Interview mit der Gewinnerin der Kategorie B2 Kateřina Martincová

Kateřina Martincová © Goethe-Institut; Foto: Valentin Fanel Badiu

Interview mit Kateřina Martincová, Schülerin am Gymnasium in Ústí nad Orlicí. Kateřina spielt nicht nur Geige und Klavier, sondern sie spricht auch gut Deutsch. Deutsch ist ihre zweite Fremdsprache, sie lernt Deutsch seit fünf Jahren. Zur Internationalen Deutscholympiade 2014 fuhr sie nach Frankfurt am Main, es war ihr erster Besuch in dieser Stadt. Sie nimmt zahlreiche Eindrücke mit nach Hause, unter anderem den Moment, als sie bei der Verkündung der Sieger in der Kategorie B2 ihren Namen hörte. Herzlichen Glückwunsch!

Liebe Katka, hat der Gewinn des Stipendiums zur Teilnahme an der IDO 2014 nicht deine Pläne für den Sommer zunichte gemacht? Hast du dich darauf gefreut?

Nein, der Gewinn hat meine Pläne nicht zerstört, sondern nur geändert. Ich habe damals zwar noch nichts Konkretes für den August im Kalender gehabt, aber es war mir klar, dass ich meinen Ferienjob im Ausland sowieso nicht für die ganzen Ferien machen wollte. Gleich nach dem Gewinn des Stipendiums habe ich mich selbstverständlich riesig gefreut, aber kurz vor dem Abflug wurde ich etwas unsicher. Die Unsicherheit war aber nach zwei Tagen in Frankfurt verschwunden und mit den neuen Freunden kamen auch Entspannung und Freude.

Wie gut hast du dich gemeinsam mit den anderen knapp hundert jungen Menschen aus 48 Ländern eingelebt? Wer von ihnen ist dir ans Herz gewachsen und zieht es dich z.B. jetzt in eines der Heimatländer eines der anderen Teilnehmer, über das du vielleicht vorher nicht so viel gewusst hast?

Am Anfang war es anspruchsvoll, weil ich in Frankfurt bis auf Líza Laškevičová niemanden kannte. Dann habe ich mir aber gedacht, dass ja eigentlich alle diese „Ausgangsposition“ haben. Also habe ich mich einfach an Unterhaltungen beteiligt oder habe andere angesprochen. Und wer mir am meisten ans Herz gewachsen ist? Die Isländerin Bryn und die Dänin Katherine. Mit den beiden habe ich die meiste Zeit verbracht, wir haben uns gut verstanden und ihre Länder finde ich auf jeden Fall spannend. Beide Mädchen waren für mich die Besten der Besten, aber ich könnte bestimmt noch um die 50 weitere Menschen nennen! Zerina aus Bosnien, Bela aus Armenien, Lebo aus Südafrika, Henrik und André aus Schweden… Alle waren sehr nett und ich mag sie sehr.

Was hat dir am Programm der IDO am meisten gefallen? Wie hat die Stadt Frankfurt auf dich gewirkt und möchtest du irgendwann nach Frankfurt zurückkehren?

Diese Frage könnte ich mit einem ganzen Essay beantworten. Die IDO hat mich in meiner Auffassung bestärkt, dass die Deutschen im Bereich Bildung sehr freigiebig und präzise sind. Mir haben die Ausflüge innerhalb Frankfurts und in die Umgebung gefallen, die Herangehensweise unserer Betreuer, die Aufgabenstellungen... Am meisten Spaß haben mir aber wohl unsere Partys gemacht! Da war aufgrund unserer multikulturellen Gruppe einiges los! Ich würde sehr gerne noch einmal nach Frankfurt fahren und auch gerne das Umland kennenlernen.

Was für ein Gefühl war es, als du bei der feierlichen Siegerehrung deinen Namen gehört hast? Und wie haben deine Familie und Freunde reagiert, als sie von deinem Erfolg erfahren haben?

Das war für mich ein bis noch vor kurzem unvorstellbares Gefühl. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich den Preis entgegennahm, das war die bisher größte Überraschung in meinem Leben. Es war aber natürlich ein schönes Gefühl. Es hat jedoch nichts an dem Aufenthalt an sich geändert, ich hätte ihn auch ohne den Gewinn genauso sehr genossen. Der erste Platz war nur eine wunderbare Krönung des Ganzen. Meine Familie und Freunde waren auch gerührt, sie haben das genauso wenig erwartet wie ich. Zu Hause hat meine Familie eine Feier für mich vorbereitet, ich habe ihnen die Fotos gezeigt und wir haben angestoßen; es war eine sehr angenehme Rückkehr nach Hause.

Nächstes Jahr erwartet dich viel: außer dem Abitur und der Entscheidung, was du danach machen möchtest, wirst du auch ein vierwöchiges Praktikum in Deutschland absolvieren. Denkst du darüber nach in Deutschland zu studieren?

Ja, darüber denke ich nach. Heutzutage gibt es natürlich viele Möglichkeiten, man kann das Studium zu Hause und im Ausland kombinieren. Ich habe vor, so viel wie möglich über das Studium in Deutschland und in England zu erfahren und danach werde ich hoffentlich eine richtige Entscheidung treffen können.

Heutzutage ist die Sprache Nr. 1 Englisch, das du auch sehr gut sprichst. Warum ist es deiner Meinung nach gut, Deutsch zu lernen? Was würdest du jemandem raten, der Deutsch nicht so sehr mag?

Englisch ist eine schöne Sprache und in der ganzen Welt sehr gefragt. Ich lerne Deutsch, weil ich denke, dass es nicht weniger schön ist. Jeder nimmt Sprachen aber unterschiedlich wahr. Wem Deutsch keinen Spaß macht, dem kann ich wenigstens einen sehr pragmatischen Grund nennen: Deutsch ist praktisch. Deutschland ist unser größter Handelspartner und Deutschkenntnisse schaden nie.

 

Die Fragen stellte Štěpánka Laňová, Goethe-Institut in Prag.
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August 2014