namens „Die Partei“ geführt wird, werden über das nationale Überwachungssystem „Orwell“ Bürger von sogenannten „Investigators“, die die Kommunikation von verdächtigen Personen filtern und auswerten, und ihren „Advisors“ ausspioniert. Der besondere Twist: Die Investigators sitzen außerhalb von „The Nation“, als im Ausland angeworbene Spione. Die Spieler_innen schlüpft in die Rolle eines Investigators, der nach einem Terroranschlag die Daten von Verdächtigen auswerten soll. Dabei ist er nie voll im Bilde über die Ereignisse, sondern von den Anweisungen und Informationen seines Advisors abhängig. Schnell stellt sich die Frage, wer wen überwacht.

Peter Lu & Lea Schönfelder | 2014

Das Spiel Perfect Woman setzt sich spielerisch mit den unterschiedlichen und oft widerstreitenden Erwartungen auseinander, die die Gesellschaft an Frauenrollen stellt.

Die Spieler*innen durchlaufen ein Frauenleben vom Mutterleib bis ins Grab, das in verschiedenen Abschnitten unterteilt ist. Zu Beginn jedes Abschnitts können die Spieler aus vier Optionen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden wählen. Die Rollenvorschläge decken dabei eine breite Palette von Klischees wie Prinzessin (mittelschwer) bis zu eher untypischen Rollen wie Pro Gamer (leicht) oder Außenministerin (schwer) ab.

Anschließend muss der*die Spieler*in über Kinect-Erfassung mit seinen Bewegungen die gewählte Figur in die vom Simulator geforderten Positionen biegen – je nach gewählter Rolle keine leichte Aufgabe. Man erfährt am eigenen Leib: Jede Frauenrolle erfordert es, sich mehr oder weniger zu verbiegen, um sie zu erfüllen. Gleichzeitig erlaubt das Spiel jedem, seine eigene Version einer „Perfect Woman“ zu kreieren – bestehend aus vielen unterschiedlichen Facetten.

Lucas Pope I 2013

Im Videospiel Papers, please! schlüpft der*die Spieler*in in die Rolle eines Grenzbeamten des autoritären Staates Arstotzka. In einer langen Schlange warten Menschen am Grenzübergang zu Kolechia darauf, einreisen zu können. Anhand eines Regelhandbuchs muss der Spieler entscheiden, welche Personen er einreisen lässt und welche er abweist. Er muss überprüfen, ob die Angaben in den Papieren stimmen, ob die Leute lügen oder gar eine Gefahr als Terroristen darstellen könnten. Irrt er sich, kann das zu Sanktionen wie Lohnabzügen und als Folge davon Hunger und Krankheit für seine Familie bedeuten. Im Verlauf des Spieles werden die Regeln immer komplizierter, die Geschichten der Einreisenden immer komplexer. Ist der Mann mit dem abgelaufenen Arbeitsvisum wirklich nur ein harmloser Familienvater? Will die Frau mit dem ungültigen Pass wirklich nur ihre kranke Mutter besuchen? Der Beamte in seiner Machtposition wird hin- und hergerissen zwischen seiner Menschlichkeit und der Angst um die eigene Haut.


Rahmenprogramm

Auf Grund von unvorhersehbaren Verzögerungen bei der Lieferung der Games and Politics Ausstellung in Zypern wird die Eröffnung von Mittwoch, den 18. September, auf Donnerstag, den 19. September, verschoben und startet um 19:30 Uhr. Wir bitten Sie, die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen und freuen uns, Sie bei unseren Veranstaltungen begrüßen zu können.

19.09.2019, 19:30 Uhr
Eröffnung

Mit Führung und Einleitungsfilm

20.09.–16.10.2019
Interaktive Ausstellung

Öffnungszeiten: Mo.–Fr. 10:00–20:00 Uhr
Geschlossen: 1. und 3. Oktober 2019

20.09.2019, 19:30 Uhr
Returning Fire

Die Grenzen von Realität und Spiel
Filmvorführung

25.09.2019, 19:30 Uhr
Orwell

Spielung und Diskussion

04.10.2019, 19:30 Uhr
GTFO

Frauen und Computerspiele
Filmvorführung

16.10.2019, 19:30 Uhr
Finissage

Finissage und Filmvorführung WarGames

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