Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Übersetzungsdonnerstag
Natur als Dienstmädchen? — Diskussion über Jan Hafts Buch "Die Wiese"

Wiese
Wiese | Foto: Armin Staud / Colourbox

Die Situation aufgrund der Pandemie bringt uns zum Nachdenken über die heilende Kraft der Natur, aber auch dazu, unser menschliches Verhältnis zu Natur zu hinterfragen. Der Sozial- und Kulturökologe Ivan Rynda, die Übersetzerinnen Marie Voslářová  und Tereza Semotamová haben über Jan Hafts Buch Die Wiese diskutiert.

Tereza Semotamová: „Als ich neun Jahre alt war, erzählte mir meine Mutter eine Geschichte aus ihrer Kindheit, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist. Sie schilderte, wie sie sich immer wieder in eine Blumenwiese in der Nachbarschaft ihres Elternhauses in München-Schwabing zurückzog, sich ins Gras legte und Marienkäfern und anderen Wieseninsekten beim Auf und Ab im Dschungel der Halme zusah. In ihrer Vorstellung wurde sie zu einer Zwergin unter Zwergen, verlieh den Wieseninsekten Namen und dachte sich Gespräche aus zwischen den Käfern, Raupen und Zikaden. Möglicherweise flüchtete sie sich in diese scheinbar friedliche, kleine Welt, um der Bedrückung zu entfliehen, die Kriegszeiten und Evakuierung mit sich brachten," das schreibt Jan Haft in seinem Buch Die Wiese.

Ich glaube, die heilende Kraft der Natur wird uns allen gerade in diesen Zeiten zutiefst bewusst, wenn die einzige Möglichkeit, aus dem Haus zu gehen, der Weg zum Supermarkt oder eben in die Natur ist. Marie, wie erlebst du die jetzige Situation?

Marie Voslářová: Ich glaube, dass es auf Dauer nicht gut ist, gesunde Menschen und vor allem Kinder auf unbestimmte Zeit zu Hause einzusperren, da sind Auswirkungen auf die physische wie psychische Gesundheit vorprogrammiert. Ich freue mich daher für alle, die die Quarantäne naturnah oder zum Beispiel mit Gartenarbeit verbringen können. So kann man vermutlich gut der „Apokalypse“ trotzen … Daher bin ich sehr dankbar, dass ich auf einer kleinen Farm in der Nähe unserer Wohnung, mitten in der Stadt, ab und an etwas machen darf – jäten oder den Kompost umsetzen oder so etwas. Aber in der Tat, ich freue mich jetzt selbst über diese geschundene Prager Natur wie noch nie.

Ivan Rynda: „Geschunden“ ist für die Prager Natur auf jeden Fall ein passender Begriff! Ich hoffe nur, dass unser Hausarrest kein dauerhafter wird … Aber ich denke, dass vor allem Kinder jetzt zum Glück noch in die Natur finden, egal ob in Prag oder anderswo, mehr als Erwachsene und vor allem Rentner, obwohl vermutlich nicht so oft wie früher. Doch ich bin mir vor allem ziemlich sicher, dass selbst dieses mehrwöchige Erlebnis nicht ohne Folgen bleibt – auf lokaler, regionaler, aber natürlich auch globaler Ebene – und ich kann nur hoffen, dass die meisten Menschen daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Und Jan Haft stellt uns in seinem Buch auf eine wunderbare Weise einen Ort im geradezu Heidegger‘schen Sinne vor, eben durch zwei Merkmale: Man muss sich darin orientieren und sich mit ihm identifizieren können. Jeder von uns sollte einen solchen Ort für sich haben, am besten gleich mehrere. Und ein toller Ort bei Haft ist zum Beispiel die Stelle, wo er die Entdeckung des Tals des Fotografen Andi Hartl beschreibt, beziehungsweise des Tals des alten Bauern, der dort lebt, wirtschaftet und mit dem Tal so verwachsen ist, dass der dortige Pächter durch seine übermäßige Düngung der Wiese dazu beitragen könnte, dass sich der Bauer nicht mehr mit der Landschaft hätte identifizieren können, hätte sich das ganze Biotop wegen der Nitrifikation verändert.

