Literatur Tschechisch-deutsche Residenzen in Brno und Leipzig

Ahoj Leipzig
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Einmonatliche Residenzaufenthalte für je fünf Autoren/innen aus der Tschechischen Republik und aus Deutschland.
 

Die Mährische Landesbibliothek hat in Zusammenarbeit mit der Leipziger Buchmesse, der Stadt Leipzig (Kulturdezernat), dem Goethe-Institut Tschechische Republik und der Stadt Brno anlässlich des Gastlandauftritts der Tschechischen Republik auf der Leipziger Buchmesse 2019 und des Tschechischen Jahres in Leipzig (von Oktober 2018 bis November 2019) einmonatliche Residenzaufenthalte in Leipzig und in Brno für je fünf Autoren/innen aus der Tschechischen Republik und aus Deutschland für Schriftstellerinnen und Schriftsteller (Prosa, Kinderliteratur, Poesie, nonfiktionale Literatur, Sachbuch und andere Genres) ausgeschrieben.

Die Aufenthalte sind im Zeitraum von August 2018 bis Januar 2019 vorgesehen. Die Aufenthalte sollen den Autoren/innen Möglichkeit zur konzentrierten und kreativen Arbeit in der anregenden Atmosphäre von Brno bzw. Leipzig bieten.

Neben der Arbeit an dem eingereichten Projekt, wird von den Teilnehmern ein kurzer Text (Erzählung, Essay, Feuilleton, Blog u.a.) erwartet, der von Brno bzw. Leipzig inspiriert sein wird.


Aus 56 deutschen Bewerbungen wurden fünf Autorinnen und Autoren ausgewählt und von Leipzigs Buchmesse-Direktor Oliver Zille auf der Prager Buchmesse Svět knihy am 10.05.2018 bekannt gegeben.

Deutsche Autorinnen und Autoren, die nach Brünn reisen:
 

