Interview Marek Rubec über ComiX

© Veronika Bröcknerová

Was erwartet die Besucher des Themenraums ComiX im Goethe-Institut? Wie ist dieser Themenraum entstanden? Lesen Sie das Interview mit dem Kurator Marek Rubec, in dem Sie auch erfahren, wie er selbst zum Comic kam.

Du bist der Kurator des Themenraums ComiX. Wonach hast du die ausgestellten Künstler ausgewählt?

Die Aufgabe war es, Autorinnen und Autoren zu finden, die sich in ihren Werken mit autobiografischen, persönlichen Erlebnissen beschäftigen oder verschiedene Situationen aus ihrem Leben oder aus dem Leben ihnen nahestehender Personen bearbeiten. Gleichzeitig wollte ich mich auf die bekanntesten Künstler konzentrieren. Im Unterschied zu Deutschland werden in den tschechischen Comics autobiografische Erlebnisse weniger akzentuiert, aber schließlich ist es doch gelungen, zwischen den tschechischen Comic-Autoren einige zu finden, die wirklich gute Qualität liefern und in dieses Konzept passen. Interessant ist, dass der Großteil der ausgestellten Arbeiten bisher noch nicht publiziert oder nur im Internet publiziert worden ist. Ein Beispiel dafür sind die Zeichnungen von Lucie Lomová und Jiří Grus, die bis jetzt lediglich in den Blogs der Autoren erschienen sind.

Der Themenraum setzt sich auch aus anderen Elementen zusammen als „nur“ einer Ausstellung. Kannst du dazu etwas sagen?
 

  •  © Marek Rubec
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Ziel war es nicht, eine klassische Ausstellung mit Originalzeichnungen zu zeigen, sondern Comics und Zeichnungen als Objekte zu nutzen, die nicht nur den Ausstellungsraum besonders machen. Es ist uns dafür gelungen, ein dreidimensionales Objekt von Vendula Chalánková auszuleihen. Bestandteile der Ausstellung sind auch großformatige Drucke und Pappfiguren, auf die die Besucher auch außerhalb des Ausstellungsraums stoßen.



Gibt es für die Besucherinnen und Besucher auch Möglichkeiten zur Interaktion?

Die Besucher können sich in einen „unendlichen Comic“ einbringen, der für sie in den Räumen der Bibliothek vorbereitet wird. Zudem können sie eine Auswahl aktueller tschechischer und deutscher Comics durchblättern oder durchlesen. Die Comics stehen gleichzeitig auch elektronisch zur Verfügung. Ein Bestandteil der Ausstellung werden auch Workshops mit den einzelnen Autoren sein.

Du bist selbst Comic-Autor. Was hat dich zum Comic geführt?

Meine erste Erinnerung ist die Zeitschrift Čtyřlístek, die ich mit ungefähr vier Jahren in die Hände bekommen habe. Ich habe gleich auf primitive Art und Weise versucht, die Hauptfiguren dieses Kultwerks auf den Umschlag zu zeichnen. Seitdem bin ich dem Comic verfallen. Die ersten Comics habe ich in der ersten Klasse der Grundschule gezeichnet, natürlich mit einer sehr naiven Handlung, aber mit umso größerer Großzügigkeit und Verwegenheit. Dann gab es eine kurze Pause, in der ich versucht habe, hinter die Geheimnisse der sogenannten hohen Kunst zu kommen. Später habe ich dann Comics in großer Zahl gezeichnet, die ich oft angefangen und nie beendet habe und die allesamt in der Schublade gelandet sind. Ernsthafter begann ich mich erst dann mit Comics zu beschäftigen, als ich in Zlín Animationsgestaltung studiert habe und der Comiczeichner und Illustrator Dan Černý eines meiner kürzeren Comics in seinem Undergroundblatt Sorel veröffentlicht hat. Danach ist es mir gelungen, einige Comics in der Zeitschrift AARGH! von Tomáš Prokůpek und Tomáš Kučerovský zu publizieren, im slowenischen Stripburger und anderswo. Ich habe auch den Teil „1942, Wie in London das Heydrich-Attentat geplant wurde“ der ČEŠI-Serie nach dem Skript von Pavel Kosatík ausgearbeitet, der ebenfalls im Themenraum ComiX zur Ansicht ausgestellt ist.