Auch in Prag gibt es viele wunderbare Orte! Und wir, die wir in der Prager Siedlung „Solidarita“ zu Hause sind, leben quasi in einer Art Kerouac'schen Gleislandschaft mit stillgelegten Bahntrassen und Gleisanschlüssen, und wir laufen da durch ein Labyrinth aus kleinen Gehölzen, Lichtungen, Kahlschlägen, Bahnschwellen und verrosteten Gleisen – und diese Landschaft der sog. tertiären Sukzession, in der sich die Spuren den Menschen ziemlich rasch zersetzen, hat ihren eigenen Charme.

Aber diese kleine Farm, von der Sie sprachen, würde ich gern sehen, wenn es nicht Ihr Geheimnis ist, Marie? In Prag gibt es allerdings einige davon: „Kuchyňka“ zum Beispiel.

Marie: Da bin ich voll Ihrer Meinung, ich beobachte diese sog. tertiäre Sukzession zum Beispiel im Prager Areal Bubny-Zátory, wo auch die besagte kleine Farm liegt, eigentlich ist es ein Gemeinschaftsgarten, den man sich definitiv anschauen sollte. Das finde ich ziemlich gut und es stimmt mich auch optimistisch, dass die Natur eben mit uns klar kommt.

Nicht jede Wiese gleich Wiese ist


Tereza: Marie, das gefällt mir richtig gut. Ich bin eine fanatische Liebhaberin des Komposts und betreibe eine Art Kompost-Guerilla. Aber sag mal, hast du während des Übersetzens an einer bestimmten Form des Umweltkummers gelitten?

Marie: Das würde ich nicht sagen, was den Zustand der Umwelt im Allgemeinen betrifft, habe ich nicht viel Neues oder Überraschendes erfahren. Obwohl: Ich hätte gedacht, dass wenigstens in Westdeutschland die Situation um einiges besser ist, denn hier bei uns wird die verheerende Lage in der Landwirtschaft meist mit der Kollektivierung nach 1948 begründet. In diesem Buch lernt man allerdings, dass es ähnliche Probleme auch woanders gibt.

Und tatsächlich hat mich Die Wiese eher optimistisch gestimmt, genauso wie es jede Nachricht über Menschen tut, die sich irgendwo verantwortungsvoll um ein Stückchen dieser Welt kümmern und sich für Naturschutz engagieren. Ich glaube auch, dass es Jan Haft sehr gut gelungen ist, Zusammenhänge, deren wir uns oft gar nicht bewusst sind, sehr nachvollziehbar zu erklären, und vielleicht kann er dadurch Menschen Augen öffnen, die zwar gerne in der Natur sind, aber nicht sehr viel über sie wissen. Zum Beispiel, dass nicht jede Wiese gleich Wiese ist und dass Düngung auch dort Probleme verursachen kann, wo man möglicherweise gar nicht düngt.

Ivan: Man spricht hier von sog. Mosaikmahd, abschnittweise Mahd oder auch Beweidung der Wiese: in Zeit und Raum. Damit zum Beispiel die Samenstände einzelner Arten ausreifen können, oder aber bestimmter, unerwünschter Arten wiederum nicht, und ebenfalls zum Schutz der „Wiesengäste“: das sind vor allem Insekten und die ganze Nahrungskette. Das ist eigentlich aus der Naturschutzperspektive eine Routineangelegenheit, die ganz gewiss auch Bauern in den Weißen Karpaten, in Čertoryje oder Porážky und anderswo, kannten. Und wenn sich der herausragende Botaniker und Erneuerungsökologe Karel Prach heute damit brüstet, dass er die Forschungsflächen seiner südböhmischen Wiesen zum Teil weder mäht noch düngt, oder zum Teil mäht aber nicht düngt, oder nicht mäht, aber düngt und zu einem Viertel mäht und nicht düngt, und dass er eine bereits dreißigjährige Zeitreihe erzielt hat, da lachen sich Bauern ins Fäustchen, denn sie haben ja eine seit dreihundert Jahren …

Jan Haft beschreibt das alles ganz wunderbar, auch in meinem Lieblingsabschnitt. Da hätte ich eine Frage an Sie Marie: Das Buch hat 200 Seiten (große Schrift). Was ist das denn für ein Genre? Auf Tschechisch finden sich da sehr viele Diminutiva oder auch kindliche Ausdrücke, wie „chlupáč“ („Fusselkopf“) „huňáč“ („Zottelkopf“), „soustíčko“ („Häppchen“) oder „kožíšek“ („Pelzchen“) und viele andere – kann man sagen, dass Jan Haft einen ästhetisierenden Schreibstil hat, oder haben Sie sich bei der Übersetzung bewusst für diese Ebene entschieden?