  • Luise Boege ©Tobias Neumann
    Luise Boege, geboren 1985 in Würzburg, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig sowie Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt. Sie hat bisher drei Bücher veröffentlicht und wurde mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet, unter anderem einem Stipendium am Literarischen Colloquium Berlin 2017 und im Literaturhaus Prag 2018. Während des Aufenthaltes in Brünn möchte die Autorin an ihrem Prosatext „Die dicke Familie“ arbeiten. Bisher erschienen: „Kaspers Freundin“, Reinecke & Voß 2015, „Bild von der Lüge“, Reinecke & Voß 2017, „Exorzismus in Polen Die Schönheit der Wüste“, Verlag parasitenpresse 2018.
  • Bettina Hartz ©Tomáš Ullman
    Bettina Hartz, geboren 1974 in Berlin, ist Autorin von Drehbüchern, Theaterstücken, Prosa und Lyrik. Seit 1999 arbeitet sie als freie Schriftstellerin und Kulturjournalistin. 2018/19 kuratiert sie am Literaturhaus Berlin eine Veranstaltungsreihe zum „Prager Frühling und den Folgen im Osten bis 89“. In Brünn möchte die Autorin an kürzeren Texten arbeiten, die sich zwischen Prosa und Lyrik bewegen und sich als Sprachfotografien von Stadt und Leuten verstehen. Unter http://www.bettina-hartz.de bloggt sie über ihre Eindrücke. Bisher erschienen u.a.: „Nicht viel: Erzählung", Lunardi 2007, „Auf dem Rad – Eine Frage der Haltung", DVA 2012.
  • Bernhard Setzwein ©Ursula Daschner-Setzwein
    Bernhard Setzwein, 1960 in München geboren, studierte in München Germanistik und Volkskunde. Seit 1985 ist Setzwein freischaffender Autor. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten literarisch mit der bayerisch-böhmischen Nachbarschaft und hat an zahlreichen deutsch-tschechischen Autorenbegegnungen und Publikationen teilgenommen (etwa „Měsíc autorského čtení, Brno 2013“). Einige Werke von ihm sind ins Tschechische übersetzt worden, darunter sein Theaterstück über Bohumil Hrabal „Hrabal oder der Mann am Fenster“ (Uraufführung im Regensburger Stadttheater 2015). In Brünn möchte Bernhard Setzwein an seinem Roman „Das Buch, das niemand lesen kann“ arbeiten. Zuletzt erschienen: „Hrabal und der Mann am Fenster. Theaterstück, mit der Bamberger Poetikvorlesung im Anhang“, University Press 2015, „Einen Moment bitte! Oder zwei? Begegnungen über die bayerisch-böhmische Grenze“, Pustet Verlag 2017, „Der böhmische Samurai. Roman zur Familiengeschichte der Coudenhove-Kalergis“, Haymon Verlag 2017, „Später Besuch – Dietrich Bonhoeffer redivivus", Theaterstück, University Press, 2018.
  • Roman Israel ©Jörg Singer
    Roman Israel, geboren 1979 in Löbau, studierte Physik, Germanistik und Philosophie in Dresden. Israel schreibt Prosa, Lyrik, Hörspiele, Theaterstücke und macht Filme. Er erhielte mehrere Stipendien, im Jahr 2017 war er Stipendiat im Literaturhaus Prag. Einige seiner Texte wurden in mehrere Sprachen, darunter auch ins Tschechische übersetzt. Der Autor fühlt sich mit Tschechien sehr verbunden, da er an der Deutsch-Tschechischen Grenzregion aufgewachsen ist. In Brünn möchte er an seinem neuen Romanprojekt „Der Mann, der seinen Platz kennt“ arbeiten. Bereits erschienen u.a.: „Flugobst“, Luftschacht Verlag Wien 2017, „Caiman und Drache", Luftschacht Verlag 2014.
  • Isabelle Lehn A. Sophron
    Isabelle Lehn, geboren 1979 in Bonn, studierte Allgemeine Rhetorik, Ethnologie und Erziehungswissenschaft in Tübingen und Leicester. Zudem absolvierte sie ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Isabelle Lehn schreibt Prosa, Essays und Erzählungen, die mehrfach ausgezeichnet wurden. Die Autorin möchte in Brünn die Arbeit an ihrem aktuellen Roman „Frühlingserwachen“ abschließen. Der Text soll im Jahr 2019 im S. Fischer Verlag erscheinen. Bereits erschienen: „Binde zwei Vögel zusammen", Eichborn 2016, „Wallenhorst Richmann Lehn. Die besten Essays des Jahres", Carl Hanser 2016, „Schreiben lernen im Sozialismus. Das Institut für Literatur „Johannes R. Becher“, Wallstein 2018.



Aus 29 tschechischen Bewerbungen wurden fünf Autorinnen und Autoren ausgewählt und von Jan Wittenberg, Goethe-Institut Prag, verkündet. 

Tschechische Autorinnen und Autoren, die nach Leipzig reisen:
 

