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Kulturtipp
Je suis Karl

Je suis Karl
Je suis Karl | © Je suis Karl / Bontonfilm

Ein hochpolitisches Kino mit deutsch-tschechischen Schauplätzen.

Von Anna Weber

Der französische Titel Je suis Karl deutet nicht darauf hin, doch ist Prag neben Berlin und Paris einer der Hauptschauplätze im neuesten Film von Regisseur Christian Schwochow. Denn in Prag beginnt die Protagonistin Maxi Baier, sich in neurechten Strukturen zu verfangen - das Kernthema des Films.

Maxi hat bei einem scheinbar islamistischen Anschlag in Berlin ihre Mutter und ihre beiden Brüder verloren und droht an dieser Erfahrung – wie ihr Vater – zu zerbrechen. Noch am Tag des Anschlags hatte sie in der Nähe des Tatorts den charismatischen, attraktiven Karl kennengelernt, ein Student in ihrem Alter. Um Berlin und ihrem Trauma einiger Zeit zu entfliehen, reist sie Karl unbedarft nach Prag zu einer sogenannten "Summer Academy" nach, die sich als neurechte Propagandaveranstaltung entpuppt.

Junge Rechte aus ganz Europa treffen sich dort als Teil der fiktionalen Bewegung Re/Generation zur Vernetzung und zum ideologischen Austausch, ähnlich wie das reale Vorbild der Identitären Bewegung. Während Maxi zunehmend Karls Charisma und den pseudo-revolutionären Parolen von Re/Generation verfällt, erfahren die Zuschauer*innen Stück für Stück von der eiskalten Skrupellosigkeit, mit der Karl seine Bewegung vorantreibt. Zuletzt stellt sich heraus, dass er sogar an Maxis privater Familientragödie nicht unschuldig ist...

Ähnlich wie in seinen vorherigen Filmen Deutschstunde oder Der Turm schreckt Schwochow nicht davor zurück, unmissverständlich politisch Stellung zu beziehen: Je suis Karl ist ein Lehrstück, das die polierte Ästhetik der europaweit agierenden Neurechten nachdrücklich als raffinierte Fassade entlarvt.

Der Kinostart in Tschechien ist der 13. Januar 2022.
 

© Je suis Karl / Bontonfilm

 

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