Marie: Ich glaube, für dieses Buch gibt es kein eigenes Genre – aber es sollte eins geben. Mir begegnen solche Bücher immer häufiger: populärwissenschaftliche Publikationen, Entspannungsliteratur, aber auch solche, in denen die Autoren sich quasi fast nackig machen, sehr engagiert und durchaus subjektiv schreiben. Vielleicht hängt es damit zusammen, wovon in letzter Zeit überall die Rede ist, dass wir uns eben „Ware mit Geschichte“ wünschen?

Es ist schon mehr als ein Jahr her, als ich das Buch übersetzt habe, aber soweit ich mich erinnere, hat der Autor viele Ausdrücke benutzt, um den Text etwas lebendiger zu machen – umgangssprachliche, untypische oder witzige Formulierungen –, und diese Ebene wollte ich auch auf Tschechisch beibehalten, zum Beispiel durch die Diminutive. Das Übersetzen solcher Texte ist ein bisschen anders in dem Sinne, dass die Autoren keine erfahrenen Schriftsteller sind und ihre Schreibweise eher intuitiv ist. Beim Übersetzen geht es dann darum, dass der Text natürlich klingt, sich gut liest, aber man sollte ihn wiederum nicht zu viel „ausbessern“.

UND WIE SIEHT ES DENN MIT DEN TSCHECHISCHEN WIESEN AUS?


Tereza: „Man muss sich also nicht erst mit der Biologie des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbäuchlings beschäftigen, um zu erkennen, warum die modernen Wirtschaftswiesen so artenarm sind. Der Wunsch der Landwirte nach mehr Ertrag ist verständlich, und für viele Betriebe ist es eben eine Überlebensfrage, ob aus den vorhandenen Flächen mehr herausgeholt werden kann oder nicht. Aber trotz Verständnis für alle Sachzwänge und die Umstände des Einzelfalles: Das Ausmaß der Veränderung auf unseren Wiesen gibt Anlass zu großer Sorge. Kein anderer Lebensraum ist so schnell und so radikal von der Deutschlandkarte verschwunden wie die artenreiche Wiese." Und wie sieht es denn mit den tschechischen Wiesen aus?

Ivan: Ich bin kein Botaniker, aber ich würde sagen, dass es den tschechischen Wiesen nicht so schlecht geht: Es gibt einmähdige und zweimähdige Wiesen, die großflächigen, vor allem in Naturschutzgebieten, werden beweidet und gesenst, viele sind zwar von der Nitrifikation betroffen, aber andere bleiben stickstoffarm und dadurch artenreich. Es ist allerdings jede Menge Arbeit für Umweltschützer und Freiwillige, zum Beispiel in der Region Vysočina gibt es den Verein Krajina (deutsch: Landschaft), der sich auf Sensen, Beweidung und Schutz der Wiesen vor Aufforstung spezialisiert. Viele aufgeklärte Umweltschützer, zum Beispiel im Naturschutzgebiet Český kras, bemühen sich um Ausnahmen vom Gesetz für die Waldweide, und im Böhmerwald werden systematisch die ungeeigneten Meliorationen und Entwässerungen zurückgebaut und es entstehen wieder Feuchtgebiete. Und überhaupt, wissen Sie, wo es die größte Biodiversität der Welt gibt?

Tereza: Keine Ahnung. In Tschernobyl?

Ivan: Der war nicht schlecht. Man weiß, dass die größte Diversität in tropischen Regenwäldern herrscht. Das stimmt zwar, aber nicht ganz (aber, was ist denn auch absolut wahr, oder?). Es gibt immer mehrere Wahrheiten und die eine besagt, dass die jahrhundertelang geschnittenen und beweideten Wiesen in den Weißen Karpaten, zum Beispiel in Čertoryje oder Porážky, vier- oder fünffache Rekordmeister in Biodiversität sind. Ist das denn möglich?