  • Petr Borkovec ©Jana Plavec
    Petr Borkovec, geboren 1970 in Louňovice pod Blaníkem (Launiowitz), in Mittelböhmen, ist Dichter, Übersetzer und Publizist. Er wurde für sein Werk mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Jiří Orten Preis (1995) und dem Hubert Burda Preis für junge Lyrik (2002). Im Sommersemester 2003 übernahm er die 5. Dresdner Poetik-Dozentur zur Literatur Mitteleuropas. 2004/5 verbrachte er auf Einladung des DAAD als Writer in Residence in Berlin. Die Gedichte von Petr Borkovec wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Den Residenzaufenthalt in Leipzig möchte er zur Vollendung seines aktuellen Buches „Niemand liebt einen Mann, der sich in einem Spiegel verbrennt" nutzen. Es handelt sich dabei um drei Kurzgeschichten, die von partnerschaftlichen Beziehungen handeln. In Tschechien veröffentlichte Petr Borkovec zuletzt „Lido di Dante“, Fra 2017. Auf Deutsch erschienen: „Nadelbuch“, Edition Korrespondenzen 2003, „Aus dem Binnenland: drei Arten zu übersetzen“, Thelem Verlag 2006 sowie „Liebesgedichte“, Edition Korrespondenzen 2014.
  • Lucie Lomová ©Robert Sedmík
    Lucie Lomová, geboren 1964 in Praha (Prag), ist Künstlerin und eine der wichtigsten Comic-Zeichnerinnen Tschechiens. Ihre Comics, darunter Graphic Novels und Comic-Serien für Kinder, wurden in Tschechien, Polen, Deutschland und Frankreich publiziert und mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Golden Ribbon Award. Lucie Lomová möchte während ihres Residenzaufenthalts in Leipzig neue Impulse für ihre Arbeit gewinnen und einen „authentischen, improvisierten“ Comic entwickeln. In Tschechien erschien zuletzt u.a.: „Anča a Pepík“, Práh 2017, auf Deutsch: „Goldene Böhmische Märchen“, Práh 2008.
  • Iva Pekárková ©Kenneth Osieme
    Iva Pekárková, 1963 in Praha (Prag) geboren, studierte Biologie. 1985 wanderte sie in die USA aus, die Heimat ihres literarischen Vorbilds Jack Kerouac. Sie war eine der wenigen weiblichen Taxifahrer in New York City. Seit 2005 lebt die Autorin in London. Iva Pekárková möchte in näherer Zukunft zwei Projekte abschließen: Geschichten aus Afrika mit dem Titel „Der Friedensreparateur und andere gestohlene Geschichten“ sowie einen Roman aus der Kindheit und Jugend in der sozialistischen Tschechoslowakei. Auf Tschechisch erschien zuletzt die Publikation: „Multikulti pindy jedný český mindy“, Mladá fronta 2016, und auf Deutsch: „Truck Stop Rainbows“, Piper Verlag 1995 und „Taxi Blues“, Piper Verlag 2000.
  • Kateřina Tučková ©Vojtĕch Vlk
    Kateřina Tučková, geboren 1980 in Brno (Brünn), ist eine der erfolgreichsten tschechischen Autorinnen. 2010 erhielt sie den wichtigsten Literaturpreis des Landes, den Magnesia Litera, für „Vyhnání Gerty Schnirch“ (dt. „Die Vertreibung der Gerta Schnirch“). Ihr bekanntester Roman und tschechischer Bestseller „Žítkovské bohyně“ (dt. „Das Vermächtnis der Göttinnen“) erhielt gleich vier tschechische Preise und wurde in 13 Sprachen übersetzt. Kateřina Tučková lebt in Prag und Brünn, und ist als Programmdirektorin des Festivals Meeting Brno tätig, das die künstlerische Verarbeitung aktueller und historischer mitteleuropäischer Themen zeigt. 2017 wurde Katerina Tučková mit dem „Preis für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte“ des Instituts für das Studium totalitärer Regime ausgezeichnet. Während ihres Residenzaufenthaltes in Leipzig möchte sie an ihrem Roman „Weises Wasser“ arbeiten, der die Verfolgung von Ordensschwestern in kommunistischen Regimes behandelt. In Tschechien erschien zuletzt u.a. ihre Publikation „Vitka“, Host 2018, und auf Deutsch „Das Vermächtnis der Göttinnen", DVA 2015.
  • Jaromiír Typlt ©Apollena Typltová
    Jaromír Typlt, geboren 1973 in Nová Paka (Neupaka), im Nordosten Böhmens, ist Autor, Dichter, Künstler, Kurator, Herausgeber und gelegentlich Übersetzer aus dem Deutschen. Er studierte Tschechisch und Philosophie in Prag, danach arbeitete er als Dramaturg und Kurator. Für sein Schaffen erhielt er 1994 den Jiří Orten Preis. Im Jahr 2018 wurde im hochroth-Verlag seine Sammlung „oder schnurstacks“ herausgegeben. Jaromír Typlt lebt in Praha, wo er sich u.a. dem Studium der Art Brut widmet. In Leipzig möchte er seine vorbereiteten Skizzen mit neuen Inspirationen ergänzen. In Tschechien erschien zuletzt die Publikation „Za dlouho“, Argo 2016, auf Deutsch „oder schnurstracks“, hochroth Verlag 2018.