Welche Vorbilder aus dem Ausland hast du?

Da gibt es eine ganze Menge. Schon lange mag ich französische Comics und ich bin beispielsweise ein Fan von Nicolas de Crécy, Joann Sfar und David B. Von den amerikanischen Autoren haben mich am meisten Charles Burns oder Daniel Clowes beeinflusst. Man könnte sagen, dass ich hauptsächlich die alternative Comic-Szene mitverfolge, zu der eine Reihe sehr interessanter Autoren wie zum Beispiel der finnische Künstler Tommi Musturi oder der Argentinier Berliac gehören. Sehr interessant ist auch die deutsche Szene, neben den ausgestellten Autoren würde ich hier noch Namen wie Anke Feuchtenberger, Aisha Franz und Markus Färber ergänzen.

Glaubst du, dass in der tschechischen Szene irgendein deutscher Autor besonders anerkannt wird?

Ich denke, dass beispielsweise Mawil, dank seines markanten Stils und der originellen Skripte auch tschechischen Lesern ein Begriff geworden ist. Auf Tschechisch ist sein Werk Strandsafari und ein kürzerer Comic in der Zeitschrift AARGH! erschienen. 2007 war er einer der größten Stars auf dem Festival KomiksFEST!, das in Prag stattgefunden hat.
Und ich denke, dass die jüngeren Leser und Autoren auch Anna Haifisch kennen, die nicht nur in Deutschland immer bekannter wird. In der Ausstellung in der zweiten Etage ist es nicht weiter notwendig, den tschechischen Lesern Reinhard Kleist und den österreichischen Zeichner Mahler vorstellen zu müssen, da von beiden in der Tschechischen Republik einige Bücher erschienen sind.

Und Vorbilder aus dem tschechischen Comic-Bereich?

Die Zeitung Čtyřlístek war für mich wie gesagt das prägendste Werk, deren zentrale Comics Jaroslav Němeček gezeichnet hat und bis heute zeichnet. Das größte Idol war für mich aber Kája Saudek, der mich neben Adolf Born wohl am meisten beeinflusst hat. Ich mag bis heute viele der legendären Illustratoren Tschechiens wie zum Beispiel Josef Lada, Ondřej Sekora, Jaroslav Malák, Neprakta, Oldřich Jelínek, Jiří Šalamoun und so weiter, unter deren Werken auch einige Comics zu finden sind. Außer den in der Ausstellung im Goethe-Institut ausgestellten Autoren verfolge ich die Veröffentlichungen der gesamten tschechischen Comic-Szene.

Woran arbeitest du jetzt gerade?

Neben kommerziellen Aufträgen habe ich gerade den Autorencomic Jarmil in Arbeit, dessen Premiere wir hoffentlich auf dem Comic-Festival Frame feiern können, das dieses Jahr am 3. und 4. November im Karolinum in Prag stattfinden wird. Für dieses Festival habe ich das Plakat gezeichnet sowie die gesamte visuelle Gestaltung erarbeitet. Das Konzept für diesen Comic habe ich bereits im letzten Jahr auf dem Illustrationsfestival LUSTR vorgestellt und das stellt mich nun vor die Herausforderung, das ganze Projekt rechtzeitig zu beenden und zu präsentieren. Außerdem wurde auf der Buchmesse Svět knihy der Sammelband der Rychlé šípy-Comics getauft, der sich ihrem 80. Jubiläum widmet. Darin werden die Leser neben einem bescheidenen Beitrag von mir Comics fast der vollständigen tschechischen Comic-Szene finden. Ein paar andere Projekte von mir befinden sich momentan in einer Phase, in der sie erst einmal nur Skripte und Skizzen sind, aber das behalte ich im Moment lieber noch für mich.
 
Marek Rubec studierte animierte Kunst an der Tomáš-Baťa-Universität in Zlín. Er konzentriert sich vor allem auf das Zeichnen von Comics, Illustrationen, aber auch animierten Filmen. Seine Arbeiten publizierte er zum Beispiel in Labyrint revue, Art + Antiques, AARGH! oder auch in dem slowenischen Sammelband Stripburger. Zusammen mit Pavel Kosatík ist er der Autor der grafischen Novelle „1942, Wie in London das Heydrich-Attentat geplant wurde“ aus dem Zyklus ČEŠI.