Die ursprüngliche Natur ist weg


Tereza: Der Naturwissenschaftler und Biologe Jiří Sádlo behauptet in seinem Vortrag Natur in uns, dass „je mehr wir die Natur schützen, desto mehr verliert sie in ihrer traditionellen Auffassung ihren Sinn, ihre Authentizität. Doch schützen müssen wir sie trotzdem, denn im Unterschied zu den Prozessen und der Entwicklung von Ökosystemen, wie Sukzession, ist Biodiversität die Überlebensgrundlage." Wie positionieren Sie sich zu Äußerungen, die Landschaftsveränderungen infolge der Industrialisierung und den Klimawandel als solchen bagatellisieren?

Ivan: Der grundlegende Unterschied liegt darin, dass es die Natur ohne Menschen gibt, während die Landschaft nur mit Menschen denkbar ist. Die ursprüngliche Natur, die Wildnis, gibt es kaum noch und so treffen auch die internationalen Schutzgebietskategorien der IUCN (International Union for the Conservation of Nature and Natural Resources) 1a und 1b, also „Strenges Naturreservat“ und „Wildnisgebiet“ auf kaum einen Ort dieser Welt mehr zu. So gesehen sind die Bemühungen der Umweltbewegung Duha (deutsch: Regenbogen), ausgewählte Flächen in der freien Landschaft der natürlichen Sukzession zu überlassen zwar sicherlich lobenswert, aber auch ein wenig lächerlich, denn eine Wildnis wird hier nicht mehr entstehen, was entsteht, ist nur das Ergebnis der sog. tertiären Sukzession. Aber es könnte auch schlimmer kommen: Es gibt auch Menschen, die die Natur als Ergebnis einer Verhandlung begreifen, oder als ein kulturelles Konstrukt … Und sie haben in gewisser Weise auch recht, Dichter und Aphoristiker haben es ja frühzeitig erkannt, schon Stanisław Jerzy Lec wusste: „Anders duftet das Heu den Pferden und anders den Verliebten."

Eine alte Naturschutzregel besagt, man kann alles mögliche schützen, doch schützt man die Biodiversität, kann man nichts falsch machen. Und im Prinzip stimmt es auch (der Bär, der in Tále in der Tatra an die Hotelmülltonnen geht, als würde er zu einer Imbissbude gehen, oder die Schwarzwildherden in der ganzen Republik, jetzt sogar auf dem Marktplatz in Budweis, sind wohl nicht das beste Zeichen der Artenvielfalt.)

Aber zurück zu Jan Haft: Die ziemlich grundlegende Debatte darüber, ob die Ausrottung der Megafauna der Mensch oder die Eiszeit verursacht hat, und ob seitdem die Wiesen der Mensch und die Natur schafft, führt er schon sehr nachvollziehbar. Und da sind wir bei dem grundlegenden Problem, dessen sich manchmal selbst gute Umweltschützer nicht bewusst sind (oder sie wollen sich dessen in ihrem Eifer für die Sache nicht bewusst werden und verleugnen und verleugnen): bei dem Gegenstand des Schutzes. Und das ist auch die Antwort auf Ihre Frage, Tereza, zum Bagatellisieren der Landschaftsveränderungen infolge der Industrialisierung und des Klimawandels. Wenn es die anthropogenen Veränderungen, die man „im Wasser spürt, in der Erde spürt und in der Luft riecht“, wie es Galadriel und die Ents sagen würden, nicht geben würde, würde es auch keinen Streit darüber geben, ob man sich im Naturschutzgebiet lieber für eine komplette Vermeidung jeglicher menschlichen Eingriffe, für natürlich ablaufende Prozesse, Sukzession und eine natürliche Entwicklung entscheidet, oder eben für den Ökosystemschutz. Die anthropogenen Einflüsse gibt es und sie überschreiten ihre Grenzen, und die Ausrottung der Megafauna in unseren Breiten ist ein Resultat davon. Und deswegen brauchen wir neben den Prozessen auch eine aktive Verwaltung und wir müssen zwischen den Gegenständen des Schutzes genau unterscheiden, und zwar überall, nicht nur in den Biosphärenreservaten, und dabei auch nach dem Wann, Wo und Warum fragen. Deswegen bringt der menschengemachte Naturschutz der Natur Schutz und Zerstörung zugleich, während die Landschaft gleichermaßen von Natur und Kultur gestaltet wird.

Tereza: Glauben Sie, dass die jetzige Situation zu einer Art Klimaaufklärung führen kann, wie es einige Klimaaktivisten behaupten? Oder führt sie wieder „nur“ zu einer Wirtschaftskrise, der Green Deal wird wieder vergessen und alles wird genauso weiter laufen wie zuvor?

Ivan: Genauer wäre es zu sagen, dass uns die Corona-Krise lehrt, anders über die Welt nachzudenken. Ein Kommentator hat kürzlich geschrieben, die Pandemie sei ein Ereignis, eine Katastrophe, aber kein Trend. Ich bin davon überzeugt, dass er sich irrt! Mit unserem euroamerikanischen Konsumverhalten, mit dem wir die Natur rücksichtslos als Dienerin unserer legitimen wie ganz absurden Bedürfnisse beanspruchen, haben wir selbst globale Probleme geschaffen, wir überschreiten die Naturgrenzen, und diese in Gang gesetzten Prozesse werden immer stärker. Bis wir endlich verstanden haben, dass es sich um einen TREND handelt, der bei weitem nicht nur das Klima betrifft, können wir überlegen, ob es nicht an der Zeit wäre, auch etwas zu unternehmen. Die Grundlage der Nachhaltigkeit ist die Redefinition der L-R-G-Beziehung: lokal, regional, global. Und wenn wir verstanden haben, dass es gut ist, in einem Bereich autonom zu sein, begreifen wir vielleicht, dass es auch allgemein gilt. In gewisser Hinsicht ist es toll und nachhaltig, von der Hand in den Mund zu leben: eigene Sachen anbauen, verarbeiten und verbrauchen. Es würde viel weniger Verkehr geben, viel weniger externe Effekte, und durch die niedrigere Mobilität von Waren, Menschen und Kapital würde es auch für Coronas und Covidien viel weniger Möglichkeiten geben, sich zu verbreiten. Und vielleicht begreifen dann auch die, die sich damit brüsten, dass wir hier in Tschechien eine kleine, aber offene Wirtschaft haben, dass es nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig ist. Und vielleicht begreifen wir am Ende des Tunnels, dass es gut ist, sich auf ein globales Problem zu einigen, auch wenn es das größte ist, eben der Klimawandel, und das dann auch angehen – und dann nach und nach die anderen Probleme.

Marie: Hoffentlich muss vor der Erkenntnis nicht noch eine größere Katastrophe kommen ...

Tereza: Wir werden sehen. Aber wir sollten uns die Daumen drücken! Marie, wir war die Zusammenarbeit mit dem Kazda Verlag? Was haben sie für ein Verlagsprogramm?

Marie: Der Schwerpunkt des Verlags liegt auf populärwissenschaftlichen Büchern mit Naturthematik, aber sie haben auch andere Bücher im Programm, zum Beispiel zu Themen wie Lebensstil oder Spiritualität. Ich arbeite nun an einem dritten Buch mit dem Verlag zusammen und das freut mich sehr – denn sie halten immer das Wort. Und was ich auch sehr schätze, ist das gute Lektorat dort – sprachlich wie inhaltlich. Das ist sehr wichtig, denn auch, wenn ich mich für Natur und Umwelt interessiere, bin ich auf diesem Gebiet nicht ausgebildet. Und die Fachleute können eventuelle Unstimmigkeiten und Fehler beseitigen. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass dem Ehepaar Kazda und ihren Kollegen an allen Büchern, die sie herausbringen, sehr viel liegt. Ich hoffe, dass ihre Leser ihnen auch in Zeiten der geschlossenen Buchhandlungen treu bleiben und sie sich über Wasser halten können.

Ivan: Ich mag die beiden Kazdas auch sehr gern. Sie wissen, was sie tun und achten aufs Genre. Deswegen haben sie zum Beispiel Peter Wohlleben herausgebracht. Es gibt noch andere Autoren, zum Beispiel Matt Ridley mit seinem Eros und Evolution, oder der für mich noch wichtigeren Biologie der Tugend, oder aber Jean Dorst. Von den tschechischen Autoren findet beispielsweise Jan Žďárek viel Beachtung.

Top